Festnahmen im Gewerbegebiet

Grasende Kühe werden Metalldieben zum Verhängnis

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Lumberg-Geschäftsführerin Meike Schmidt zeigt einen der Container mit Metallschrott, aus dem sich die beiden Täter bedienten, bevor sie von der Polizei am vergangenen Freitag verhaftet wurden.

Schalksmühle - Es waren die blutigen Mäuler von friedlich grasenden Kühen, die schließlich zur Festnahmen von zwei Metalldieben in Schalksmühle im Gewerbegebiet Everinghausen führten.

Die Täter, die bei mindestens fünf Diebestouren vom Werksgelände der Firma Lumberg in Everinghausen Metallschrott im vierstelligen Kilogrammbereich mitgehen ließen, wurden am vergangenen Freitag von einem Großaufgebot der Polizei geschnappt.

„Die ganze Geschichte begann bereits im Spätsommer, als sich ein Bauer bei uns meldete, dessen Kühe direkt auf der Wiese neben unserem Werk 1 stehen“, sagt Meike Schmidt, geschäftsführende Gesellschafterin von Lumberg. Der Landwirt erzählte von den blutigen Mäulern seiner Kühe, vielen Kupferpartikeln und einem regelrechten Trampelpfad auf seiner Weide.

Spur führte direkt zum Werksgelände

„Anhand der Schrottpartikel konnte wir genau eine Spur verfolgen, die von der Weide zu unserem Werksgelände führte“, sagt Schmidt. Die Firma wertete daraufhin die Bilder der am Gebäude festinstallierten Kameras, die den Vorplatz vor den Containern mit dem Metallschrott überwachen, aus. „Auf denen war von Metalldieben jedoch nichts zu sehen“, erzählt Schmidt.

In Absprache mit ihrem Mann Ulrich Schmidt, technischer Geschäftsführer bei Lumberg, wurde in einem nahe gelegenen Wäldchen, durch das die Kupferpartikel-Spur ebenfalls führte, eine Wildkamera installiert, die jede Bewegung festhält. „Damit hatten wir dann Erfolg“, berichtet Meike Schmidt. „Alle 14 Tage freitags, nachdem die Spätschicht das Gelände verlassen und auch der Wachschutz seine Routinerunde gedreht hatte, tauchten zwei Männer auf, einer davon sogar mit einer Maske vermummt.“ Die Männer gingen über die Kuhwiese, kletterten über einen Zaun und die Böschung zum Firmengelände hinauf. „Auch dort bewiesen sie eine erstaunlich gute Ortskenntnis, denn sie kannten den Aufnahmewinkel der festinstallierten Kameras“, sagt Schmidt. So krabbelten die Männer unter anderem unter den am Wochenende vor der Rampe geparkten Lastwagen her, um nicht ins Visier der Kameras zu geraten.

Rucksäcke, Taschen und Beutel gefüllt

Von der Rampe im Außenbereich werden die Container beladen. Hier schlugen die Täter mindestens fünfmal zu.

„Auf der Rampe fühlten sie sich in Sicherheit, weil sie nicht mit unseren neu installierten Kameras rechneten“, so Ulrich Schmidt. Diese machten Aufnahmen, wie die Täter Rucksäcke, Beutel und Taschen mit sogenanntem Metallkonfetti befüllten und anschließend ganz in Ruhe den Rückzug antraten. „Das Ganze wiederholte sich fünf- bis sechsmal pro Nacht“, berichtet Schmidt. So kam schnell eine Menge an Diebesgut von erheblichem Wert zusammen. „Schließlich hat unser Metallschrott einen gewissen Wert, liegt je nach Material zwischen einem Euro und bis zu zehn Euro pro Kilogramm. Und die Täter wussten genau, welche Materialien sie nehmen wollten“, so Meike Schmidt.

Firma schaltet Detektei ein

Mit den Bildern gingen die Firmenverantwortlichen nicht nur zu Polizei, sondern beauftragten auch noch eine Detektei. Gemeinsam mit Geschäftsführer Ulrich Schmidt lagen die Privatermittler fünf Nächte lang zunächst völlig umsonst auf der Lauer – bis zum vergangenen Freitag.

Dann tauchte das Täterduo erneut auf und hatte sich ausgerechnet für diese Nacht Großes vorgenommen. Um eine größere Menge an Metallschrott abtransportieren zu können als zuvor, schraubten sie kurzerhand den Zaun auf. Die Diebe verpackten insgesamt 442 Kilogramm Metallschrott in zehn große Säcke und machten sich mit diesen auf dem Weg zu ihrem Fluchtfahrzeug.

Von der Polizei gestellt

Dort wurden sie von der Polizei gestellt. Nach einer Verfolgungsjagd zu Fuß durch das Wäldchen konnten die Beamten den ersten Täter verhaften, der zweite wurde nach einer intensiven Fahndung eineinhalb Stunden später geschnappt. Weil die Polizisten im sichergestellten Fluchtfahrzeug Quittungen über verkauften Schrott fanden, kann nun auch der Aufkäufer ermittelt werden.

Zu verantworten haben sich die Täter strafrechtlich nicht nur wegen unerlaubten Eindringens auf das Firmengelände, Sachbeschädigung, Diebstahl und Hehlerei, sondern Meike und Ulrich Schmidt wollen auch zivilrechtlich ein Signal setzen und die Auslagen der „Operation Buntmetall“ sowie die entstandenen Verluste durch die Diebestouren einklagen.

"Wir kennen da kein Mitleid"

„Wir kennen da kein Mitleid,“ sagt Ulrich Schmidt, „der Metalldiebstahl ist so organisiert, dass nur knallhart durchgegriffen werden kann. Wie lange die Abschreckung durch diese Strafanzeige anhält, wird sich zeigen, auf jeden Fall werden wir mit geeigneten Maßnahmen und in Absprache mit der Polizei unsere Werke noch sicherer machen.“

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