LivingGospel: "Entertainment mit Tiefgang"

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Der Chor LivingGospel steht für die „Mischung aus schnell und langsam, temperamentvoll und getragen, Entertainment und Tiefgang. Gospel ist Emotion, Leidenschaft und Temperament pur“, sagt Timo Böcking.

Schalksmühle - Rund 50 Sänger haben sich dem Gospel verschrieben und bilden den Chor LivingGospel in Schalksmühle (LGS). Mit einer Band sorgen sie für unvergessliche Momente.

Im Interview mit Redakteur Martin Meyer erklärt Chorleiter Timo Böcking, was das Besondere an dem Gospelgesang ist. 

Seit wann gibt es die Gruppe LivingGospel? 

LivingGospel Schalksmühle startete im September 2003 als Gospelchor der Freien Evangelischen Gemeinde Schalksmühle unter der Leitung von Hans Werner Scharnowski. 

Seit wann sind Sie Chorleiter? 

Im September 2016 habe ich den Chor übernommen. Als Auftakt haben wir einen offenen Gospel-Workshop veranstaltet, aus dem neue Mitglieder hervorgingen. Heute haben wir rund 50 Chorsänger. 

Welchen neuen Wind konnten Sie einbringen? 

Natürlich hat jeder Chorleiter seine eigene Arbeitsweise, seine eigene Persönlichkeit und künstlerische Identität. Somit war der neue Wind schon einmal vorprogrammiert. Konkret habe ich mit dem Chor ein neues Repertoire moderner Gospelsongs erarbeitet, das neben einigen alten Songs aus dem LGS-Repertoire auch viele Songs aus meiner eigenen Feder enthält. Dass ich außerdem als Chorleiter zum altersmäßig jüngeren Flügel des Chores gehöre, mag man vielleicht auch als neuen Wind bezeichnen. 

Was war der ausschlaggebende Punkt für die Gründung?

Zum Selbstverständnis von LivingGospel Schalksmühle gehört die Motivation, mit Musik Menschen zu erreichen und von Gottes Liebe zu singen. Die emotionsgeladene Musik voller Rhythmus, Lebensfreude und Ohrwurm-Melodik verstehen die Sänger von LivingGospel als Bekenntnis zu ihrem Glauben an Gott. 

Warum gerade Gospel? 

Die musikalische Stilistik „Gospel“ spricht von sich aus schon ein generationenübergreifendes Publikum an. Die alten Spirituals haben viele Generationen vor uns geprägt und begleitet, aber ihre afroamerikanischen Wurzeln dominieren gleichzeitig auch die zeitgenössische Popmusik, die wir heutzutage als Mainstream bezeichnen. Inhaltlich ist es ähnlich: Gospel, die gute Nachricht von der Liebe Gottes, macht vor keinem Alter und keiner Herkunft halt. Sie richtet sich an jede und jeden. Aber zu guter Letzt ist es natürlich immer auch die Mischung aus schnell und langsam, temperamentvoll und getragen, Entertainment und Tiefgang. Gospel ist Emotion, Leidenschaft und Temperament pur. 

Wie viele Mitglieder hat die Gruppe? Mehr Frauen oder Männer? Welches Alter haben die Mitglieder? 

Zur Zeit haben wir rund 50 Mitglieder, wobei die Männer in der Unterzahl sind. Bei uns ist es in dieser Hinsicht genau andersrum als in der freien Wirtschaft: wir müssen darum kämpfen, Männer für uns zu gewinnen. Von Teenager bis zum Frührentner ist bei uns alles dabei – eine bunte, muntere Truppe, wie es sich für einen Chor gehört. Aber wie gesagt, wir freuen uns über Zuwachs, und auch nicht nur über Männer. 

Wo wird geprobt? 

Jeden Montagabend um 19.30 Uhr außerhalb der Schulferien in den Räumen der FeG Schalksmühle an der Jägerstraße 6 in Schalksmühle. 


Wer kann mitmachen, auch Anfänger? 

Prinzipiell sind erst einmal alle eingeladen, eine Probe mitzuerleben. Bei Interesse an einer Chormitgliedschaft wird dann in einem persönlichen Treffen mit mir die musikalische Voraussetzung festgestellt. Fest steht: Notenkenntnisse sind zwar hilfreich, aber keineswegs erforderlich. Ein musikalisches Gehör und eine stimmliche Grundsicherheit sind ausreichend. 

Was ist das besondere am Gospel? 

Gospelmusik besteht in ihrem Ursprung nicht nur aus Fröhlichkeit, Temperament und Hoffnung, sondern auch aus Klagen und Enttäuschung. Dieser an sich alte aber zentrale Wurzelpunkt des Gospels hilft uns auch in der heutigen Zeit, in der immer weniger gewiss erscheint, Orientierung und Halt in Gottes Zusagen zu finden. 

Ist eine Verbindung zum christlichen Glauben wichtig? 

Um Gospel singen zu „dürfen“ oder „können“, ist der persönliche Glaube keine Voraussetzung. Nur Gott kennt unser Herz, und wenn uns danach ist, Gospel zu singen, dann sollten wir es unbedingt tun. Nichtsdestotrotz ist es aber natürlich am authentischsten, wenn das Gesungene Ausdruck der eigenen Gefühle und des eigenen Glaubens ist, und das ist auch unsere Motivation als Chor.

Hat sich der Gospel im Laufe der Jahre verändert und wenn ja, wie? 

Ja, und das ist das musikalisch Spannende am gesamten Gospel: von den oral tradierten, frühen Spirituals über die Jubilee-Quartette Ende des 19. Jahrhunderts bis hin zu den musikalischen Einflüssen aus Rock, Soul und auch R’n’B ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nicht zuletzt dadurch ist Gospel immer relevant geblieben – sowohl für seine Interpreten als auch fürs Publikum. 

Was ist das gesanglich Besondere am Gospel? 

Das gesanglich Besondere am Gospel ist die Dynamik und der „Dreck“. Wo es im Pop- und Jazz-Bereich eher glatt und geschmeidig zugeht, lebt Gospel von temperamentvoller Dynamik, beispielsweise laut und leise, und dem emotionalen, teils ungestümen Ausdruck über die Stimme. Im Gospel muss sich niemand für seine Gefühle verstecken, sondern darf es rausflüstern, rufen oder auch schreien. 

Ist es schwer, Gospel zu singen? 

Schwer ist immer relativ. Es gibt leichte und schwere Gospels, was auch immer vom Arrangement abhängt. Ich würde den Gospel als gesanglich sehr zugänglich beschreiben. 

Was unterscheidet einen Gospelchor von einem normalen Chor? 

Zunächst mal das Repertoire. Und das ist auch das Einzige, was man pauschal sagen darf. Denn die Motivation der Chormitglieder, das Temperament in ihren Auftritten und ihre Leidenschaft – all das sind Kriterien, die über Genregrenzen hinweggehen. 

Woher stammen die Lieder?

Gospelmusik hat ihren Ursprung in der Zeit des Sklavenhandels zwischen dem afrikanischen Kontinent und der „neuen Welt“, in der unter anderem britische, portugiesische und spanische Kolonien bis in das 19. Jahrhundert hinein Sklavenhandel mit überwiegend westafrikanischen Völkern betrieben haben. Der damaligen Angewohnheit der Sklaven, während der Arbeit Lieder zu singen, haben wir heutzutage die sogenannten Spirituals zu verdanken. Für ihre Herren brachte das den Vorteil mit sich, dass singende Sklaven ihre Arbeit zufriedener und effektiver verrichteten. In den Spirituals wurden oft die Inhalte alttestamentlicher Bibelstellen verarbeitet sowie die Hoffnung der Sklaven auf die Erlösung durch ewiges Leben nach dem Tod ausgedrückt.

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