Schalksmühler Hausarzt fand seinen Nachfolger im Internet

+
Michael Maicher (links) ist der Nachfolger von Hausarzt Jürgen Killburger in Schalksmühle.

Schalksmühle - Nach mehr als 30 Jahren als Hausarzt geht Jürgen Killburger in den Ruhestand, aber im Januar übernimmt sein Nachfolger Michael Maicher. Seinen Nachfolger fand Killburger – nach mehreren erfolglosen Versuchen – ausgerechnet auf Ebay-Kleinanzeigen. „Man greift nach jedem Strohhalm“, sagt Killburger.

In der etwa 180 Quadratmeter großen Praxis in der Hälverstraße werden pro Quartal im Schnitt 2000 Patienten versorgt, sagt Killburger. Eine größere landärztliche Praxis wie seine würde anscheinend aber seit Langem vom ärztlichen Nachwuchs als uninteressant gesehen. Denn einen Nachfolger für die hausärztliche Praxis zu bekommen, die Killburger seit 1993 gemeinsam mit seiner Frau Silke führt, sei schwierig, erzählt der 65-Jährige: „Wir hatten am Anfang gar keine Resonanz auf unsere Bemühungen.“

Angestellte schaltete Inserat

Anderthalb Jahre war die Praxisnachfolge ausgeschrieben, doch die Anzeigen in entsprechenden Zeitschriften und auf Internetportalen, auch auf der Praxisbörse der Kassenärztlichen Vereinigung, brachten nicht den erhofften Erfolg. Potenzielle Nachfolge-Kandidaten entschieden sich letzten Endes doch anders. Schließlich inserierte Diana Panne aus dem Praxis-Team mit Einverständnis von Dr. Killburger bei Ebay-Kleinanzeigen. Diesmal gab es die Resonanz.

„Die Patienten haben auch fleißig mitgeholfen und die Anzeige in den sozialen Medien geteilt und verbreitet“, sagt Panne. So fand die Anzeige schließlich per SMS von einer ehemaligen Kollegin ihren Weg zu Michael Maicher. „Ich habe angerufen und bin dann auch hingefahren“, sagt der 45-Jährige, der seit 14 Jahren in Breckerfeld wohnt. „Es ging dann relativ schnell, ich bin in die Praxis reingekommen und habe mich gleich wohlgefühlt.“

Stellen in mehreren Kliniken

Auch Killburger war davon überzeugt, den richtigen für die Praxisnachfolge gefunden zu haben. Ab dem 7. Januar 2019 wird Maicher, der in den vergangenen Wochen bereits die ersten Patienten kennengelernt hat, die Praxis führen. Den Alltag in einer Hausarztpraxis kennt Maicher aus der Weiterbildung, ansonsten hat er in verschiedenen Kliniken gearbeitet. Maicher hat Facharztqualifikationen für Innere Medizin sowie für Pneumologie, also Lungenerkrankungen; bald soll ein weiterer Facharzt in Intensivmedizin hinzukommen. An der Lungenfachklinik in Neustadt im Südharz war Maicher als Chefarzt tätig, weitere Klinikstationen waren in Hagen-Ambrock, Bad Lippspringe, Düsseldorf und Rothenburg an der Fulda. Neben der Pneumologie konnte Maicher dort auch Erfahrungen in den Bereichen Onkologie und Neurologie sammeln.

Die Stelle in Schalksmühle war für ihn auch deswegen interessant, weil sie ihn wieder in die Nähe seines Zuhauses führt und er dort mehr Gestaltungsmöglichkeiten sieht als im Klinikbereich. Insbesondere den Bereich Lungenerkrankungen würde Maicher aufgrund seiner langjährigen Erfahrung gern mehr herausarbeiten. Aber das sei eher für die Zukunft angedacht. „Am Anfang möchte ich relativ wenig ändern.“ Wenn man sich so lange um so viele Patienten gekümmert habe wie sein Vorgänger, könne der nicht viel falsch gemacht haben.

Killburger wiederum freut sich darauf, nun in den Ruhestand gehen zu können. Mehr als 30 Jahre lang Menschen zu betreuen, bedeute eine nicht unerhebliche Verantwortung und man sei daueraktiv, sagt er. „Über die Zeit ist das auch belastend“, so Killburger. „Wenn man älter wird, möchte man auch den Taktstock abgeben, daher freue ich mich auch darauf, die Verantwortung an jemand anderen abzugeben.“ Noch ist aber nicht ganz Schluss, sagt der scheidende Hausarzt: „Ich werde nach dem 7. Januar noch mitlaufen und es etwas begleiten, damit mein Nachfolger eine gute Landung hinlegt – quasi als Senior-Arzt im Praktikum.“

Das Team: Michael Maicher, Andrea Rieb, Nelly Torno, Jürgen Killburger, Silke Killburger und Diana Panne (von links).

Wunschkandidat des Praxis-Teams

Auch das Praxis-Team aus drei medizinischen Fachangestellten (MFA) bleibt erhalten, die den Arzt nicht in der Praxis, sondern auch durch Hausbesuche bei Patienten, etwa zum Blutabnehmen, entlasten. Diana Panne sieht den Wechsel in der Praxis mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Wir werden Herrn Killburger vermissen“, sagt Panne. Ihr Chef habe es ermöglicht, dass sie und sich zur Fachwirtin für medizinisch-ambulante Versorgung, entlastenden Versorgungsassistentin und Wundmanagerin weiterqualifizieren konnte.

Optimistisch mit der neuen Aufgabe

„Es ist schön, wenn man so viele Zusatzqualifikationen erwerben kann, um sich auch selbst zu verwirklichen.“ Sie freue sich aber auch auf den frischen Wind und die Ideen des neuen Chefs. Andrea Rieb, ebenfalls Fachwirtin für medizinisch-ambulante Versorgung haben, bezeichnet Maicher als Wunschkandidaten. „Es geht weiter, und das ist sehr schön.“ Seit Juli ist außerdem Nelly Torno als dritte MFA noch relativ frisch im Team. „Ich bin sehr gespannt und freu mich auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Chef.“ Auch Maicher sieht seiner neuen Aufgabe optimistisch entgegen. „Ich freue mich auf das Team, das hat von Anfang an harmoniert.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare