Heilende Pflanzen am Wegesrand

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Apotheker Conrad Kasten erklärte den SGV-Wanderern die heilenden Kräfte der Wildkräuter.

Schalksmühle - Blitz und Donner setzten am Sonntag der Wildkräuterwanderung des SGV Schalksmühle ein jähes Ende. Just zu dem Zeitpunkt, als die Wandergruppe in Rotthausen unterwegs war, zog ein heftiges Gewitter über der Gemeinde auf.

Apotheker Conrad Kasten, der der Gruppe die am Wegesrand wachsenden heimischen Pflanzen und Wildkräuter nahe brachte, und Brigitte Termath als Vorsitzender blieben aus diesem Grund nichts anderes übrig, als die Themenwanderung abzubrechen und zum Wanderparkplatz Rotthausen zurückzukehren. Kleiner Trost für alle: Eine Wiederholung der gut besuchten Veranstaltung ist angedacht.

Ein dickes Buch über Gräser („Die kann man nicht alle unterscheiden“) und ein altes Kräuterbüchlein von 1560 brachte Conrad Kasten von der Volme-Apotheke zur Kräuterwanderung mit. Über die Heilkraft des Breitwegerichs, auch Großer Wegerich genannt, war in dem alten Büchlein Wissenswertes zu lesen. Die Menschen des 16. Jahrhunderts griffen bei Zahnweh, Geschwüren und anderen Leiden zum weit verbreiteten Breitwegerich.

Kräuterwanderung des SGV in Rotthausen

Vielerlei nützliche Wildkräuter entdeckte die Gruppe am Wegesrand. Angefangen beim Spitzwegerich, der als wirksames Mittel bei Husten und Erkältungen gilt, bis zur Knoblauchrauke („Sie blüht weiß und man kann sie auch in den Salat tun“) erklärte Conrad Kasten den Natur- und Wanderfreunden viele heimische Wildpflanzen, an denen man beim Spaziergang meist achtlos vorübergeht. Dass der gelbliche Saft in den Stängeln des Schöllkrauts unter anderem gegen Warzen hilft und als Tee Krämpfe lindert, Giersch als Wildgemüse schmeckt und vieles mehr erfuhr die Gruppe von dem Pflanzenkenner.

Manche im eigenen Garten beheimatete Pflanze wie das Pfennigkraut, das innerlich bei Durchfall, äußerlich bei schlecht heilenden Wunden hilft, sahen die Teilnehmer nach den Erläuterungen des Apothekers mit anderen Augen. Unterschiede zwischen dem Wiesen-Bärenklau, der in Europa heimisch ist, und dem gefährlichen (eingewanderten) Riesen-Bärenklau, echter und strahlenloser Kamille und anderen Pflanzen interessierten die Gruppe.

Ganz nebenbei erfuhr die Gruppe auch noch Wissenswertes über die Entwicklungsgeschichte des bekannten Medikaments Marcumar, das vorbeugend gegen Herzinfarkt verabreicht wird. Von Kühen, die in den 30er-Jahren in den USA an zu viel Honigklee verendeten – dem darin enthaltenen blutgerinnungshemmenden Cumarin zuzuschreiben – und dem aus dieser Erkenntnis entwickelten Rattengift Warfarin war die Rede. In einem Eigenversuch habe später ein Soldat die Wirkung erprobt, so der Apotheker. „Daraus ist Marcumar entstanden.“

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