"Unterrepräsentiert" - Verwaltung fördert gezielt Frauen

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Benachteiligungen beseitigen: Die Gemeindeverwaltung hat ihren Gleichstellungsplan fortgeschrieben.

Schalksmühle - Mit ihrem „Ja“ zum neuen Gleichstellungsplan der Gemeinde Schalksmühle setzten am Montag die Vertreter aller Ratsfraktionen ein Zeichen gegen Benachteiligung in der Verwaltung – aber auch in der Gesellschaft allgemein.

Laut Landesgleichstellungsgesetz NRW (LGG) ist jede offizielle Dienststelle mit mindestens 20 Beschäftigten verpflichtet, jeweils für den Zeitraum von drei bis fünf Jahren einen Gleichstellungsplan aufzustellen. Dies geschah in der Gemeinde zuletzt 2016. Unter Beteiligung der Gleichstellungsbeauftragten Sabrina Knappe, der Schwerbehindertenvertretung sowie des Personalrates wurde nun eine Neufassung aufgelegt. Diese gilt für den Zeitraum 1. Juli 2019 bis 30. Juni 2024. Ziel des Gleichstellungsplanes sei, so ist es in dem Schriftwerk nachzulesen, die Beseitigung von Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts sowie eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Zudem sehe die Verwaltung es als ihre Aufgabe an, mit ihrem Handeln auch für eine gleichwertige gesellschaftliche Teilhabe beider Geschlechter zu sorgen. 

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die Verwaltung hat im Rahmen der Fortschreibung des Planes einen Bericht über die Personalentwicklung und die durchgeführten Maßnahmen der vergangenen drei Jahre erarbeitet. Dabei stellten die Verantwortlichen fest, dass in Form der „Unterrepräsentanz in Führungspositionen und in höheren Beförderungsämtern aufseiten der weiblichen Beschäftigten“ geschlechterbezogene Benachteiligungen festzustellen seien. Deshalb stünden Frauen als Zielgruppe besonders im Fokus. Das Ziel der besseren Vereinbarkeit beruflicher und familiärer Belange – etwa durch flexible Arbeitszeitmodelle – beziehe sich dagegen auf Frauen und Männer. 

Das Mittel, um Frauen gegenüber ihren männlichen Kollegen gleichzustellen, sei eine gezielte Förderung, insbesondere von weiblichen Mitarbeitern in den höheren Besoldungs- und Entgeltgruppen. Dazu gehöre auch, Frauen im Bereich der Fortbildung zu unterstützen und an entscheidenden Prozessen zu beteiligen. So sollen bei Vorstellungsgesprächen und in Auswahlkommissionen beide Geschlechter zu gleichen Teilen anwesend seien. Pflichtausschüsse (Gemeinderat und Fachausschüsse) seien hingegen ein Sonderfall. Dort sind Frauen unterrepräsentiert. Doch das Nicht-Erfüllen der Quote sei gesetzlich abgesichert. 

Perspektiven für Frauen schaffen

Wie wichtig der Verwaltung die Beseitigung von Benachteiligung schon in der Vergangenheit war, machte Bürgermeister Jörg Schönenberg bereits im Vorfeld, im Rahmen der Sitzung des vorgeschalteten beratenden Hauptausschusses, deutlich. Die Ernsthaftigkeit des Anliegens werde daran deutlich, dass man bereits zwei der vier Fachbereichsleitungen im Rathaus mit Frauen besetzt habe. Man bemühe sich auch weiterhin, Perspektiven für Frauen in Führungspositionen zu schaffen. 

Beschäftigtenstruktur der Gemeindeverwaltung

Die aktuelle Beschäftigtenstruktur der Gemeinde (Stand 1. Juli 2019) ist für die Verantwortlichen ein Gradmesser, um Benachteiligungen ausfindig zu machen. Der differenzierte Blick auf alle Mitarbeiter ergebe, so steht es im Gleichstellungsplan, dass im Beamtenbereich der Frauenanteil „deutlich zu niedrig“ sei. Insgesamt beschäftigt die Gemeinde fünf Beamte, darunter nur eine Frau. Bei der Betrachtung des Frauenanteils in den einzelnen Bereichen und Besoldungs- sowie Entgeltgruppen stellten die Verantwortlichen fest, dass 

- in der Allgemeinen Verwaltung der Gesamtanteil der beschäftigten Frauen 45,45 Prozent, im mittleren Dienst 56,6 Prozent‚ im gehobenen Dienst 23,81 Prozent und im höheren Dienst 0 Prozent beträgt, 

- im Sozial- und Erziehungsdienst mit 94,12 Prozent ein sehr hoher Frauenanteil herrscht, 

- 31,17 Prozent aller Beschäftigten im Bereich der Allgemeinen Verwaltung eine Teilzeitbeschäftigung ausüben – im mittleren Dienst der Gesamtverwaltung beträgt diese Quote 40,58 Prozent‚ im gehobenen Dienst 9,09 Prozent und im höheren Dienst 0 Prozent – und 

- der Anteil der Frauen an den Teilzeitbeschäftigten mit 96,67 Prozent sehr hoch ist. 

Im Rahmen der gestrigen Sitzung stimmten die Ratsmitglieder dafür, den neuaufgelegten Gleichstellungsplan für den Zeitraum 2019 bis 2024 zu beschließen.

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