Fall vor Gericht

Sexuelle Belästigung: "Anspruchsvoller" Patient belästigt Pflegeschülerin (27) 

Ein 59-jähriger Schalksmühler muss sich wegen sexueller Belästigung einer 27-jährigen Halveranerin vor dem Amtsgericht verantworten.
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Ein 59-jähriger Schalksmühler muss sich wegen sexueller Belästigung einer 27-jährigen Halveranerin vor dem Amtsgericht verantworten.

Häusliche Pflege bedeutet oft harte Arbeit für Frauen. Dass sie in dieser Situation nicht auch noch sexuelle Belästigungen hinnehmen müssen, unterstrich ein Strafverfahren im Amtsgericht Lüdenscheid.

Schalksmühle - Angeklagt war ein 59-jähriger Pflegepatient aus Schalksmühle, der sich an seine Übergriffe nicht mehr erinnern konnte. Umso deutlicher hatte eine 27-jährige Pflegeschülerin aus Halver das Geschehen noch vor Augen. 

An einem Tag Anfang August 2019 kam sie zu dem „anspruchsvollen“ Patienten, der aufgrund starker körperlicher Einschränkungen auch im Intimbereich gepflegt werden musste. Das sei „immer ein bisschen unangenehm“ gewesen, erinnerte sich die Zeugin. „An dem Tag stand das Duschen an.“ 

Der Angeklagte nutzte die Situation für anzügliche Bemerkungen und wurde auch handgreiflich: Die Zeugin bestätigte den Vorwurf der Anklage, dass der Angeklagte sie durch ein designbedingtes Loch in ihrer Hose befingert und ihr „Oberteil bis unter den Rippenbogen hochgezogen“ hatte. Im Übergabebuch an die Kolleginnen dokumentierte die Zeugin die Vorfälle. 

Sexuelle Übergriffe - Pflegepatient sagt, er könne sich nicht erinnern

Ihr Pflegedienst ermöglichte ihr, diesen Patienten fortan nicht mehr zu besuchen. Eine weitere Zeugin stand im Gericht bereit, die Schilderungen der 27-Jährigen noch um eigene problematische Erfahrungen mit dem Angeklagten zu erweitern. 

Sie musste aber nicht mehr gehört werden. Der Angeklagte schilderte seine extremen körperlichen Einschränkungen, sprach von Gehirnblutungen, Schlaganfall und Herzinfarkt, einigen Tagen im künstlichen Koma und dem überraschenden Überleben. 

An die sexuellen Übergriffe konnte er sich nicht mehr erinnern: „Die beschriebenen Handlungen sind mir nicht erinnerlich.“ Er entschuldigte sich aber für sein Verhalten bei der 27-Jährigen: „Wenn ich das wirklich getan haben sollte, tut mir das leid.“ Sie akzeptierte diese Entschuldigung. 

Patient aus Schalksmühle soll 600 Euro an Opferschutzorganisation zahlen

Da der nicht vorbestrafte 59-Jährige bis zu dem Gerichtstermin „Gelegenheit hatte, über sein Verhalten nachzudenken“, hielten alle Prozessbeteiligten ein förmliches Urteil für verzichtbar. Eine Geldbuße hielten die Beteiligten aber für angemessen: Erst wenn der Angeklagte 600 Euro an die Opferschutzorganisation „Weißer Ring“ gezahlt hat, wird das Verfahren endgültig eingestellt.

Der Angeklagte könne dankbar sein, „dass diese Kräfte Sie pflegen“, mahnte Richter Thomas Kabus ein rechts- und sittenkonformes Verhalten an.

Er hatte junge Mädchen belästigt: Kürzlich endete der Prozess gegen einen 37-Jährigen - mit unerwartetem Ausgang. 

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