Hilfe für kleine Jungvögel

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Hildegard Arnolds (links) und Waltraud Nagler mit dem Vorsitzenden des Tierschutzvereins, Thomas Höllmann.

Schalksmühle -  Der Frühling ist angebrochen, die Tage werden wieder länger und milder. Zahlreiche Vögel sind wieder zurückgekehrt und die Brutzeit ist in vollem Gange. Die Vögel bauen ihre Nester und legen Eier, in diesen Tagen ist mit ersten Jungtieren zu rechnen.

Dabei kann es mal passieren, dass ein Jungvogel aus dem Nest fällt. Wie in so einer Situation vorgegangen werden sollte, erklären Waltraud Nagler und Hildegard Arnolds von der Wildvogel-Rettungsstation des Tierheims Dornbusch.

Allein im vergangenen Jahr haben Waltraud Nagler und Hildegard Arnolds 160 Vögel mit 20 verschiedenen Arten aufgenommen und gesund gepflegt, oder Jungtiere aufgepeppelt. Nagler und Arnolds möchten die Bevölkerung sensibilisieren, nicht jeden Vogel aufzunehmen. „Wichtig ist, abzuwägen, ob das Tier tatsächlich Hilfe braucht oder nur auf die Versorgung durch die Eltern wartet. Ist ein Vogel tatsächlich in Not, muss allerdings binnen Minuten geholfen werden“, erklärt Waltraud Nagler.

„In vielen Fällen werden Jungtiere vorschnell mitgenommen, weil der Tierfreund glaubt, sie seien verwaist“, weiß Hildegard Arnolds. „Ein nackter oder kaum befiederter Vogel kann in das Nest zurückgelegt werden. Vögel können nicht sehr gut riechen und stören sich nicht am Menschengeruch. Sollte kein Nest auffindbar sein, muss der Vogel beim Transport warm gehalten werden.“

Vollständig befiederte Jungvögel, die auf dem Boden oder im Gebüsch hocken und gesund aussehen, würden wahrscheinlich von den Eltern versorgt. Ruft das Jungtier laut nach Futter, erscheinen die Eltern meist kurzfristig mit Nahrung. „Sollten Kinder so ein Tier aufgenommen haben, sollte es binnen kürzester Zeit wieder dorthin zurück gebracht werden. Sitzt ein Tier allerdings an einer Gefahrenstelle, sollte es aufgenommen und in ein nahe gelegenes Gebüsch gesetzt werden.“

Ein verletztes Tier brauche in jedem Fall Hilfe. Ebenso Mauersegler, Mehl- oder Rauchschwalben, die auf dem Boden sitzen. Wärmezufuhr sei die erste wichtige Hilfsmaßnahme. Dann sollte dem Tier Flüssigkeit – bestenfalls mit Traubenzucker angereichertes Wasser – seitlich in den Schnabel getropft werden.

Wer sich nicht sicher ist, ob ein Vogel in Not ist, kann sich bei den Tierschützerinnen informieren. Die Aufzucht durch den Menschen solle immer nur der letztmöglicher Weg sein, denn sie erfordere genaueste Kenntnisse und sei sehr zeitaufwendig.

Das wissen Waltraud Nagler und Hildegard Arnolds nur zu gut. Die beiden stehen morgens spätestens um 5 Uhr auf und der Vogelmutter-Dienst endet abends frühestens um 22 Uhr. „Ganz kleine Vögel füttere ich auch nachts“, erzählt Arnolds.

Jungvögel müssten generell im 10 bis 15 Minutentakt mit Eiweiß versorgt werden: Quark, rohes Gehacktes, Heimchen oder Würmer.

Zudem hätten Vögel kaum noch Möglichkeiten zu nisten, daher fordert Waltraud Nagler Gartenbesitzer auf, Nistkästen aufzuhängen. „Am besten ist das Flugloch nach Osten gerichtet“, lautet ihr Tipp.

Die Vogelschützerinnen möchten ihr Wissen weitergeben: Wer Lust und Zeit hat, kann Waltraud Nagler und Hildegard Arnolds bei der Arbeit über die Schulter schauen. Zudem planen sie, Schulklassen oder Kindergärten in die Vogelkunde einzubeziehen. Der Tierschutzverein-Vorsitzende Thomas Höllmann unterstützt sie: „Auch Kinder sollten sensibilisiert werden, daher muss Tierschutz im Kindesalter anfangen.“

Im Notfall sind die Tierschützer telefonisch erreichbar: Waltraud Nagler, Tel. 0 23 55 / 50 97 99, Hildegard Arnolds, Tel. 0 23 51 / 2 95 93, Anke und Robert Melis, Tel. 0 23 51 / 2 17 43 (nur Eulen, Greifvögel, Eichhörnchen, Steinmarder etc.).

Von Christina Grégoire

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