Glörtalsperre wird Schauplatz einer Mystery-Serie

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Nachdem der Waldboden nachgewässert wurde, wird der erste Szenendurchlauf gefilmt, in der der Ford-Kombi ins Schleudern gerät und verunglückt. Das Filmteam dreht diese Szene mit mehreren Kameras aus verschiedenen Blickwinkeln.

Schalksmühle - Die sonst so beschauliche Glörtalsperre ist derzeit Drehort einer Mystery-Serie, die Studenten der Fachhochschule (FH) Dortmund produzieren. Eine zentrale Rolle spielt in der Serie das Wasser – doch auch ein professioneller Stuntman ist im Einsatz.

„Kamera ist set“, ruft Christoph Gehl und schaut wieder durch den Sucher. Um ihn herum werden auf dem Filmset die letzten Vorbereitungen durchgeführt. Der Rest des Teams geht auf seine Positionen, die Techniker prüfen, ob der Ton stimmt. Dann fällt die Klappe. Gedreht wird der erste Szenendurchlauf mit einem weißen Ford-Kombi, der über einen holprigen Waldweg fährt. Das Waldstück liegt am Ufer der Glör.

Insgesamt fünf Folgen dreht das 15-köpfige Team für die Serie. Neben den Autoszenen filmen die Studenten an der Glör unter anderem an und in einem Campingwagen, den sie extra am Ufer der Talsperre aufgestellt haben.

Doch die zentrale Rolle der Serie spielt das Wasser. „Eigentlich spielt die Geschichte im Ruhrgebiet, daher auch der Serienname ‘Unruhr’. Aber da wir dort keine passende Location gefunden haben, drehen wir diese Szenen an der Glör“, erklärt Julia Schubeius, die aus Lüdenscheid kommt. Die 23-Jährige hatte die Idee zur Mini-Serie und bildet gemeinsam mit Marius Neumann (21) und Lisa Bühl (24) das Regie-Team.

Stuntman sorgt für täuschend echten Unfall

Da die Szene mit dem Ford-Kombi einen Unfall beinhaltet, buchten die Studenten einen professionellen Stuntman, der diesen Part übernimmt: Konzentriert läuft Daniel Helbig um das Auto herum, schaut sich die Bremsen an und prüft den Reifendruck. „Ich habe auch den Waldboden auf Gefahrenpotenziale überprüft und größere Steine weggeräumt. Jeder Untergrund ist anders und es ist wichtig, sich im Vorfeld mit den Gegebenheiten vertraut zu machen“, sagt der 29-Jährige.

Im Inneren des Autos präpariert Helbig die Handbremse – drückt den Knopf ein, mit der die Bremse gelöst wird, und hindert die Armatur schließlich mit einer Münze und Klebeband vor dem Ausrasten. „Ich muss die Handbremse arretieren, damit ich sie gleich in der Kurve nur noch hochreißen muss, um ins Schleudern zu geraten.“

Dreharbeiten für Mystery-Serie an der Glör

Dann beginnen die Probefahrten. Immer wieder ertönt die Hupe, die das Filmteam vorwarnt, dass gleich das Auto heranrauscht. Helbig tritt aufs Gas, der Ford holpert über den steinigen Waldboden und im richtigen Moment löst der Stuntman die Bremse, sodass der Kombi ausbricht. Wasser und Steine fliegen durch die Luft, ratternd kommt das Auto zum Stehen. Dass bei dem vorgetäuschten Unfall wirklich etwas Schlimmes passiert, davor hat Daniel Helbig keine Angst. „Schiss ist das falsche Wort. Wir arbeiten am Pegel. Man braucht Adrenalin, um das zu machen.“

Doch bevor die Unfallszene richtig gefilmt werden kann, ist noch ein ordentlicher Guss von oben nötig. Für den sorgt Norbert Lohoff, Stadtbrandinspektor der Feuerwehr Breckerfeld. „Der Unfall passiert im Regen und das Auto schleudert durch eine große Pfütze. Da wir dafür immer wieder Wasser brauchen, hat sich die Feuerwehr freundlicherweise bereit erklärt, uns zu helfen“, sagt Julia Schubeius, während ihre Regie-Kollegin Lisa Bühl mit Wehrleiter Lohoff den besonderen Einsatz bespricht.

Professionelle Teamarbeit

Für die Studenten ist die Mystery-Serie das erste große Projekt im Laufe ihres Bachelor-Studiums „Film & Sound“. Während sie im vergangenen Semester mit den Planungen, dem Einholen der Drehgenehmigungen und dem Casting der Schauspieler beschäftigt waren, geht es in diesem Semester nun an die praktische Arbeit. Das professionelle Equipment stellt den Studenten die FH. Während der Dreharbeiten übernachtet das Team in der Jugendherberge an der Glör. Nach der Fertigstellung soll die Serie 2016 im Internet zu sehen sein.

Dass die Studenten eine Serie und keinen Film drehen, hat mit der aktuellen Popularität des Formats zu tun. „Serien sind gerade sehr gefragt und man kann darin Geschichten und Charaktere stärker auserzählen“, erklärt Regisseur Marius Neumann.

Wer aber bei einem Uni-Projekt an nachlässiges Arbeiten denkt, liegt falsch. Wie bei einem professionellen Dreh hat jeder Mitarbeiter einen festen Job – egal, ob Produktionsleitung, Regie, Maske oder Tontechnik. „Wir wollen hier alle Erfahrungen für spätere Jobs sammeln und die Chance nutzen. Wir haben einen strikten Drehplan und müssen uns aufeinander verlassen. Schließlich geht es auch um den Ruf unserer FH“, sagt Julia Schubeius und ergänzt, dass das Team auch selbst Geld in die Produktion investiert hat. Der Rest der Finanzierung stammt aus Zuschüssen der FH und von Sponsoren.

Um so größer ist daher auch der Wunsch der Studenten, mit der Web-Serie im besten Fall einen Filmpreis einzuheimsen. Eine große Filmvorführung ist ihnen aber schon jetzt sicher: Im Dortmunder Zentrum für Kunst und Kreativität „U“ soll die Serie zum Jahreswechsel Premiere feiern.

Handlung

Die Mystery-Serie „Unruhr“ handelt von dem Mädchen Maila, das mit ihrer Mutter an der Ruhr mit dem Auto verunglückt. Während die Mutter auf einem Campingplatz in der Nähe nach Hilfe sucht, wird Maila magisch vom Wasser der Ruhr angezogen. Oder übt etwa der Mann, der weiter weg vollkommen durchnässt am Ufer steht und aufs Wasser starrt, eine so große Anziehungskraft auf das Mädchen aus?

Weitere Informationen zum Film gibt es bei Facebook unter „Unruhr – Die Mysteryserie“ und demnächst auf www.unruhr-mystery.de.

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