CDU-Kreisgeschäftsführer André Krause im Interview

Vom „Team Merz“ ins „Team Laschet“

Andreas Krause CDU Kreisgeschäftsführer
+
André Krause, CDU-Kreisgeschäftsführer und Fraktionsvorsitzender in Schalksmühle.

Schalksmühle – Armin Laschet oder Markus Söder? – Die Kür des Kanzler-Kandidaten von CDU/CSU beherrscht dieser Tage die Schlagzeilen. Im Interview mit Axel Meyrich bezieht André Krause (30), Fraktionsvorsitzender der CDU in Schalksmühle und Kreisgeschäftsführer der CDU Mark, Stellung zur kontrovers geführten Debatte.

André Krause, wer folgt im September Angela Merkel im Bundeskanzleramt nach? Annalena Baerbock oder Robert Habeck?

Krause: (lacht) Wenn ich einen der beiden nenne würde, wäre ich wahrscheinlich meinen Job los. Nein, im Ernst. Die Umfragen sehen ja nicht so aus, dass wir unter einem grünen Kanzler leiden werden müssen...

Dann versuchen wir es anders: Zu welchem Team gehören Sie? Team Laschet oder Team Söder?

Krause: Ich war zunächst im Team Merz, aber Armin Laschet hat sich durchgesetzt. Ich finde allerdings auch, dass er im Moment nicht immer fair behandelt wird. Er macht einen sehr guten Job in NRW und hat ein gutes Kabinett, zumindest was die CDU-Mitglieder angeht. Als Bundesvorsitzender in einer nicht einfachen Zeit kann man auch nicht jedes Umfragetief nur auf ihn abwälzen. Insofern: Team Laschet.

Wo sehen Sie die Stärken und Schwächen der beiden Kandidaten?

Krause: Die beiden unterscheiden sich in der Performance, die Markus Söder besser gelingt als Armin Laschet. Da muss von Laschet mehr kommen. Es muss ein sichereres Auftreten kommen, auch gegenüber von Hauptstadtjournalisten. Bei Söder merkt man, dass er Medienprofi ist. Dafür hat Laschet bewiesen, dass er ein Brückenbauer ist. Das ist in einer kontroversen Gesellschaft ganz wichtig. Laschet agiert in NRW sehr pragmatisch. Vielleicht kommuniziert er das nach außen nicht immer ausreichend transparent. Laschet kann auf jeden Fall besser einen und versöhnen als Söder.

„Die aktuellen Werte sorgen nicht für Heiterkeit“

Sie sprechen Armin Laschets Pragmatismus an. Darf der so weit gehen, dass in kurzer Zeit zum Teil extreme Kurswechsel vollzogen werden?

Krause: Das ist so. Man darf aber nicht vergessen, wir leben in einer Pandemie, in einer Lage, die niemand kannte. Die Situation ist sehr dynamisch, deshalb erfordert die aktuelle Corona-Politik gelegentlich auch einen Kurswechsel.

Die Umfragewerte sprechen aktuell ganz deutlich pro Söder. Spielt das keine Rolle?

Krause: Umfragen sind Umfragen. Man darf sie nicht ganz an die Seite schieben, aber auch nicht zu viel hineininterpretieren. Friedrich Merz lag seinerzeit auch weit vor Armin Laschet. Das sind immer Momentaufnahmen. Mit einem guten Wahlkampf kann Laschet das ausbügeln, zumal er offensichtlich die breitere Unterstützung hat als Söder. Ich sehe das so, dass die Delegierten bei der Wahl von Armin Laschet zum CDU-Vorsitzenden schon die Vorentscheidung getroffen haben, wer Kanzlerkandidat werden soll. Laschet kann Wahlkampf und er kann Wahlen gewinnen, auch wenn die aktuellen Werte in der Partei nicht für Heiterkeit sorgen.

Wer die Kandidatenkür der Union und der Grünen vergleicht, erlebt einen großen Unterschied. Fast scheint es so, als lehnten sich die Grünen mit einer Tüte Popcorn zurück und beobachten genüsslich die Differenzen zwischen CDU und CSU. Wieso diese Strategie der offenen Konfrontation?

Krause: Es gibt auch innerhalb der CDU Stimmen, die sagen, wir müssen daraus eine Mitgliederbefragung machen. Das hat es in NRW ja schon einmal gegeben. Am Ende hatten wir den Spitzenkandidaten Norbert Röttgen, der dann das historisch schlechteste Ergebnis der Union erzielt hat. Das ist kein Allheilmittel. Das sieht man zum Beispiel auch mit Blick auf die SPD. Wenn in der CDU der interne Machtkampf vorbei ist, dann wird die Performance, von der ich sprach, auch besser. Die Art der Auseinandersetzung sehe ich eher als grundsätzliches Problem. Politik rennt den Medien hinterher, nicht in der Provinz, aber in der Hauptstadt. Das ist wahnsinnig schnelllebig. Nach meinem Empfinden müsste man allen das Handy abnehmen, dann könnte in Ruhe beraten werden. Aber wenn jetzt zeitnahe die Entscheidung fällt, haben wir auch wieder ein Team und es wird auch nach außen klar, dass wir eine Union sind.

„Die Krise zeigt, wo die Defizite liegen“

Liefern Sie einem klassischen Wechselwähler mal Argumente, wieso er das Kreuz bei der Union machen soll...

Krause: Stabilität und Zukunftsorientierung sind wichtig, weil sonst die Alternative Rot-Rot-Grün wäre. Das würde dem Land nichts bringen. Die unionsregierten Länder haben sich in der Corona-Krise bewährt, aber es bleibt noch viel zu tun. Die Krise zeigt allen, wo die Defizite liegen, die allerdings schon seit Jahren existieren. Thema Digitalisierung zum Beispiel: Wir haben klare Konzepte, aber das System der großen Koalition verhindert da vieles. Oder nehmen Sie den Datenschutz in der Pandemie. Was ist das für ein Irrsinn? Es werden Grundrechte eingeschränkt, aber beim Datenschutz wird gesagt: Da können wir nicht dran. Da ist die FDP ja ganz heiß hinterher.

Das führt zur nächsten Frage: Was wäre Ihre Wunschkonstellation für die nächste Legislaturperiode im Bund?

Krause: Die absolute Mehrheit. Mit zwei Dritteln.

Neue Formulierung: Was wäre eine realistische Wunschkonstellation?

Krause: Da bleibt ja nicht viel. Die FDP ist ein schwieriger Partner, das wissen wir von den letzten Verhandlungen. Ich kann mir mit den Grünen eine gute Koalition vorstellen, in der jede Partei in der Sacharbeit ihre jeweiligen Themen nach vorne bringt.

Zum Abschluss noch ein Blick auf die lokale Politik. Wie stark leidet Ihre Arbeit vor Ort unter der Corona-Pandemie?

Krause: Natürlich überlagert Corona alles, weil es vieles tangiert. Das Hin und Her um die Ausgangssperre versteht vor Ort keiner mehr. Die Themen, die wir darüber hinaus haben, sind aber nicht weg. Wir reden in Schalksmühle trotzdem darüber, dass wir ein neues Wohnbaugebiet benötigen. Die Aufstellung des Regionalplanes, der kulturelle Bereich, das sind alles Planungen, die für die Zeit nach Corona vorangetrieben werden müssen.

André Krause, vielen Dank für das Gespräch!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare