Hinter Schloss und Riegel

Wilhelm Rehnke zeigt ein Kastenschloss aus seinem Familienbesitz, das er aufgearbeitet hat.

SCHALKSMÜHLE - Ambosse, Kastenschlösser, handgeschmiedete Nägel – wenn Wilhelm Rehnke seine Arbeitsmaterialien zur Hand nimmt, reist er gleichzeitig ein paar Jahrzehnte, zum Teil sogar Jahrhunderte zurück. Seit September 2012 archiviert der Schalksmühler beim Heimat- und Geschichtsvereins alte Werkzeuge. Nun richtete der Verein die neue Sammlung „Hinter Schloss und Riegel“ ein.

Fein säuberlich liegen die metallenen Werkzeuge auf den weißen Regalböden. Manches ist von Hand geschmiedet worden, anderes mit einer Maschine. Liebevoll wurden die Werkzeuge aufbereitet, von Flugrost befreit, mit Bienenwachs eingerieben. Vier bis fünf Stunden in der Woche wendet Wilhelm Ruhnke für die Arbeit mit den Werkzeugen auf. Während er in den Räumen des Heimat- und Geschichtsvereins im Feuerwehrgerätehaus recherchiert und archiviert, bearbeitet er die Werkzeuge zuhause. In seiner eigenen Werkstatt werden die alten Stücke wieder aufgearbeitet. Doch die alte Patina wird nicht entfernt, der Urzustand soll noch erkennbar bleiben.

Mit Werkzeugen kennt sich der 66-Jährige aus. Bevor er vor ein paar Jahren in Rente ging, arbeitete er als Werkzeugmachermeister in einem Schmiedebetrieb. Wo er früher aktiv mit den Werkzeugen gearbeitet hat, prüft er heute die Beschaffenheit sowie eventuelle Prägungen und Siegel. Anhand von Produktkatalogen von Schalksmühler Unternehmen und Nachschlagewerken werden die Werkzeuge bestimmt. „Schalksmühle war früher für die Produktion von Handwerkzeugen berühmt“, erzählt Bernardine Holthaus, die sich ebenfalls beim Heimat- und Geschichtsverein engagiert.

Eines der ältesten Stücke in der Sammlung ist ein Feilenhauhammer aus dem 18. Jahrhundert. Damit wurde früher die Struktur in Feilen geschlagen. Der Verein verfügt zudem über verschiedene Nachbauten von großen Schmiedemaschinen und Pressen. „Die laufen auch alle noch“, sagt Wilhelm Rehnke. „Größere Werkzeuge stellen wir auch im Bauernhaus Wippekühl aus. Insgesamt haben wir rund 300 Artikel in der Sammlung.“ Bevor der Verein ein Werkzeug aufnimmt, wird zunächst geprüft, ob ein ähnliches Produkt bereits vorhanden ist.

Und es sollen noch neue hinzukommen. Denn der Verein hat Anfang des Jahres eine neue Sammlung begonnen, die „Hinter Schloss und Riegel“ heißt. Hier werden alte Schlösser, Kofferbeschläge, Schlüssel und Türklinken archiviert. Ein besonderes Stück hat Wilhelm Rehnke aus seinem Familienbesitz mitgebracht. Ein altes Kastenschloss von Anfang des 20. Jahrhunderts. „Das wurde vor Jahren mal aus einer Tür ausgebaut und es war zu schade zum wegwerfen“, sagt Rehnke. Und da er ein Faible für alte „Schätzchen“ hat, arbeitete er das Schloss auf und versah den Kasten mit einer Scheibe aus Plexiglas. „So kann man den Schließmechanismus sehen.“

Wer alte Beschläge oder Schlösser abgeben möchte, kann sich an das Bürgerbüro oder an den Vorsitzenden des Heimat- und Geschichtsverein, Helmut Quenzel, unter Tel. 0 23 55 / 90 31 31 wenden.

Von Alisa Kannapin

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare