Kabarett in Schalksmühler

Einige Fragen zur Demokrati im PZ

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Auch die Karnevalskultur nahmen sich Jens Neutag und Martin Maier-Bode zur Brust.

Schalksmühle - Kritisch und dabei originell setzten sich am Freitag die Kabarettisten Jens Neutag und Martin Maier-Bode mit der politischen Situation in Deutschland aus einander.

Mit der Demokratie liegt nicht nur in Deutschland inzwischen einiges im Argen. Gerade für viele Politiker scheint die eigentlich beste Staatsform dieser Erde nur noch ein Selbstbedienungsladen zu sein, wie die Kabarettisten Jens Neutag und Martin Maier-Bode am Freitag im ausverkauften PZ Löh feststellten. 

Die beiden stürmten im Knast-Outfit die Bühne, und im Laufe des Abends sollten die Zuschauer auch nach und nach erfahren, aus welchem Grund sie in gestreiften Klamotten unterwegs waren. Doch zunächst schickten sich die Knastbrüder an, ihrem Publikum in mehreren Kapiteln etwas über das Wesen der Demokratie beizubringen. So wurde zum Beispiel beim Interview mit dem wollüstigen Günther erst mit einiger Verzögerung klar, dass es sich nicht um einen sexuell abseitig Veranlagten, sondern um einen obsessiven Wähler handelte. 

Außerdem sitzt er im Bundestag, lässt sich wählen und bekommt dafür auch noch Geld, das er sich nach den Wahlen in Form von Diäten selbst zuschiebt. Noch schlimmer steht es um einen Abgeordneten, der nicht wiedergewählt wurde und nun bei der Bewerbung um einen Arbeitsplatz entdecken muss, dass er außer Abstimmen eigentlich gar nichts (mehr) kann. Dass im Parlament im Grunde die Nichtwähler, also deren leere Sitze, die größte Fraktion darstellen müssten, ist ebenfalls Thema. 

Programm auch mit Längen

Jene Geschichte, die die beiden in den Knast gebracht und letztlich mit einem Auftritt auf der Beerdigung statt auf einer Kabarettveranstaltung bereits unheilvoll begonnen hat, ist dabei der rote Faden, der sich von Beginn bis Ende durch das Programm zieht, sich allerdings auch ein wenig langatmig gestaltet. Gleiches gilt für einen geschichtlichen Abstecher in die Zeit der Revolution 1848 – ein recht zäher Diskurs, der eher wie ein Fremdkörper inmitten des übrigen Konzeptes wirkt. Manchmal fehlte es ein wenig an jenen bösen und bissigen Sahnehäubchen, die das Kabarett zu einem scharfen Schwert machen können. 

Kabarett mit Jens Neutag und Martin Maier-Bode.

Das Messer wurde nur gelegentlich, insbesondere bei zwei Nummern im zweiten Programmteil, wirklich gewetzt. So gehört zur Demokratie auch eine freie Presse, doch stellten sich Neutag und Maier-Bode die Frage, ob es diese überhaupt geben kann, da die meisten Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland zu lediglich vier großen Konzernen gehören. 

Thema "Bio-Ei-Skandal"

In diesem Zusammenhang war es großartig, wie Neutag einen Text von Franz-Josef Wagner rezitierte, jenem aufgrund seiner schwer limitierten, aber staatstragend eingesetzten sprachlichen Fähigkeiten auch als Gossen-Goethe bezeichneten „Chefkolumnisten“ der Bild-Zeitung. Ergänzend schickte sich Martin Maier-Bode an, authentische Zeilen, in denen Wagner zum Thema „Bio-Ei-Skandal“ das Bio-Ei persönlich anspricht mit den Worten „Wie schön war es, als ich glaubte, du wärst das Ei einer glücklichen Henne, die auf einem kleinen Bauernhof herumpickt, und sich nur in Acht nehmen muss vor dem ewig geilen Hahn“ in pantomimischer Form zu interpretieren. 

Die erfrischende Parodie der Jahreshauptversammlung eines Karnevalsvereins wusste ebenfalls zu gefallen, bei der die beiden Kabarettisten den sturzbetrunkenen Vorsitzenden und seinen ebenso heftig angeschickerten Kassenwart mimten und ihre „rheinische Rasselbande“ unter anderem als latent frauenfeindliche Truppe entlarvten, deren Mitglieder sich die Angetraute in Thailand „kaufen“ und diese zum Schnitzel süß-sauer einladen. 

Der Demokratiepass für das Publikum

Abschließend erhielten diejenigen im Publikum, die es auch gerne wollten, nach gelernter Lektion einen Demokratiepass als Beweis dafür, dass sie nun bei diesem Thema so richtig gut im Bilde sind. Und wer das Ding nicht brauchte, der konnte immerhin beim nächsten Halt an der Raststätte noch den original Sanifair-Bon über 50 Cent einlösen, der auf der Rückseite abgedruckt war.

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