Seniorenhaus Muhle: Musik öffnet die Herzenstür

Zur Vogelhochzeit gehört natürlich auch eine ganz besondere Torte. Die Liebe zum Detail ist für die Mitarbeiter selbstverständlich.

Schalksmühle. „Ein Vogel wollte Hochzeit machen in dem grünen Walde...“ Lautstark schmettert die Seniorin das bekannte Volkslied. Dabei spricht sie normalerweise kaum noch. Sie ist dement. Ihr Kurzzeitgedächtnis funktioniert schon lange nicht mehr. Das Sprechen wird immer schlechter. Von den Problemen ist beim Frühlingsfest im Seniorenhaus Muhle kaum etwas zu erkennen.

Alle Strophen kennt sie auswendig. Wie von allein sprudeln die Liedverse aus ihr heraus. Sie strahlt über das ganze Gesicht. Ein Moment, der Pflegedienstleiterin Erdmuthe Steins glücklich macht: „Es ist immer ein toller Moment, wenn wir sehen, dass unsere Bewohner mit Freude bei der Sache sind und plötzlich ungeahnte Talente zeigen.“

Vogelhochzeit lautet das Motto des Frühlingsfestes. „Wir gucken, dass wir die Themen mit den Bewohnern gemeinsam entwickeln. Es muss etwas sein, womit sie eine Verbindung haben“, erklärt Mitarbeiterin Gesa Busse. Gemeinsam haben die Senioren mit den Mitarbeitern das Fest vorbereitet. Sogar die Dekoration wurde selbst hergestellt. „Basteln macht nicht nur Spaß, sondern fördert unheimlich die Motorik“, sagt Busse. Aber die Bewohner hätten auch Spaß daran, einfach gemeinsam etwas zu schaffen. Ihnen sei das Gefühl, gebraucht zu werden und sich einbringen zu können, wichtig. „Für viele ist es auch ausreichend, dabei zu sein. Die Vorbereitung wird so zur Gemeinschaftsaktion, die natürlich auch den Zusammenhalt fördert“, erläutert Busse die positiven Nebeneffekte.

Wenn in Muhle gefeiert wird, sind auch die Angehörigen dazu eingeladen. Und so kommt eine buntgemischte Gruppe zusammen. Höhepunkt des Nachmittags ist der Auftritt des Dahlerbrücker Chores, der die Gäste mit Frühlingsliedern begeistert. Die Musik weckt die Erinnerungen. Angeregt wird in den Pausen an den Tischen geredet. Erinnerungen an frühere Zeiten werden ausgetauscht. Beispielsweise an die Schulzeit. Damals wurde in den Klassen viel gesungen. Je länger der Nachmittag dauert, desto besser wird die Stimmung. Überall gibt es jetzt etwas zu erzählen. Ungeduldig warten die Bewohner schon auf das nächste Lied, äußern einige Wünsche.

„Deswegen ist es uns so wichtig, verschiedene Feste anzubieten. Das sind Momente, in denen herrscht hier richtig Leben. Das ist wichtig“, betont Steins. Wichtig seien diese Momente aber nicht nur für die Bewohner, sondern auch für die Angehörigen. Sie nutzen die Möglichkeit zum Austausch. Die ähnliche Lebenssituation verbindet. „Außerdem kennen sich viele schon lange“, sagt die Pflegedienstleiterin. Und so geht es an den Tischen nicht bloß um Frühlingslieder, Erinnerungen und Erfahrungsaustausch, sondern auch um ganz weltliche Themen – ein Fest, als Auszeit aus dem Alltag.

Von Lydia Machelett

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