Gericht

Kupfer-Prozess im MK: Millionenbeträge und kuriose Beweisaufnahme

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Einen Berg voller Akten hat das Landgericht im Kupfer-Prozess gegen ein Schalksmühler Unternehmen zu bearbeiten. Die Beweisaufnahme gestaltet sich mühsam. 

Es ist ein merkwürdiges Geschäft rund um Lastwagen-Ladungen voller messing- und damit kupferhaltiger Metallabfälle, deren Wert mittlere fünfstellige Euro-Beträge erreichen kann.

Schalksmühle/Nachrodt - Nimmt man einige der bisherigen Zeugenaussagen und das Geständnis des 49-jährigen Angeklagten im Kupferprozess ernst, so liegt der Verdacht nahe, dass der Handel mit diesem sehr werthaltigen Metallschrott durchaus anfällig für Betrügereien ist.

Im Landgericht schätzte ein Zeuge aus der Mannschaft des mutmaßlich betrogenen Ennepetaler Metallverwertungsunternehmens den Schaden auf 20.000 Euro pro Lieferung. Ein weiterer Zeuge schätzte den Schaden pro Lieferung auf bis zu 40.000 Euro.

Kupferprozess im MK: Betrug in Millionenhöhe

Schon bei einem Schaden von 20.000 Euro pro Lieferung kommt man bei der Multiplikation mit den 93 angeklagten Betrugsfällen auf eine Summe von fast 1,9 Millionen Euro. Diese Dimension deckt sich mit den Schadensersatzbeträgen, über die die beiden Firmen nach der Aufdeckung der Manipulationen auf der Führungsebene angeblich verhandelten. 

Es sind recht glaubwürdige Zeugen, die von diesen Verhandlungen berichten, und vor diesem Hintergrund scheint die mühsame Beweisaufnahme im Landgericht zunehmend absurder. Auch der Finanzchef des Ennepetaler Unternehmens berichtete nun über diese Gespräche, bei denen ein renommierter Spezialist für Umwelt- und Genehmigungsfragen als Vermittler auftreten wollte. 

Schalksmühler wollen Hälfte des geforderten Betrags zahlen

In diesem Gespräch, dem ein Angebot der Schalksmühler zur Schadenswiedergutmachung zugrunde gelegen habe, sei es zunächst um einen Betrag von 2,5 Millionen Euro gegangen. Die Schalksmühler hätten unter der Bedingung, dass damit kein Schuldeingeständnis verbunden sei, zunächst die Hälfte davon zahlen wollen.

Die Ennepetaler hätten hingegen eine Einigung nicht unter 1,75 Millionen Euro angestrebt. Zeugen hatten zuvor schon berichtet, dass das damals schon auf den Weg gebrachte Strafverfahren einer endgültigen Einigung im Weg gestanden habe. Die mühsame Beweisaufnahme der 1. großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts macht

Kupferprozess im MK: Das ist die Vorgeschichte

Der Wirtschaftsprozess wurde nach einer Zwangspause durch das Coronavirus im Juni wieder neu aufgenommen. Anfang Juni verlasen die Richter gegenüber zwei der ursprünglich drei Angeklagten den Sachverhalt, in dem es um Betrügereien rund um die Lieferung minderwertigen Messingschrotts geht.

Schon in den ersten der 13 angesetzten Verhandlungstage ist bemerkbar, dass das Konfliktpotenzial hoch ist. Ein Ex-Mitarbeiter des betroffenen Unternehmens sei "froh, dass die Sache jetzt aufgedeckt ist". Er habe Schmiergeldzahlungen erhalten.

Im Laufe der Verhandlungen äußerte sich erstmals ein Mitarbeiter des Schalksmühler Entsorgungsunternehmens und wies die Bestechungsvorwürfe zurückgewiesen. Er war der Bruder des Inhabers.

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