Guter oder böser Elch?

SCHALKSMÜHLE ▪ Wenn Hannelore Menzner von „ihren“ Kindern spricht, stellen ihre beiden Töchter klar: „Das sind wir nicht!“ Die 60-Jährige meint damit die Kleinen, die sie als Kindergartenleiterin der „Villa Kunterbunt“ Im Dahl Tag für Tag betreut. Doch in eine paar Tagen ist damit endgültig Schluss: Menzner geht in den Ruhestand.

Nächsten Freitag ist es soweit, dann heißt es nach 38 Jahren in der Einrichtung Abschied nehmen. Mit einem „lachenden und einem weinenden Auge“, betont Menzner, während sie ein kleines Mädchen in einem violetten Anorak an der Hand hält, das sich schüchtern an sie kuschelt. Sie wird den Umgang mit den Kindern vermissen, andererseits ist sie noch „fidel genug“, um in ihrer Rentenzeit etwas zu unternehmen.

Nachdem sie ihren Beruf als Erzieherin im Ruhrgebiet gelernt hat, verschlug es die Lüdenscheiderin schon zwei Jahre später in die Volmegemeinde. Eigentlich dachte sie: „Nach fünf Jahren geh ich wieder.“ Doch es kam anders: Schon wenige Jahre später wurde sie Leiterin der „Villa Kunterbunt“ – und blieb es bis heute.

Die Kinder an sich hätten sich im Lauf der Jahre wenig verändert. Die eine oder andere Modeerscheinung, zum Beispiel bei der Namensgebung, kam und ging wieder. Zeitweise gab es gleich vier Emilys in dem Kindergarten und Leons gab es auch haufenweise. Bei den Erziehungsstilen gebe es heute mehr Varianten und die Kinder seien freier in ihrem Handeln. Wenn ein Junge mal einen Puppenwagen schieben will, sei das heute „ganz selbstverständlich“.

Mittlerweile werden auch in der „Villa Kunterbunt“ Kinder unter drei Jahren betreut. Die Arbeit mit den Kleinen sei „ganz schön spannend. Wenn diese das erste Mal in den Kindergarten kämen, könnten manche noch gar nicht laufen. Als Erzieherin erlebt man so die Entwicklung des jeweiligen Kindes hautnah mit.

Auch der Umgang mit den Eltern sei eigentlich kein Problem. Oft kennen sich die Mütter und Väter auch untereinander und organisieren viel nahezu in Eigenregie, wie zum Beispiel den Weihnachtsmarkt des Kindergartens in diesem Jahr. „So bleibt uns mehr Zeit für die Kinder,“ freut sich Menzner.

Spätestens bei der Antwort auf die Frage, ob der Leiterin Ereignisse aus den vielen Jahren im Kindergarten besonders in Erinnerung geblieben sind, wird deutlich, wie sehr sie ihre Arbeit schätzt: „Jeder Tag ist ein Hightlight.“ Die Kinder hätten immer wieder tolle Ideen oder Sprüche parat. Wie zum Beispil der kleine Junge, der kürzlich allen das Tor aufhielt und meinte: „Ich bin der Auf- und Zuhälter.“ – Warum die Erzieherinnen daraufhin so lachen mussten, verstand er allerdings nicht. Oder als Menzner tadelnd ausrief: „Ich glaub, ich werd zum Elch.“ und als eines der Kinder die Gegenfrage stellte: „Zum guten oder zum bösen?“

Per Stellenanzeige sucht die Gemeinde jetzt einen Nachfolger für Hannelore Menzner. Zwei potenzielle Kandidatinnen haben sich auch schon im Kindergarten vorgestellt. Viele schrecke aber der Mangel an Aufstiegsmöglichkeiten ab. „Durchsetzungsvermögen, Geduld und ein liebevoll-konsequenter Umgang“ mit den Kindern seien Grundvoraussetzungen, die ein Nachfolger mitbringen sollte. „Schimpfen bringt nichts, Liebe ist das Allerwichtigste,“ gibt Menzner ihm oder ihr mit auf den Weg.

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