Corona-Impfungen

Mit der Spritze gegen das Virus: Eine Praxisassistentin berichtet

Praxisassistentin Jacqueline Sander, Coronavirus, Impfungen
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Praxisassistentin Jacqueline Sander gehört zu den Ersten, die Menschen in Schalksmühle gegen das Coronavirus geimpft haben.

Sie war und ist ganz vorne mit dabei: Jacqueline Sander, Nicht-ärztliche Praxisassistentin (NäPa) in der Hausarztpraxis Lehmkühler, hat in den beiden Schalksmühler Senioreneinrichtungen die ersten Corona-Schutzimpfungen in der Gemeinde gegeben. Sie spricht über die Reaktionen der Geimpften, Nebenwirkungen und den verantwortungsvollen Umgang mit dem Impfstoff.

Schalksmühle – Dass die Fachkraft zusammen mit ihren Kolleginnen für die beiden Impftage ausgesucht wurde, war kein Zufall. „Da wir die meisten Patienten in den beiden Häusern versorgen, wir deshalb regelmäßig dort vor Ort sind und wir die Menschen kennen, wurden wir quasi automatisch dazu geholt.“ Aufgeregt war die 42-Jährige nach eigenen Angaben nicht, als sie erfuhr, dass sie als eine der Ersten in Schalksmühle gegen das Virus impfen darf. „Ehrlich gesagt war ich voller Vorfreude, dass ich mithelfen durfte, etwas gegen die Pandemie tun zu dürfen. Aufregung gab es nicht, dafür kennt man sich mit der Materie an sich zu gut aus – aber auch in Sachen Corona. Wir haben in unserer Praxis und in Schulen schon unzählige Testungen durchgeführt.“

Das ganze Thema höre sich dramatischer an, als es ist. „Eine Impfung bleibt eine Impfung. Uns ist wichtig, dass wir sie mit ruhigem Gewissen den Patienten empfehlen können. Wir haben uns im Vorfeld ausgiebig informiert und stehen auch dahinter.“ Ihre Kolleginnen und sie hätten keine Bedenken. Auch sie haben bereits einmal den Impfstoff verabreicht bekommen und haben keine Nebenwirkungen feststellen können. „Wir haben 130 Patienten im Seniorenpark und 60 im Seniorenhaus geimpft und alle im Nachgang betreut. Nur drei Patienten haben hinterher über eine Stunde Schüttelfrost gehabt. Diese Reaktion muss aber nicht von der Impfung gekommen sein.“ Und selbst wenn, sei dieses Symptom mit Blick auf den Impfschutz auszuhalten.

Nicht die Corona-Impfung an sich, sondern der verantwortungsvolle Umgang mit dem Impfstoff sei etwas Besonderes, sagt Jacqueline Sander.

Jacqueline Sander erinnert sich an viele übereinstimmende Kommentare der Patienten, denen sie behutsam den Impfstoff indiziert hat. „Die Aussagen wiederholten sich immer wieder. Keiner hat gesagt, dass er oder sie es eigentlich nicht möchte. Viele haben sich gefreut, dabei sein zu können, und waren froh, etwas gegen das Virus tun zu können.“ Bis auf etwas Small Talk habe sie gar nicht viel reden müssen. Die Patienten seien alle ausreichend informiert gewesen. Und gezwungen wird sowieso niemand. „Die Impfung ist freiwillig. Wer nicht dahinter steht, den impft man auch nicht gerne.“ Außerdem klappe es dann auch nicht, da derjenige dann meist auch eine Impf-Reaktion zeige. Das sei alles Kopfsache. Sie könne auch verstehen, dass die ganzen schlechten Nachrichten über Schädigung des Erbguts oder Unfruchtbarkeit Ängste hervorrufen können. „Auch wir können die möglichen Langzeitfolgen nicht benennen. Das kann aber auch kein Virologe und auch kein Arzt für Infektiologie.“

Vogel- und Schweinegrippe und jetzt Corona – in meinen 27 Jahren in der Praxis Lehmkühler habe ich schon alles miterlebt.

Jacqueline Sander, Praxisassistentin

„Als Fachfrau habe ich Verständnis für Impfgegner. Aber ich möchte mir vorher die Begründungen für ihre Ablehnung anhören. Wir akzeptieren sie, geben es aber auch nicht auf und führen Gegenargumente in Form von Fakten an. Wer aber keine Meinung hat und einfach nur so dagegen ist, den kann ich nicht verstehen.“

Der Umgang mit dem Impfstoff – an beiden Tagen verimpfte Jacqueline Sander das Produkt von Biontech und Pfizer – sei nicht mit einer normalen Impfung vergleichbar. „Wir haben keine Fertigspritzen und es müssen aus jeder Ampulle exakt sechs Dosen entstehen“, erklärt sie. Zudem müsse das Mischungsverhältnis genau stimmen. „Der Impfstoff wird mit 1,8 Milliliter Natriumchlorid (NaCl oder auch Kochsalzlösung) vermischt und darf nur mit 0,3 Milliliter auf eine 1-Milliliter-Spitze aufgezogen werden. „Da muss man schon sehr genau arbeiten.“

Anderer Umgang mit Impfstoff

Das so entstandene Präparat dürfe zudem nicht warm werden und müsse innerhalb von fünf Stunden verabreicht werden. Die Ampullen an sich können für einen festgelegten Zeitraum – in etwa vier bis fünf Tage – im Kühlschrank aufbewahrt werden. Trotz all des Aufwands zähle am Ende nur das Ergebnis – der Impfschutz der Patienten. Aber auch diese Aufgabe haben Jacqueline Sander, ihre Kollegin Yvonne Andrießen zusammen mit ihrer Chefin Margret Lehmkühler in den beiden Einrichtungen souverän absolviert. Das Lob der Verantwortlichen vor Ort war im Nachgang groß.

„Vogel- und Schweinegrippe und jetzt Corona – in meinen 27 Jahren in der Praxis Lehmkühler habe ich schon alles miterlebt. Für uns sind die aktuellen Impfungen nichts außergewöhnliches – nur der Umgang mit dem Impfstoff ist besonders.“

Auch bei den zweiten Impftagen in den Senioreneinrichtungen ist sie zusammen mit ihrem Team dabei. Und dann werde man schauen, was als Nächstes kommt. Sie hätte sich auch als Fachkraft für die Mitarbeit im Impfzentrum in Lüdenscheid bewerben können. „Doch das habe ich nicht gemacht, da wir in Schalksmühle schon jetzt genug Arbeit haben. Und irgendwann werden wir mit den Bewohnern der Senioren-WG, die wir auch betreuen, ausreichend zu tun bekommen. Ich kann nur hoffen, dass bald auch die ersten Risikogruppen geimpft werden. Zumindest ist erst einmal auf Eis gelegt, dass die Hausärzte impfen sollen.“

Mit Corona seien viele Herausforderungen für sie und ihre Kollegen dazugekommen – unter anderem die täglichen Updates etwa der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe zu den Testungen per E-Mail. „Der bürokratische Aufwand ist enorm. Dagegen ist eine Impfung eine Kleinigkeit.“

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