Folgen von Corona

Schwimmunterricht ist lebenswichtig - DLRG in Sorge

Corona, Schwimmhalle Löh, Schwimmunterricht
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Schwimmunterricht und DLRG-Trainings fehlen: Immer weniger Kinder können schwimmen, die Pandemie macht es nicht besser.

Schwimmen lernen im Kindesalter ist wichtig, das leuchtet jedem ein. Schließlich gehört das Ertrinken zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern. In Zeiten des Lockdowns und geschlossener Bäder ist dies derzeit allerdings nicht möglich.

Schalksmühle – Die Schwimmhalle Löh ist zwar betriebsbereit, wie Nektarios Stefanidis, Sachgebietsleiter Bildung, Kultur und Sport bei der Gemeinde Schalksmühle, auf Nachfrage erläutert. Wann aber wieder Badebetrieb möglich ist, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings nicht vorhersagen. Corona-bedingt bleibt die Halle bis auf Weiteres geschlossen. Auf die Arbeit der DLRG, die ohnehin einen Rückgang der Schwimmfähigkeit bei Kindern beklagt, und den schulischen Schwimmunterricht hat die Schließung des Schwimmbads gravierende Auswirkungen.

Seit März vergangenen Jahres kann die DLRG-Ortsgruppe Schalksmühle die Schwimmhalle Löh weder für ihre Schwimmausbildung noch für ihr Training, das für die Selbst- und Fremdrettung überlebenswichtig ist, nutzen. „Das Anfängerschwimmen findet seit März nicht mehr statt“, sagt Carsten Hafermas, Vizepräsident des DLRG Westfalen, der die Ortsgruppe leitet.

Schwerwiegende Folgen für ganzen Jahrgang

65 Kinder befanden sich damals in den familienfreundlich auf das Wochenende gelegten Anfängerkursen, die normalerweise samstags von 10 bis 12 Uhr laufen. „Wir würden gerne weitermachen, wenn das Schwimmbad wieder nutzbar ist.“ Allerdings müssten dann zunächst die Kinder, die im Vorjahr bereits mit der Ausbildung begonnen hätten, berücksichtigt werden. Neuanmeldungen seien dann zunächst nicht möglich. Zu befürchten sei, dass ein ganzer Jahrgang davon betroffen sei – mit schwerwiegenden Folgen.

„Das Ertrinkungsrisiko steigt massiv an“, warnt der erfahrene Rettungsschwimmer, der sich Sorgen um die Schwimmfähigkeit der Kinder macht. Eigentlich – das wäre zu wünschen – sollten Grundschüler bereits sichere Schwimmer sein. Eltern sollten daher noch vorsichtiger sein, wenn sie mit ihren Kindern im Sommer an den Strand oder ein Binnengewässer fahren. „Ganz viele Binnengewässer sind nicht überwacht.“

„Schreckliche Zeit überbrücken“ an der Ruhr in Schwerte

Auch um das Rettungstraining seines Teams sorgt sich Carsten Hafermas. Zwar hält die Gruppe online ihre wöchentlichen Montagstreffen aufrecht, um aktuelle Themen zu besprechen und das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken. Praktische Rettungsübungen, die im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden, lassen sich auf diese Weise jedoch nicht einüben. Bis Mitte Oktober 2020 war die Gruppe noch an der Oestertalsperre schwimmen – zusammen mit örtlichen Tauchern. „Das kann ich aber nicht mit Anfängern machen“, sagt der DLRG-Vorsitzende. Wie er erzählt, werden die Schalksmühler ab April den DLRG-Wachdienst an der Ruhr in Schwerte unterstützen, um in Übung zu bleiben. „Wir haben uns dort im Oktober vorgestellt. Wenn man nicht übt, ist das Erlernte weg.“ Die Ortsgruppe gebe sich alle Mühe, „diese schreckliche Zeit zu überbrücken“.

Sie ist betriebsbereit: Die Schwimmhalle Löh kann den Badebetrieb wegen Corona aber nicht aufnehmen.

Wie im vergangenen Jahr ist auch diesmal im Sommer ein Einsatz an der Ostsee geplant. Bislang ist es Carsten Hafermas und seinen Mitstreitern gut gelungen, die Ortsgruppe trotz Corona und aller damit verbundenen Einschränkungen zusammenzuhalten. Aktionen wie die Säuberungsaktion an der Glör im Oktober oder eine Adventstütenaktion für 85 Kinder kamen bei den Mitgliedern gut an. „Schalksmühle steht noch ganz gut da“, meint der Rettungsschwimmer. Nichtsdestotrotz bleiben die Sorgen groß.

„Eltern sind in der Pflicht“

Mit dem Lockdown im März stellte auch die Grundschule Spormecke notgedrungen ihr Schulschwimmen in der Schwimmhalle Löh ein. „Wir wollten das Schulschwimmen konzeptionell überarbeiten und stärker differenzieren“, erzählt Schulleiter Ralf Gensmann. Dazu sei es durch Corona nicht mehr gekommen.

„Es gibt Kinder, die besser schwimmen, und andere, die das noch nicht so gut können.“ Nichtsdestotrotz sei es nicht Aufgabe der Schule, den Kindern das Schwimmen beizubringen. „Da sind die Eltern in der Pflicht.“ Ansonsten habe bis zum Lockdown Sportunterricht stattgefunden, „so gut es geht“.

Sport im freien an der Primusschule

Konkret heißt das: Verzicht auf Kontaktsport, mehr Sport und Spiele auf Distanz. Der geschlossene Bolzplatz fiel da schon ins Gewicht. „Man merkt es den Kindern an, wenn sie viel sitzen“, sagt Ralf Gensmann. „Die Kinder werden unruhig und sind nicht ausgelastet.“

Ähnlich erging es Schülern und Lehrern an der Primusschule, die in den vergangenen Monaten auf die Schwimmhalle und zeitweise auch auf die Turnhalle verzichten mussten. Größeren Gruppen das Schwimmen beizubringen, könne das Schulschwimmen nicht leisten, erläutert Schulleiterin Astrid Bangert. Eher sei das Schulschwimmen dazu da, aus Schwimmanfängern sichere Schwimmer zu machen. Was den Sportunterricht allgemein angeht, setzte die Primusschule bis zu den Herbstferien auf Sport im Freien, Teilnahme am Herbstlichterlauf und das Ablegen des Sportabzeichens.

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