Bezirksschornsteinfegermeister Wolf Dieter Siegel gibt Kehrbezirk ab

Abschied nach 28 Jahren: Schornsteinfeger Wolf Dieter Siegel (links) geht in den Ruhestand. Walter Ebbinghaus übernimmt den Kehrbezirk Schalksmühle.

Schalksmühle - Mehr als 28 Jahre war er der Glücksbringer für Schalksmühle, jetzt geht er in den Ruhestand: Bezirksschornsteinfegermeister Wolf Dieter Siegel (67) hatte am 31. Oktober seinen letzten Tag im Kehrbezirk. „Eigentlich wollte ich Meteorologe werden, aber da ich aus einer Schornsteinsteinfeger-Familie stamme, lag es nahe, diesen Beruf zu erlernen und das habe ich nie bereut.“

Seine Ausbildung absolvierte Wolf Dieter Siegel im Betrieb seines Vaters im thüringischen Arnstadt. Mit 18 Jahren wurde er eingezogen, und zwar zur Grenztruppe der ehemaligen DDR, welche damals zur Sicherung und Überwachung der innerdeutschen Staatsgrenze diente. „Verraten, bespitzeln oder an der Grenze auf Flüchtlinge schießen – niemals wäre dies für mich infrage gekommen. Mit dem Regime der DDR konnte ich einfach nichts anfangen. Im April 1971 bin ich kurzerhand in den Westen geflohen, über einen Trampelpfad, den immer Rehe an der Grenze liefen und wo nach meiner Einschätzung keine Minen lagen.“ 

Mit nichts in der Hand, nur den Klamotten am Leibe stand Siegel auf westdeutschem Boden: „Ich bin unglaublich freundlich und hilfsbereit unterstützt worden.“ Nach einer längeren Erkundung des neuen Landes von der Nordsee bis zu den Alpen gefiel es ihm im Sauerland besonders gut: „Die Landschaft hat mich an meine alte Heimat erinnert.“ Auch beruflich konnte Wolf Dieter Siegel schnell Fuß fassen, und zwar in Halver, wo bis heute seine neue Heimat ist. 

1988 der erste eigene Bezirk

Viele Jahre hat Siegel bei Wolfgang Gareis in Meinerzhagen erst als Geselle und später als Meister gearbeitet, 1988 übernahm er seinen ersten eigenen Bezirk. „Bevor ich meinen Wunschbezirk Schalksmühle übernehmen konnte, habe ich zwei Jahre in Altena gearbeitet, dem Volmetal bin ich aber immer treu gewesen.“ Das Schönste an der Arbeit sei der Kontakt zu den Kunden, sagt Siegel: „Wir haben 3058 Häuser, man kennt und schätzt sich seit Jahrzehnten, hält gerne mal ein Pläuschchen oder trinkt einen Kaffee.“ Und auch als Glücksbringer habe er oft fungiert, mal auf der Straße, wenn Menschen ihn, den „schwarzen Mann“ anfassen wollten, mal bei Hochzeiten vor Kirche oder Standesamt. 

Jubiläen hat Siegel gleich zwei in diesem Jahr: 50 Jahre im Beruf und 30 Jahre Selbstständigkeit. „Der Beruf hat sich stark verändert. Als ich anfing, war es vor allem Knochenarbeit, einfaches Fegen, also auf Dächern stehen und Kamine kehren. Heute ist alles deutlich vielfältiger, es wird gereinigt, überprüft, gemessen, beraten und organisiert. Aktuelle Themen sind Umweltschutz und Energieeinsparung. Viele Jahre war ich Energieberater im Handwerk und habe meine Kunden rund um dieses Thema beraten.“ 

Brände verhindern und noch viel mehr

Der Beruf des Schornsteinfegers sei nach wie vor sehr wichtig, denn das Kehren verhindere Brände, die durch Verunreinigungen entstehen können. Auch überprüfen Schornsteinsteinfeger Heizanlagen und sorgen für Sicherheit: „Gasheizungen etwa müssen regelmäßig kontrolliert werden“, erklärt Siegel. „Ist die Feuerstätte in einem guten Zustand, wie sehen die Abgaswege aus und wie hoch ist die Kohlenmonoxidkonzentration?“ 

Mit dem Ruhestand von Wolf Dieter Siegel verlieren die Schalksmühler also ihren jahrelangen Glücksbringer. Doch der Nachfolger steht schon fest: In diesem Monat übernimmt Walter Ebbinghaus als bevollmächtigter Bezirksschornsteinfegermeister den Kehrbezirk. „Dass Walter Ebbinghaus mein Erbe antritt, freut mich ganz besonders, denn er war in den 1980er-Jahren mein Lehrling und ich schätze ihn sehr.“ 

Die Zeit in Schalksmühle sei wunderbar gewesen, so Wolf Dieter Siegel, er werde die Menschen und die Arbeit sehr vermissen. Einer Person gilt sein spezieller Dank: „Nur mit der Hilfe meiner Ehefrau Dorothee, die all die Jahre mein Büro geleitet und mir immer den Rücken frei gehalten hat, lief alles so reibungslos.“

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