Ideen für geschmückte Windkraftanlagen

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Die Bank auf dem Spielplatz als Zufluchtsort für die letzten Hetero-Männer Kölns („Schwul sein in New York kann jeder, aber hetero sein in Köln …“): Robert Griess bei seinem Auftritt im PZ Löh. ▪

SCHALKSMÜHLE ▪ Robert Griess denkt praktisch. Es stört sich jemand an der „Verspargelung“ der Landschaft durch Windräder? Diese ließen sich doch auch wie ein Weihnachtsbaum schmücken. „Einfach mal einen Atomkraft-Manager nehmen und dranhängen. Dranhängen, nicht dran aufhängen.“

Wenn ausgewählte Politiker und Wirtschaftskapitäne, die Tausende Familienväter arbeitslos gemacht hätten, damit der Aktienkurs steigt, ebenfalls an Windkraftanlagen an den Pranger gestellt würden, wären das bestimmt beliebte Ausflugsziele, mutmaßte der Kabarettist.

Robert Griess hatte nach 20 Minuten sein Publikum im ausverkauften Pädagogischen Zentrum am Löh so weit, dass es sich vor Lachen auf die Schenkel klopfen wollte. Im Rahmen seines Programms „Revolte“ begeisterte der Kölner mit seinen Zuspitzungen und seiner Fähigkeit, in verschiedene Rollen zu schlüpfen.

Rund zwei Stunden lang inklusive einer Zugabe stellte Griess unter anderem sich selbst als Kabarettisten vor, der nach eigenen Angaben bei Auftritten im Süden der Republik Häme am NRW-Abitur („Das ist ja so, als wenn man bei Günter Jauch die 100-Euro-Frage schafft.“) kontert mit einem Original-Zitat des bayerischen Ex-Ministerpräsidenten Edmund Stoiber: „Wir müssen unseren Kindern wieder mehr Deutsch lernen.“

Ähnliche mit Sprach- und Denkfehlern behaftete Aussagen gab Griess von Politikern verschiedener Couleur wieder, wies zudem immer wieder darauf hin, welche Begriffe nahezu identisch geschrieben werden: „Der Unterschied zwischen Bioladen und Bin Laden ist ein einziger Buchstabe.“

Mit diesem Running Gag ging Griess seinen beiden Alter Egos gewaltig auf die Nerven. Denn quasi als Ein-Schauspieler-spielt-drei-Charaktere-Stück trat der 45-Jährige auch als links-alternativer Gymnasiallehrer in Elternzeit „Herr Schober“ und als Hartz-IV-Empfänger „Herr Stapper“ auf. Diese sprachen zusammen mit Griess auf der Bank eines Kinderspielplatzes darüber, wie sie besagte Revolte auslösen könnten.

Lehrer als

Unterrichtsvollzugsbeamte

Das Problem war aber die Kluft, die sich zwischen dem Schober’schen Bildungsbürger-Milieu und dem Stapper’schen Proletariat auftut. Statt gemeinsame Sache zu machen, wetterte „Herr Stapper“ lieber gegen die „Yuppieisierung“ seines Stadtviertels und ließ seinen Hass aus an Bioladen-Kundinnen und an Lehrern, die bei seinem Sohn Kevin-Fernando allein aufgrund der Vornamen „Unterschicht“ und „Minderbegabung“ diagnostizieren würden. Das seien „Unterrichtsvollzugsbeamte, die dafür sorgen, dass gute Bildung und die entsprechenden Jobs in den jeweiligen Milieus bleiben“.

Dass das Programm manche Menschen im Publikum vor den Kopf stoßen könnte, war „Stapper“ alias Griess bewusst: „Ich bin nicht hier, um mich bei ihnen einzuschleimen.“ Die Gäste in Schalksmühle ertrugen die Tiraden „Stappers“ mit Fassung, spendeten sogar spontan Applaus für die Feststellung, dass Medienprofis in Castingshows, die talentierte Unterschicht-Kinder vor laufender Kamera fertigmachten, auch nicht besser wären als „ein Preisboxer, der in der Grundschule die Kinder verprügelt“.

Auch Griess’ Ankündigung, dass er jetzt mit „Stapper“ und „Schober“ für die Revolte arbeiten wolle, wurde mit Beifall bedacht: „Wenn wir das wirklich machen, dann werden wir um die Sache mit den Windrädern nicht drumherum kommen.“ ▪ axk

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