Hanns-Josef Ortheil liest am Löh

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Aus dem jüngst veröffentlichten Reisebuch „Die Insel der Dolci“ las der Autor Hanns-Josef Ortheil.

SCHALKSMÜHLE - Einer der bedeutendsten deutschen Autoren der Gegenwart war jetzt im Pädagogischen Zentrum (PZ) Löh zu Gast. Die Werke von Hanns-Josef Ortheil, der sich auch als Pianist, Journalist und Dozent für kreatives Schreiben einen Namen gemacht hat, wurden bereits in mehr als 20 Sprachen übersetzt.

Eingeladen zu der gut besuchten Lesung hatte die Bücherei Schalksmühle, die von der katholischen Kirchengemeinde St. Thomas Morus und der Gemeinde Schalksmühle in Kooperation betrieben wird. Im Mittelpunkt der zahlreichen Romane und Reiseberichte Hanns-Josef Ortheils steht neben stark ausgeprägten autobiographischen Zügen auch immer die Liebe zu Italien im Allgemeinen und Sizilien im Besonderen.

So spielt Sizilien auch in seinen beiden neuesten Werken, die er im PZ Löh vorstellte, eine große Rolle. Im Fokus stand Ortheils aktueller Roman „Das Kind, das nicht fragte“.

Aber auch das gerade erst erschienene Reisebuch „Die Insel der Dolci“ wurde vom Autor thematisiert und vorgestellt. Das Büchlein erzählt, mit vielen Appetit machenden Fotografien ausgestattet, die Geschichte der ebenso beliebten wie vielfältigen sizilianischen Süßigkeiten, der Dolci.

Auch der Ethnologe Benjamin Merz, Protagonist des Romans „Das Kind, das nicht fragte“, möchte die Traditionen Siziliens näher erforschen. In vielerlei Hinsicht als Alter Ego des Autors angelegt, will er sich vor Ort ein Bild von den Lebensgewohnheiten der Menschen des Dorfes „Mandlica“ an der Südküste der Insel machen. Für ihn, so erfährt der Leser, bestehen gute Dialoge aus Fragen und Antworten oder besser gesagt aus Fragen, die sich in Antworten verwandeln.

Doch man erfährt auch einiges aus der Vergangenheit von Benjamin Merz. In dessen Vita hat Hanns-Josef Ortheil zwar Versatzstücke aus der eigenen Vita eingeflochten. Jedoch nahm er für sich so viel künstlerische Freiheit in Anspruch, darüber hinaus auch die eigenen Träume und Wünsche im fiktiven Leben des Benjamin März Realität werden zu lassen. „So war ich zum Beispiel der jüngste von fünf Brüdern, wobei alle meine Brüder während des zweiten Weltkrieges und in der Nachkriegszeit starben“, erinnert sich der Autor. „Ich habe mir als Kind und Jugendlicher immer ausgemalt, was aus ihnen wohl geworden wäre und welche Berufe sie heute ausüben würden.“

Der Protagonist aus „Das Kind, das nicht fragte“ hat tatsächlich vier Brüder, die jene Berufe ausüben, die sich der Autor für seine eigenen Brüder erträumt hat. Obwohl Hanns-Josef Ortheil auf diese Weise Autobiographisches und Fiktion miteinander vermischt, bleibt beim Leser und Zuhörer das Gefühl, eine authentische und wahrhaftige Erzählung zu hören, bei der der Erzähler viel von sich selbst preisgibt.

Dabei verfügt der Autor über eine unkomplizierte und dennoch kunstvolle Sprache, gepaart mit einem augenzwinkernden Sinn für Humor – eine Kombination, die es dem Leser leicht macht, seinen Geschichten und Gedankengängen zu folgen und sich von der Faszination für Sizilien und die dortigen Traditionen anstecken zu lassen. Auch die kleinen Abstecher ins Anekdotenhafte – zum Beispiel wenn Ortheil mit großer Beobachtungsgabe auf liebevolle Weise die Fürsorglichkeit der Stewardessen für ihre Passagiere im Flugzeug und die komischen Situationen, die daraus entstehen können, schildert – machen sein aktuelles Werk zu einer unterhaltsamen Lektüre.

Im Anschluss an die Lesung hätte sich der eine oder andere Zuhörer sicher noch ein moderiertes Interview mit dem Autor auf der Bühne gewünscht, bei dem Ortheil die Möglichkeit gehabt hätte, mehr über sich und seine Arbeit zu berichten. So traute sich jedoch niemand, öffentlich eine Frage an den Autor zu richten und tat dies lieber im Rahmen der Signierstunde, die sich an die Lesung anschloss.

Im Vorfeld der Lesung hatte sich Hanns-Josef Ortheil bereits in Anwesenheit von Bürgermeister Jörg Schönenberg in das Goldene Buch der Gemeinde Schalksmühle eingetragen – eine Tradition, die in der Volmegemeinde bei allen Lesungen renommierter Autoren gepflegt wird.

Der Roman „Das Kind, das nicht fragte“ ist im Verlag Luchterhand erschienen. - bot

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