Hunderte beim Tag der offenen Tür

Schlange stehen am Schalksmühler Bordell

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Delia und Alissia (von rechts) zeigten den Besucherinnen beim Tag der offenen Tür ihre Arbeitszimmer. Vor allem Frauen kamen in das Bordell nach Kuhlenhagen.

SCHALKSMÜHLE - Kaffee, Kuchen und Gespräche über Geschlechtsverkehr: Mehrere hundert Besucher kamen zum Tag der offenen Tür in den Erotik-Club Golden House. Teilweise standen die Gäste Schlange, um an Führungen durch das Gebäude und die drei Zimmer teilzunehmen.

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Bordellbetreiberin Mariana Simion war mit ihrem Team seit der Mittagszeit damit beschäftigt, Fragen der Besucher zu beantworten und sie durch die Räume zu führen. Hauptsächlich kamen Frauen, um sich in dem Bordell umzusehen. „Wann bekommt man schon mal die Chance dazu, sich hier als Frau umzusehen“, meinte Doris M.. Die Lüdenscheiderin kam zusammen mit ihrem Mann nach Schalksmühle. Nach dem Besuch stand für die beiden fest: „Hier ist es alles andere als schmuddelig.“ Bei Kaffee und Kuchen unterhielten sie sich mit Alissia über ihre Arbeit. Darüber, wie es ist, den Körper für Geld zu verkaufen, aber auch über Krankenversicherung und andere Dinge.

„Ich habe gehofft, dass viele Gäste kommen, aber von diesem Ansturm bin ich wirklich überrascht. Ich freue mich sehr“, äußerte sich Mariana Simion. In Kleingruppen führte sie die Besucher im Alter von 18 bis 80 Jahren durch die Räume. „Hier sieht‘s ja aus wie früher“, meinte ein Anwohner, der die Räume noch aus den Salzmann-Zeiten kennt. Der Mann, der seinen Namen wegen der „Hexenjagd im Dorf“ lieber nicht in der Zeitung lesen will, kann die Aufregung über das ganze Thema nicht verstehen. „Das Haus sieht von außen aus wie immer. Auch wenn der Kunstrasen hierhin kommt, stört das Bordell wirklich nicht.“

Einen Blick in die Räumlichkeiten des Golden House konnten die Besucher am Samstag werfen.

Eine Meinung, die viele der Besucher aus Schalksmühle, Lüdenscheid, Halver und anderen Kommunen aus der Gegend teilen. „Ich bin aus Plettenberg hierher gekommen, weil ich das Haus einfach mal sehen wollte. Hier wird doch die ganze Scheinheiligkeit unserer Gesellschaft deutlich. Viele prangern das öffentlich an und das sind die, die ich nachher in Clubs in anderen Städten treffe“, sagte Günter G. aus Plettenberg. Der 70-Jährige zieht eine Packung Potenzmittel aus der Tasche und schildert sein Sex-Leben. „Wenn ich keine Freundin habe, gehe ich in ein Bordell. Warum auch nicht. Ich achte aber darauf, dass ich in saubere und gepflegte Einrichtungen gehe.“

Viele Besucher boten der Bordellbetreiberin Mariana Simion an, Unterschriften zu sammeln, um so den Erotik-Club zu unterstützen. Am 28. August beschäftigt sich das Hagener Landgericht mit dem Fall. Der Immobilienbesitzer Manfred Berker hat Klage auf Räumung des ehemaligen Restaurants eingereicht. Als Grund, weshalb er das Gebäude nicht mehr an Mariana Simion verkaufen will, nennt er unter anderem die Gegner.

Das unscheinbare Gebäude in Kuhlenhagen - ein früheres Restaurant.

„Ganz viele Leute wollen mich unterstützen. Die Zahl von Menschen, die für mich sind oder denen egal ist, dass ich hier bin, ist größer als die der Gegner. Deshalb kann ich nicht verstehen, wenn Manfred Berker sagt, dass er wegen der Gegner nicht an mich verkaufen will“, sagt Mariana Simion. „Wir können die ganze Aufregung hier gar nicht verstehen. Der Club ist sauber und ordentlich und wir drücken der Betreiberin die Daumen, dass sie den Prozess gewinnt und hier bleiben kann“, sagte Monika M., die mit ihrem Ehemann und Verwandten den Club besuchte. Noch vor der Gerichtsverhandlung im August soll ein zweiter Tag der offenen Tür stattfinden. - mc

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