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Iranischer Künstler über Schalksmühle: „Hier ist es besser als in meiner ersten Heimat“

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Von: Monika Salzmann

Der gebürtige Iraner Saber Dadei stellt seine Werke am Dritten Ort aus
Hat in Schalksmühle eine neue Heimat gefunden: der gebürtige Iraner Saber Dadei, der ab dem 1. Juli in der Fenstergalerie des Dritten Ortes ausstellt. © Salzmann, Jakob

Er ist „angekommen“ - im wahrsten Sinn des Wortes. Vor sechs Jahren kam Saber Dadei nach Schalksmühle. Nach einer langen Flucht aus dem Iran fühlt er sich an der Volme wohl, wie er sagt. Und er gibt seiner „zweiten Heimat“ jetzt etwas zurück: Kunst.

Schalksmühle - Augen verraten viel über einen Menschen. Ob jemand traurig oder glücklich, freundlich oder feindlich gesonnen ist, Fragen hat oder unsicher ist, lässt sich an den Augen erkennen. Oft lassen Augen tief in die Seele des Gegenübers blicken. Auch die Augen, die Saber Dadei mit Kohle und Pinsel gemalt hat, erzählen beredte Geschichten.

Da sind intensiv und durchdringend blickende Augen. Ebenso Augen, die von Falten umgeben sind und auf ein fortgeschrittenes Alter des dazugehörigen Gesichts verweisen. Es gibt Einzelaugen und es gibt Augenpaare. Nicht zu vergessen: lebenssprühende Augen mit langen, kokett geschwungenen Wimpern, die dem Leben voller Erwartung entgegenblicken.

Flucht aus dem Iran

Sieben Monate hat sich der gebürtige Iraner, der nach einer langen Flucht seit 2015 in Schalksmühle lebt und mittlerweile sehr gut Deutsch spricht, mit dem Thema Augen beschäftigt und eine eindrucksvolle Bildersammlung zusammengestellt. Ab dem 1. Juli stellt er sie in der Fenstergalerie des Dritten Ortes in der ehemaligen Kreuzkirche aus. Zu verdanken hat er das Irmtraud Quenzel, die ihm die Ausstellungsmöglichkeit vermittelte. „Eine Seite von mir ist das Malen“, erzählt der gelernte Grafik-Designer, der aus einer Künstlerfamilie stammt und aufgrund seines christlichen Glaubens aus dem Iran floh. Beim Malen vergisst er die Zeit. Eine Sanduhr, die immer bereitsteht, dient ihm als „Gedächtnisstütze“. Sie zeigt ihm an, sobald der Sand verronnen ist, wann es Zeit für eine kleine Pause ist.

Mitschüler aus aller Welt

Um sich weiterzuentwickeln und neue Techniken zu erlernen, belegte Saber Dadei, der sich bis dahin auf Bleistiftzeichnungen konzentrierte, in der Corona-Zeit einen Online-Zeichenkurs im Iran. Nebenberuflich widmete er jede freie Minute der Malerei. „Das hilft mir bei der Psyche“, sagt er. Die Stilrichtung, mit der er sich beschäftigt, ist der Hyperrealismus, der sich eine übersteigerte Wirklichkeit zum Ziel gesetzt hat. Das ihm fremde Zeichnen mit Kohle perfektionierte er nicht etwa mit dem Kohlestift, wie gemeinhin üblich, sondern mit Pinseln unterschiedlicher Größe. Mit Schülern aus aller Welt erlernte er die neue Technik. „Wir waren am Anfang 1400 Schüler. Alle haben Persisch gesprochen.“ Videos, die seine Lehrerin schickte, waren ihm beim Erlernen der Technik eine wertvolle Hilfe.

Pinsel, Radiergummistift, Lupe, Kohlepulver

Eine Vielzahl von Pinseln, ein batteriebetriebener Radiergummistift, der für die filigrane Arbeit stets angespitzt sein muss, eine Lupe und Kohlepulver sind die Ausgangsmaterialien der ausdrucksvollen Zeichnungen, die Saber Dadei erschafft. Neben den Augen-Bildern hat er Porträts und ein Bild seines Sternzeichens Wassermann, das ihm besonders wichtig ist, geschaffen. „Das ist mein Leben – Vergangenheit und Zukunft“, sagt er. Die Vorliebe der persischen Kultur, sich in Bildern auszudrücken, kommt besonders in dem Sternzeichenbild zum Ausdruck. Das Motiv nach eigenem Empfinden zu interpretieren, steht jedem frei. „Jeder sieht etwas anderes darin.“

Ausstellung am „Dritten Ort“

Über die Möglichkeit, in der Fenstergalerie ausstellen zu können, freut sich der 31-Jährige, der mit seinem Bruder Yaser aus dem Iran floh und in Schalksmühle eine neue Heimat gefunden hat, sehr. „Ich bin so froh, hier zu sein. Hier ist es besser als in meiner ersten Heimat.“ Mit der Malerei möchte er auf alle Fälle weitermachen – er könnte auch gar nicht anders. Im Westfälischen Hof hängen bereits eine große Bleistiftzeichnung der Erlöserkirche und eine farbige Darstellung der Welt von ihm.

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