Interview

Mehr als 30 Jahre Lokalpolitik: Heide Bachmann blickt zurück

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Zum Abschied aus ihren politischen Ämtern überraschte die UWG Heide Bachmann mit einer Tour durch Schalksmühle. Eine Station war die Kindertagesstätte Wansbeckplatz, die in Bachmanns Zeit als Gemeindeoberhaupt gebaut wurde.

Schalksmühle - Mehr als 30 Jahre prägte Heide Bachmann als UWG-Ratsmitglied, Bürgermeisterin und erste stellvertretende Bürgermeisterin das politische Geschehen in Schalksmühle. Ende November legte die Heedfelderin alle politischen Ämter auf eigenen Wunsch nieder und beendete damit eine Ära.

Mit einigen Wochen Abstand blickt Bachmann im Gespräch mit Redakteur Markus Wilczek in unserer Zeitung noch einmal auf diese ereignisreiche Zeit zurück.

Frau Bachmann, erstmals seit 1984 haben Sie kein politisches Amt mehr inne. Wie fühlt sich das an und was machen Sie mit der vielen Freizeit?

Heide Bachmann: Lokalpolitikerin zu sein, ist ein Amt auf Zeit. Das gilt natürlich auch für mich. Ich bin froh, dass bei meiner Arbeit in den ganzen Jahren alles so gut geklappt hat. Aber jetzt rücken junge Leute nach. Denen möchte ich nicht im Wege stehen. In meinem Alter mit mehr als 70 Jahren habe ich gemerkt, dass ich allmählich mehr Ruhe brauche und diese Ruhe mir auch gut bekommt. Ich habe jetzt mehr Zeit für mich, meinen Mann Wolfgang, unsere Kinder und Enkel. Wir planen auch weiterhin schönen Urlaube zu machen, haben als eines der nächsten Ziele bereits das Baltikum ins Auge gefasst. Zudem engagiere ich mich weiterhin im Netzwerk Flüchtlingshilfe.

Hätten Sie bei ihrem ersten Einzug in den Rat gedacht, dass sie die Entwicklung von Schalksmühle mehr als 30 Jahre aktiv mitgestalten werden? 

Bachmann: „Ich habe das Amt eigentlich gar nicht angestrebt, bin in die Politik mehr oder weniger hineingerutscht. Natürlich musste die Familie in den ganzen Jahren öfter mal einiges aushalten, bei den ganzen Dingen, die auf mich zugekommen sind. Speziell in der Zeit als ich ehrenamtliche Bürgermeisterin war und parallel gearbeitet habe. Das war aufreibend. Aber mir haben die Aufgaben immer Spaß gemacht, sonst hätte ich ganz sicher nicht so lange durchgehalten. Deshalb habe ich auch nicht das Gefühl, irgendetwas im Leben verpasst zu haben. Ich blicke voller Dankbarkeit auf diese Zeit zurück, denn mit den meisten Menschen, mit denen ich zu tun hatte, gab es eigentlich nie Probleme.

Können Sie sich noch an die Anfänge erinnern?

Bachmann: Zu Beginn der 1980er-Jahre ist mein Mann Wolfgang bei der Märkischen Verkehrsgesellschaft die Schulbusse gefahren. An der Haltestelle in Heedfeld gab es Probleme mit der Sicherheit für die Kinder. Deshalb habe ich eine Eingabe bei der Verwaltung gemacht, dort ein Gitter aufstellen zu lassen. Nach einem mehr als zweijährigen Hin und Her wurde das Gitter, das übrigens bis heute steht, aufgebaut. Weil ich in dieser Sache so hartnäckig war, hat mich der damalige Bürgermeister „Conny“ Mühlen angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, Politik zu machen – und ich habe mich überreden lassen.

Was wäre passiert, wenn Sie damals „Nein“ gesagt hätten?

Bachmann: Darüber habe ich noch nie nachgedacht, denn rückblickend hätte ich es sicherlich bedauert. Die UWG ist für mich zu einer Familie geworden. Unsere direkte Art Politik zu machen, auf die Menschen zuzugehen, hat mir immer gefallen. Und speziell in meiner Zeit als Bürgermeisterin hatte ich gezielt die Möglichkeit, Einzelnen zu helfen. Wenn das geklappt hat, war das ein sehr schönes Gefühl.

Nach welchem Grundsatz haben Sie gearbeitet?

Bachmann: Ich habe mir anfänglich geschworen, wegen politischen Belangen wissentlich nicht ein Mal zu lügen. Das habe ich bis zum letzten Tag durchgezogen.

Was war Ihr wichtigstes Projekt als Bürgermeisterin?

Bachmann: Sicherlich der Verein Tschernobyl-Hilfe, den wir 1992 gegründet haben und vergangenes Jahr sehr schweren Herzens auflösen mussten. Aber die politischen Gegebenheiten haben es leider immer weiter erschwert, Hilfstransporte in die Region durchführen zu können. Zudem wurde es in Schalksmühle immer schwieriger, Gastfamilien für den Kinderaustausch zu finden. Aber was wir seit 1992 geschafft haben, ist bemerkenswert. Ich denke beispielsweise als eines der letzten Projekte nur an die Sanierung einer Zahnklinik. Die vor Ort tätigen Ärzte sagen uns noch heute voller Dankbarkeit, dass sie den schönsten Arbeitsplatz in der gesamten Region haben. Wenn ich daran denke, bekomme ich immer noch eine Gänsehaut.

Welche war die wichtigste Entscheidung für Schalksmühle?

Bachmann: Sicherlich die Sanierung des Bauernhauses Wippekühl. Damals ging es hoch her und ich habe sogar die Vertrauensfrage gestellt. Heute können wir sagen, richtig entschieden zu haben. Das Bauernhaus ist ein Schmuckstück und von der Bevölkerung akzeptiert.

Womit sind Sie rückblickend nicht zufrieden?

Bachmann: Das die Verbundschule nicht funktioniert hat, hat mich doch sehr gefrustet. Das Problem lag letztlich aber nicht nur in Schalksmühle, sondern in der Einmischung der großen Politik. Mit der Primusschule sind wir jetzt aber alle entschädigt worden. Sie wird auf Jahre das wichtigste Thema für die Gemeinde sein und ist ein Leuchtturmprojekt, das nach außen, aber auch nach innen strahlt und wieder für mehr Zusammenhalt sorgt.

Wie sehen Sie Schalksmühle für die Zukunft aufgestellt?

Bachmann: Ich blicke voller Zuversicht nach vorne. Schalksmühle ist eine wunderbare Gemeinde, die jetzt durch die Regionale auch äußerlich immer attraktiver wird. Auch bei dieser Entwicklung sollten alle Vertrauen in die Entscheidungen der verantwortlichen Personen haben. Bestes Beispiel ist für mich der Volmepark, der zunächst für viele Diskussionen gesorgt hat, mittlerweile aber längst ein echter Gewinn für die Gemeinde ist.

Ende März findet die nächste Ratssitzung statt. Was werden Sie an diesem Tag machen?

Bachmann: Ich werde ganz sicher nicht im Rathaus sein. Vielleicht fahre ich mit meinem Mann zum Shoppen.

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