„Hier werden Fenster als Mülleimer genutzt“

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Vom Fenster in den Innenhof: Videokassetten, Teelichter, verfaultes Obst und sogar Kühlschränke landen im Hof. ▪

SCHALKSMÜHLE ▪ Scherben und hunderte ausgebrannte Teelichter liegen auf dem Boden, dazwischen verfaultes Obst, Videokassetten und ein alter Kühlschrank – Müll macht das Gras zur Nebensache. Das Übergangsheim für Flüchtlinge und die Umlage an der Straße In der Lieth sind in einem verwahrlosten Zustand.

„Hier werden Fenster als Mülleimer genutzt – es fliegt vieles, was nicht mehr benötigt wird, einfach raus“, sagte ein Anwohner, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. Die Nachbarn fühlen sich im Stich gelassen – von der Gemeinde, die das Haus zur Unterbringung von Flüchtlingen und Obdachlosen angemietet hat.

„Es gibt dort ein paar schwierige Verhältnisse“, erklärte Bürgermeister Jörg Schönenberg im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch beim Fachbereich für öffentliche Ordnung ist das Problem bekannt. „Einmal in der Woche findet eine Reinigung der Umlage statt“, sagte Peter Kernchen vom zuständigen Fachbereich. Die Arbeit werde vom Hausmeister und einer Ein-Euro-Kraft durchgeführt. Der Großteil der 24 Bewohner ist nach Aussagen des Gemeindemitarbeiters „ordentlich und nett“. Allerdings gebe es „mit einigen wenigen“ Probleme.

Eine Lösung zur dauerhaften Verhinderung der Mülldeponie im Hof sieht Kernchen derzeit nicht. Denn: Die Gemeindemitarbeiter haben keine Druckmittel. Kernchen: „Rauswerfen können wir die Menschen nicht – eine Etage tiefer wäre unter der Brücke.“

Daher versucht die Gemeinde derzeit das Haus und Umfeld zu verschönern, damit sich die Bewohner dann ans neue Umfeld anpassen. Dazu ist bereits der Keller entrümpelt worden. Doch das Haus ist in einem schlechten Zustand: Die Haustür ist beschädigt und lässt sich nicht mehr schließen, die Treppenstufen sind kaputt und das Geländer hat diesen Namen auch nicht mehr verdient.

„Es ist eine Zumutung und einfach nur beschämend, zu sehen, dass jemand in solchen Verhältnisen lebt“, meinte auch ein Anwohner. Der sagte, dass das Haus aufgrund des baulichen Zustandes in seinen Augen „nicht bewohnbar“ sei. „Hier müsste einiges getan werden“, sagte Peter Kernchen. ▪ mc

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