Bürgermeister Jörg Schönenberg: „Wir sind eine Kommune mit Herz“

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Eine Gemeinde mit Herz: Bürgermeister Jörg Schönenberg ist stolz auf Schalksmühle.

Schalksmühle – Am Sonntag feiert die Gemeinde beim Neujahrsempfang auch ihr 50-jähriges Bestehen. Wie sie sich in dieser Zeit entwickelt hat, was die Vorzüge des Lebens in einer Gemeinde sind und was er sich für die Zukunft wünscht, erklärt Bürgermeister Jörg Schönenberg im Interview.

Seit 50 Jahren gibt es die Gemeinde Schalksmühle. Wie hat sie sich seitdem entwickelt?

Jörg Schönenberg: Ich glaube schon, dass wir durch die Selbstverwaltungsrechte – zum Beispiel eine eigene Verwaltung, Finanzhoheit, Planungshoheit – eine positive Entwicklung hatten. Aber es gab und gibt natürlich auch Herausforderungen. Insbesondere der demografische Wandel hat sich bemerkbar gemacht, am Beispiel unserer Schulen wird das unter anderem deutlich. Auch das Thema Einzelhandel ist eine große Herausforderung, ebenso das Thema schnelles Internet. Wir sind im Verhältnis zu anderen Kommunen finanziell recht gut aufgestellt, dank unserer innovativen, familiengeführten Gewerbebetriebe und weil wir gut haushalten.

Was hat sich mit der Gründung der Gemeinde verändert?

Schönenberg: Vor 1969 gehörten die heutigen Ortsteile von Schalksmühle zu drei Ämtern: Halver, Lüdenscheid und Breckerfeld. Durch die Gebietsreform änderte sich aber nicht nur der Zuschnitt der Gemeinden, die neue Gemeinde Schalksmühle bekam neben einem Rat auch eine eigene Verwaltung und eigenes Satzungsrecht. Wir haben unsere Geschicke selbst in die Hand nehmen können und bekamen eigene Gestaltungsmöglichkeiten, was sehr wichtig in der Schulpolitik und bei der Infrastruktur ist. In den vergangenen 50 Jahren hat es viele Veränderungen gegeben und natürlich gibt es neue Herausforderungen und Dinge, wo wir nachsteuern müssen. Ich sage immer, wenn Aufgaben und Finanzverantwortung in einer Hand liegen, ist das von Vorteil. Das ist besser, als für etwas zu bezahlen, aber fremdbestimmt zu werden. Ich glaube nicht, wenn wir durch Dritte verwaltet würden, dass es uns dann besser gehen würde. Wenn man nur ein Ortsteil wäre, würde man an Bedeutung verlieren.

Was sind denn die Vor- und Nachteile einer Gemeinde gegenüber einer Stadt? Gibt es überhaupt Unterschiede?

Schönenberg: Ich glaube, der Begriff Stadt ist ziemlich allgemein definiert. Wenn man Leute fragt, stellen sie sich eine gewisse Größe und Dichte vor. Man denkt dann nicht an Städte wie Balve oder Neuenrade, sondern an Großstädte. Die haben eine andere Infrastruktur mit Hochschulen und ein größeres Kulturangebot, das sie vor allem für junge Leute interessant macht, und sie stehen auch für ein anderes Lebensgefühl als Städte und Gemeinden im ländlichen Bereich. Dort ist es eigentlich egal, ob es nun eine Stadt oder eine Gemeinde ist, denn die Herausforderungen sind die gleichen: die Mobilität und die ortsnahe Versorgung zu verbessern und auch Angebote für junge Leute zu schaffen.

Welche Voraussetzungen müssen denn erfüllt sein, um Stadt zu werden?

Schönenberg: Erst einmal setzt Stadt zu sein eine gewisse Größe voraus. Laut Gemeindeordnung muss eine Gemeinde an drei aufeinanderfolgenden Stichtagen mehr als 20.000 Einwohner haben, um Stadt werden zu können. In NRW gibt es einige Städte, die durch den demografischen Wandel inzwischen weniger Einwohner haben und heutzutage keine Stadtrechte mehr bekommen würden. Bei anderen sind es historische Zufälle, dass sie alte Stadtrechte besitzen. Zum Beispiel ist Breckerfeld kleiner als Schalksmühle, hat aber alte Hanserechte. Eine Stadt kann bestimmte Aufgaben in Eigenregie übernehmen, zum Beispiel über die untere Bauaufsicht oder ein eigenes Jugendamt verfügen. Aber hier muss man auch kritisch hinterfragen, ob die Zusammenarbeit nicht sinnvoller ist. Und das ist bei vielen kreisangehörigen Städten und Gemeinden im Märkischen Kreis in den Bereichen Jugendarbeit, Bau- und Ausländerrecht zum Beispiel der Fall. Es ist gut, dass wir Eigenständigkeit haben, aber man muss in der interkommunalen Zusammenarbeit auch intelligente Lösungen finden. In den Bereichen Kultur und Tourismus kann man – über Leader oder andere Programme – nur gemeinsam Lösungen entwickeln. Das Kirchturmdenken wird mehr und mehr aufgebrochen, weil wir in Südwestfalen mit demografischem Wandel und Fachkräftemangel oder den Themen Mobilität und Digitalisierung gemeinsame Herausforderungen haben, die wir nur gemeinsam angehen können. Eigenständigkeit und Zusammenarbeit sind also untrennbar miteinander verbunden.

Wie stellen Sie sich Schalksmühle in 50 Jahren vor?

Schönenberg: Ich sehe Schalksmühle als selbstständige Gemeinde, die finanziell solide aufgestellt ist. Ich hoffe, dass es der heimischen Industrie gut geht und wir auch das Thema Digitalisierung hinbekommen haben. Der Tourismus wurde bisher vernachlässigt und ich hoffe, dass Natur und Naherholung eine größere Rolle spielen und wir hier breiter aufgestellt sind. Ich hoffe, dass Schalksmühle eine Kommune mit einer hochwertigen Wohnqualität und Firmen mit hervorragenden Arbeitsplätzen für unsere Familien ist – und das in einer intakten Natur und grünen Landschaft. Es ist wichtig, dass wir weiter eine Kommune im Grünen sind mit einem überwiegenden Waldanteil. Und selbstverständlich hat es auch beim Thema Mobilität geklappt, sodass wir beispielsweise selbstfahrende Busse haben und eine Infrastruktur, die die ortsnahe Versorgung sicherstellt, vielleicht auch auf dem Luftweg. Insgesamt gehe ich davon aus, dass Schalksmühle eine lebenswerte und liebenswerte Kommune sein wird, in der es sich lohnt zu leben und zu arbeiten – und wo man die Erholung direkt vor der Tür hat.

Was wünschen Sie sich noch?

Schönenberg: Ich hoffe, dass wir eine offene, eine weltoffene Kommune sind, wo das Thema Fremdenfeindlichkeit keine Rolle spielt und der Gemeinsinn wie bisher nicht an Bedeutung verloren hat. Das Thema Menschlichkeit darf nicht auf der Strecke bleiben. Jung und Alt müssen miteinander harmonieren und die Hautfarbe darf keine Rolle spielen. Ich bin stolz, ein Schalksmühler zu sein, und zwar darauf, dass wir eine Kommune mit Herz sind, dass wir ein gutes Miteinander zum Beispiel in den Vereinen haben, dass man nicht allein und anonym ist. Das ist die Stärke einer Kommune.

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