Kommunalwahl 2020

Ist die medizinische Versorgung in der Gemeinde ausreichend? - Parteien in Schalksmühle antworten

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Die medizinische Versorgung ist im ländlichen Raum ein wichtiges Thema.

Drei Fragen stellte die Redaktion den für den Schalksmühler Gemeinderat kandidierenden Parteien. Die zweite Frage lautet: Ist die medizinische Versorgung in der Gemeinde ausreichend oder ist auch Schalksmühle vom Ärztemangel betroffen?

Das sind die Antworten der vier Parteien CDU, SPD, UWG und FDP in Schalksmühle zur Frage:  Ist die medizinische Versorgung in der Gemeinde ausreichend?

Die vier Parteien haben wie folgt auf die zweite Frage geantwortet.

Die Antwort der UWG

Wir haben am Ort fünf Praxen, zum Teil Gemeinschaftspraxen, in denen junge und erfahrene Ärzte als Allgemeinmediziner zusammenarbeiten. Rein rechnerisch steht so für 2100 Einwohner ein Hausarzt zur Verfügung. Von den Zahlen her erscheint das ausreichend. Würde eine Praxis davon aufgegeben, müssten wir jedoch von einem Mangel reden. Faktoren wie Sprechzeiten bzw. Öffnungszeiten und Erreichbarkeit der Praxis beeinflussen das reine Zahlenspiel. Die öffentliche Diskussion über trug nachweislich zur Verunsicherung auf allen Seiten bei und ließ bei manchen ein Gefühl von Mangel aufkommen. Immer wieder wird auch ein Facharztmangel beklagt, sei es Kinder-, Augen-, HNO-, Hautarzt und so weiter.

Die Politik hat leider wenig direkte Einflussmöglichkeiten. Die Entscheidung, sich als Arzt an einem Ort niederzulassen, ist eine privatwirtschaftliche Entscheidung, hängt ab von der Prognose, ob sich eine Praxis trägt und die Einrichtung finanzierbar ist, hängt aber auch massiv ab von den Vorgaben und Beschränkungen durch die kassenärztliche Vereinigung. Wir als UWG würden die Einrichtung eines Ärztehauses mit mehreren Disziplinen sehr begrüßen und dafür erforderliche Beschlüsse fassen. Wir können aber die Berechnungsgrundlagen der Ärztekammer nicht aushebeln, die nur eine begrenzte Menge an Ärzten in einer Region zulässt. Die Fahrten in Nachbarkommunen gelten als zumutbar, die Konzentrationen in Städten auf Kostendruck der Kassen ist ein Fakt.

Die Antwort der SPD

Im Krankheitsfall brauchen wir die Gewissheit, dass wir dort, wo wir wohnen, gut versorgt sind. Der Grad der hausärztlichen Versorgung im Mittelbereich Lüdenscheid, zu dem auch Schalksmühle gehört, liegt bei 93,1 Prozent. Der Schalksmühler Bedarf von 6,5 Hausärzten ist rechnerisch derzeit mit acht Hausärzten gedeckt. Berücksichtigt man jedoch, dass wahrscheinlich mindestens drei Hausärzte kurz- bis mittelfristig Nachfolger brauchen, so besteht dringender Handlungsbedarf, um eine stabile und gesicherte hausärztliche Versorgung zu haben. Ländliche Kommunen haben Probleme, Ärzte zu gewinnen. Wir müssen Anreize schaffen.

Die Sicherstellung der gesundheitlichen Versorgung hat die SPD immer wieder beschäftigt. Wir haben das Thema mit dem SPD-Abgeordneten Gordan Dudas erörtert. Wir haben zu einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Anfragen an die Verwaltung gestellt. Ein MVZ sollte auf unserer Agenda bleiben. Fachärzte könnten über Zweigpraxen oder einen Umzug an einen Gesundheitsstandort „Alte Realschule“ angesiedelt werden. Dorthin könnte auch eine weitere Hausarztpraxis. Soweit eine ausreichende hausärztliche Versorgung dauerhaft nicht sichergestellt werden kann, müssen neue Wege gegangen werden. Hier bieten sich mobile und digitale Lösungen an. Im Rahmen der Regionale 2025 wird ein interkommunales „Kompetenzzentrum Gesundheit“ als Leuchtturmprojekt vorgeschlagen – mit dem Ziel, Prävention und gesundes Leben für alle Generationen zu stärken.

Die Antwort der CDU

Gegen den Ärztemangel auf dem Land wurde ebenfalls durch die Bundes- und Landesebene der CDU die richtige Weichenstellung vorgenommen. Hierzu wurden notwendige Förderprogramme aufgelegt, um entsprechende Anreize zu schaffen, die medizinische Versorgung sowohl mit Allgemeinmedizinern als auch mit Fachärzten vor Ort langfristig sicherzustellen oder gegebenenfalls maßgeblich zu verbessern. Der demografische Wandel muss auch hierbei stets im Fokus bleiben, denn unsere Gesellschaft und damit natürlich auch Schalksmühle wird immer älter.

Folglich steigt weiterhin der Bedarf an guten niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten in den kommenden Jahren. Sollte der Bedarf in der Zukunft nicht mehr gedeckt werden können, gilt es auch hier Alternativlösungen zu suchen. Eine Möglichkeit wäre die Etablierung eines medizinischen Zentrums. Durch ein solches Multi-Medicum können die dort ansässigen Ärzte die strukturellen Synergieeffekte zum Wohle des Patienten einsetzen, um damit auch zeitkritische Versorgungen sicherzustellen.

Natürlich setzt auch ein solcher Lösungsansatz die Bereitschaft der beteiligten Mediziner voraus. Derzeit sind wir in Schalksmühle auch hier auf einem guten Weg; viele der bei uns niedergelassenen Ärzte haben bereits Nachfolger in den Praxen erfolgreich eingeführt, sodass auch in Zukunft eine gute ärztliche Versorgung in unserer schönen Heimatgemeinde gewährleistet ist.

Die Antwort der FDP

Wir wollen die medizinische Versorgung in Schalksmühle dauerhaft sicherstellen. Genügend und vor allem gute Mediziner vor Ort zu haben, ist ein wichtiger Standortfaktor der Gemeinde und ein wichtiger Wohlfühlfaktor für die Menschen. Hier ist es mit einem Beschluss aber nicht getan. Durch den Ärztemangel können sich Mediziner ihre Arbeitsstellen de facto aussuchen. Daher will die Schalksmühler FDP alles daran setzen, attraktive Rahmenbedingungen für Ärzte in Schalksmühle zu schaffen.

In Abstimmung mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) wollen wir es schaffen, dass sich hier Mediziner ansiedeln und in Schalksmühle ihr Zuhause finden. Die Sicherung einer wohnortnahen, bedarfsgerechten und qualitativ hochwertigen medizinischen Versorgung ist für die Bürgerinnen und Bürger sehr wichtig und ein zentraler Beitrag für die Attraktivität von Schalksmühle. Wir sehen uns an dieser Stelle in der Pflicht, diese Prozesse zu begleiten und zu vermitteln.

Außerdem wollen wir die Rahmenbedingungen etwa bei der Telemedizin verbessern. Rezepte könnten künftig nach einer Video-Sprechstunde ausgestellt werden – das würde die Praxen entlasten. Hierbei muss die Gemeinde alle interessierten Ärzte beraten und unterstützen.

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