Die Konservierung der Stimmen - Schalksmühler sammelt 3000 Platten

+
Bereits im Jugendalter mit 13 oder 14 Jahren begann die Leidenschaft für die tiefschwarzen Scheiben bei dem passionierten Plattensammler Helmut Reichardt.

Schalkmühle - Wenn die kleine, silberne Nadel auf der tiefschwarzen Platte aufsetzt, dann verschwimmt für Helmut Reichardt alles um ihn herum. Dann ist der passionierte Sammler der runden Tonträger ganz in seinem Element.

Bis zu 3000 Schallplatten hat der 75-Jährige zusammengesucht. Sein „Lebenswerk“ stellt er in seinem Wohnzimmer aus. Mit 13 oder 14 Jahren habe er mit dem Sammeln angefangen. Von seiner Oma aus Essen gab es die ersten Exemplare – alte Tango- und Enrico-Caruso-Platten. Damit wurde der Grundstock für eine umfangreiche Sammlung an Vinyl- und auch Schellackplatten gelegt. „Angefangen habe ich mit Platten aus den 1920er Jahren, vor allem Schlager, etwa von Hans Albers. Dann habe ich mich schlagartig auf Kabarett und Kleinkunst konzentriert.“ 

Rund 3000 alte Vinyl- und Schellackplatten besitzt der Schalksmühler bereits.

Die ersten Klassik-Platten habe er von seiner Mutter geerbt, hinterher legte er seinen Fokus auf Jazz. Das halte bis heute an, sagt der gebürtige Ulmer. Auf ganz unterschiedlichen Wegen ist Helmut Reichardt an seine „Schätze“ gekommen. „Erst kürzlich, auf einem Flohmarkt in Halver, habe ich zwei alte Caruso-Platten gekauft“, erklärt er. Früher habe er seine Jazz-Scheiben in Kopenhagen gefunden. „Tagelang habe ich dort die Antiquariate durchforstet. Dabei habe ich richtig tolle Platten bekommen.“

Einer seiner Favoriten, eine MPS-Produktion von Oscar Peterson. Von dieser Reihe besitzt Helmut Reichardt zahlreiche Exemplare.

Seine Sammlung gehe vor allem in zwei Richtungen. Zum einen sammelt er sogenannte V-Disc – alte Platten, die während des Zweiten Weltkriegs kostenlos an amerikanische Soldaten verteilt wurden. Zum anderen gilt sein Interesse dem „Jazz in the Black Forest“, also sogenannten MPS-Platten (Musik-Produktion-Schwarzwald). „Das sind tolle Produkte, vor allem die von Oscar Peterson.“ 

Die Frage, nach der Ursache für seine Sammelleidenschaft, kann der in Stuttgart Aufgewachsene nicht beantworten. „Als Oma die ersten Platten aufgelegt hat, das war faszinierend. Die Konservierung der Stimmen von bereits Verstorbenen, das Interesse daran hält bis heute an.“ 

Für seine „Prachtexemplare“ braucht Helmut Reichardt vor allem eines, viel Platz. „Es braucht schon einige Quadratmetern. Meine Frau hat akzeptiert, dass das Wohnzimmer durch die Platten dominiert wird“, erklärt der studierte Diplom-Soziologe, der später eine Lehre zum Tischler gemacht hat und lange Jahre als Möbel-Restaurateur gearbeitet hat. Vor dem Umzug nach Schalksmühle galt die Leidenschaft des Sammlers nicht nur den Schallplatten. Auch alte Radios und Grammophone nannte Helmut Reichardt sein Eigen. Unter anderem alte Schätzchen aus den 20er Jahren gehörten dazu. Doch beim Einzug am Flaßkamp hat er sich von zahlreichen Geräten verabschiedet. 

Die Nadel des aus dem Jahr 1924 stammenden Grammophones steht selten still.

Ziele hat Helmut Reichardt, der sich ein umfangreiches Platten-Wissen angelesen hat, nicht mehr. Eigentlich ist er zufrieden mit seiner Sammlung. „Ich habe zwar eine Suchliste, doch die habe ich verlegt.“ Mit Bedauern stellt er fest, dass es kaum noch Antiquariate oder Briefauktionen gibt. „Es bleiben mir nur Flohmärkte und Anzeigen. In Amsterdam gibt es noch einen Sammlerverein.“ Der Fortbestand seines „Lebenswerks“ ist schon gesichert. Sohn Felix hat bereits darauf bestanden, dass sein Vater alle Platten behält. Damit wird im Hause Reichardt der Plattenspieler weiterhin nicht stumm bleiben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare