Corona

Impftag im Seniorenhaus Muhle - Spritzen und Grillwürstchen

Corona-Impfungen im Seniorenhaus Muhle
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Corona-Impfungen im Seniorenhaus Muhle: Routiniert setzt Versorgungsassistentin Jacqueline Sander von der Praxis Lehmkühler bei Arnold Jahnke (92) die kleine Spitze.

Nach rund anderthalb Stunden war fast alles überstanden. Im Schnelldurchlauf absolvierten die Bewohner und Mitarbeiter im Seniorenhaus Muhle am Dienstag die Corona-Impfungen. Dabei zeigte sich, dass eine gute Vorbereitung in jeder Hinsicht die halbe Miete ist.

Schalksmühle - Pünktlich traf am Dienstagmorgen der Impfstoff der Pharmaunternehmen Biontech und Pfizer in Muhle ein. Die vorschriftsmäßig gekühlte „heilige Fracht“, wie sie Einrichtungsleiter Hendrik Gräff nennt, durfte nur von ihm persönlich in Empfang genommen und quittiert werden. Während die Dosen im Kühlschrank verstaut wurden, lagen bereits alle notwendigen Impfpässe, Bescheinigungen und Einwilligungserklärungen parat.

Die Mitarbeiterinnen der Arztpraxis Lehmkühler, die bereits die Impfungen im Seniorenpark Reeswinkel vorgenommen hatten, hätten einen guten Job bei den Vorbereitungen gemacht, waren sich der Heimleiter und Gesa Busse, Leiterin des Sozialdienstes, einig. „Vielen, vielen Dank. Das war echt klasse“, lobte Hendrik Gräff, der auserkoren war, als Erster geimpft zu werden. „Es ist ein komisches Gefühl. Es ist zwar nur eine kleine Impfung. Doch es steckt so viel Psychologie da drin. Die Ampullen in den Händen lassen einen auf andere Zeiten hoffen.“

Die anderen Mitarbeiter und die 25 Bewohner kamen nach und nach an die Reihe – entweder in einem separaten Bereich des Gemeinschaftsraums oder auf ihren Zimmern. „Wie es gerade passt“, meint der Verantwortliche entspannt. „Alles ist gut organisiert. Das klappt reibungslos.“ Insgesamt 59 Dosen wurden gestern im Seniorenhaus Muhle verimpft. Nachdem vorher – mit Kochsalzlösung aufgemischt – maximal fünf Spritzen aufgezogen werden konnten, sind nun sechs möglich. Mit dieser Menge ist aber auch eine große Verantwortung verbunden.

„Impfparty“: Nach dem Pieks konnten sich die Bewohner mit Grillwürstchen und Kartoffelsalat stärken.

„Die Impfungen werden so angeliefert, dass auch sechs Dosen entnommen werden müssen. Das Team der Arztpraxis muss akkurat arbeiten, sonst passt es am Ende nicht“, erklärt der Einrichtungsleiter. Unter dem Strich bedeutet das: Geht eine Ampulle kaputt, kann die fehlende Menge nicht mehr ausgeglichen werden, da keine siebte Dosis entnommen werden kann. Die knappe Berechnung hält Hendrik Gräff, der am Ende des Tages einen genauen Bericht über die Geimpften an das Robert-Koch-Institut (RKI) und die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) schicken musste, aber für richtig. „Es gibt eine klare Priorisierung bei den Impfungen. Als nächstes kommen unter anderem die Kollegen aus dem ambulanten Pflegedienst an die Reihe.“

Ich fühle mich nun sicherer, dass ich nicht krank werde.

Ilse Kroschinski (83), Bewohnerin im Seniorenhaus

Die Impfbereitschaft am Dienstag im Seniorenhaus war aus Sicht des Heimleiters hoch. Nur eine handvoll Mitarbeiter wurden – aus persönlichen oder medizinischen Gründen – nicht geimpft. Zwang ausüben könne er nicht, betont Hendrik Gräff. „Ich muss das akzeptieren und bin total entspannt, dass die Bewohner geimpft sind. Zudem bin ich froh über jeden geimpften Mitarbeiter.“ Viel wichtiger sei es, dass das Personal auf den Coronastationen, das tagtäglich mit infizierten Personen zu tun hat, geimpft ist. Dennoch ist er sich des Risikos bewusst. „ Wenn es im Pflegebereich einschlägt, dann sterben Bewohner“, so die harte Formulierung des Verantwortlichen.

Der Impfstoff hingegen sei aus seiner Sicht harmlos. „Ich selber merke nichts und etwa das Argument, dass das Mittel die Fruchtbarkeit von Frauen beeinflusse, ist aus medizinischer Sicht unwahr. „Wir haben im Vorfeld mit den jungen Mitarbeiterinnen, die Bedenken hatten, gesprochen, und die Behauptungen mit Fakten widerlegt.“

Auch die Geimpften zeigten sich von dem Pieks unbeeindruckt. „Es fühlt sich normal an, nichts besonders“ oder „Das war’s schon?“ waren ihre Reaktionen. Die 83-jährige Bewohnerin Ilse Kroschinski bringt es auf den Punkt: „Ich bin froh, dass ich geimpft bin. Ich fühle mich nun sicherer, dass ich nicht krank werde.“

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