„Das Schlimmste ist ein vergreister Vorstand“

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Hans Lau geht mit der Zeit – arbeitet viel am Laptop. ▪

SCHALKSMÜHLE ▪ Hans Lau ist ein Macher. Einer, der nie seinen Mund hält. Der 81-Jährige steht für seine Meinung ein – auch wenn er damit für andere manchmal unbequem ist. 40 Jahre lang hat er das Geschehen als Gemeinderatsmitglied beeinflusst – 44 Jahre im Presbyterium mitgewirkt. Jetzt legt er sein letztes öffentliches Amt nieder: Nach 30 Jahren ist als Vorsitzender in der Siedlergemeinschaft Mathagen Schluss.

„Die Zeit ist gekommen, um Platz für einen jüngeren Vorsitzenden zu machen“, sagt Hans Lau – und den hat er gefunden: Daniel Krause hat sich bereit erklärt, das Amt zu übernehmen. Am 1. Februar soll es soweit sein, bei der Jahreshauptversammlung stellt er sich zur Wahl. Damit hat Lau ein Ziel erreicht: Die Verjüngung des Vorstandes. „Das Schlimmste ist ein vergreister Vorstand.“ Der 81-Jährige wohnt Am Rauhen Stück – hier in Mathagen und in der ganzen Gemeinde hat er viel bewegt. 1969 trat Lau der Siedlergemeinschaft bei.

Vier Jahre später übernahm er das Amt des Schriftführers, welches er zehn Jahre – also bis 1983 – inne hatte. Im gleichen Jahr wählten ihn die Siedler zu ihrem Vorsitzenden. Damals hatte die Gemeinschaft noch rund 100 Mitglieder. Zusammen mit dem restlichen Vorstand organisierten sie viele Feste und Veranstaltungen, verschafften sich Gehör bei Rat und Verwaltung. Die Osterfeuer der Siedlergemeinschaft sind bis heute legendär. Die Mitgliederzahl stieg kontinuierlich mit den Veranstaltungen. Inzwischen hat die Siedlergemeinschaft Mathagen knapp 300 Mitglieder.

„Rund 90 Prozent der Leute, die hier wohnen sind Mitglied bei uns“, sagt Hans Lau und zeigt mit seinem Finger aus dem Fenster.

Auf dem Tisch vor ihm steht ein Laptop. Lau ist mit der Zeit gegangen und schreibt Briefe am Computer, mailt diese an Freunde und Bekannte und auch so steht er mitten im Leben. „Ich bin kein Opa, der jetzt bald in der Ecke sitzt und nichts mehr macht, weil ich den Posten nicht mehr habe.“ In seinen Einschätzungen ist Lau oft hart – realistisch, wie er sagt. Doch nicht nur mit anderen, sondern vor allem mit sich selbst.

Sein Auto hat er abgegeben. „Da bin ich zu unsicher. Ich will nicht so einer sein, der nicht mehr laufen kann, aber dann noch mit dem Auto fährt.“ Die Reaktionszeiten von älteren Menschen seien einfach zu schlecht – dazu kämen seine Augenproblememe.

Diese Gradlinigkeit hat er auch politisch durchgezogen. 40 Jahre hat er sich für die UWG und die CDU im Gemeinderat eingebracht. 15 Jahre war er Fraktionsvorsitzender der Christdemokraten. Wegen seines vielseitigen Engagements nannten ihn die Menschen häufiger einen „Postchen-Jäger“. Doch: „Wer austeilen kann, kann auch einstecken“, sagt Hans Lau und lacht herzhaft – dann erzählt er von früher. Von seiner Flucht aus Preußen und seinem Leben in Schalksmühle, der Arbeit als Buchhaltungsleiter bei Kaiser und von dem wichtigsten in seinem Leben: seiner Familie. Vier Kinder und acht Enkel bereiten ihm täglich Freude.

Ein großer Bereich nimmt auch der Sport in seinem Leben ein. Schwimmen und auf dem Ergometer fahren für seine Fitness – und Borussia Dortmund für das Wohlbefinden. Regelmäßig verfolgt er das Geschehen „seiner Elf“. „Die sind jung und gut drauf. Und der Klopp ist ein Mann nach meinem Geschmack. Der sagt immer, was er denkt.“

Matthias Clever

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