Gewürgt, bis es gefährlich wurde

SCHALKSMÜHLE ▪ Eine Beziehungstat mit gefährlichen Folgen beschäftigte gestern ein Schöffengericht des Amtsgerichts Lüdenscheid.

„Zwei Jahre auf Bewährung“ lautete letztlich das Urteil gegen einen 29-jährigen Schalksmühler, der seine damalige Freundin am 8. August 2009 in deren Wohnung so stark gewürgt hatte, dass sie auf der Intensivstation des Klinikums Lüdenscheid hatte behandelt werden müssen. „Er hat sie zweimal gewürgt – einmal davon länger mit einem entsprechenden Gefährdungspotential“, begründete Richter Thomas Kabus das Urteil, das vor allem wegen des bestehenden Beziehungshintergrunds zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Keinen Erfolg hatte der junge Mann mit seinem Versuch, der heute 24-Jährigen eine erhebliche Mitschuld an dem Geschehen anzudichten: „Sie ist diejenige gewesen, die mich angegriffen hat“, gab er zu Protokoll und behauptete, seine Freundin habe ihm zunächst das Gesicht zerkratzt. Außerdem redete er die Zeit klein, während der er seine Freundin gewürgt hatte: „Fünf, sechs, sieben Sekunden“ seien das höchstens gewesen.

Seine Freundin widersprach: „Ich habe in gewisser Weise Todesangst gehabt und gedacht, ‚wenn er jetzt weiterdrückt, ist es vorbei“. Dieser Eindruck wurde von der behandelnden Ärztin des Klinikums mit harten Fakten bestätigt: Zwar war die auch psychisch stark mitgenommene Patientin erst einen guten halben Tag nach der Attacke ins Klinikum eingeliefert worden, doch ihre Verletzungen sprachen für sich: Aus der Verfassung der minderdurchbluteten Halsschleimhaut schloss die Ärztin auf ein Zudrücken des Halses von mindestens einer Minute. Wegen der andauernden Gefahr von auftretenden Schwellungen wurde die Patientin auf die Intensivstation gebracht: „Man kann daran ersticken“, sah die Ärztin das Geschehen als möglicherweise sogar lebensbedrohlich an.

Nach derart schwergewichtigen Argumenten gab auch der Angeklagte zu, dass die Kratzer in seinem Gesicht wohl von Abwehrbewegungen seiner Freundin herrührten und entschuldigte sich beim Opfer. Als Bewährungsauflage wurden ihm hundert Sozialstunden und ein Anti-Aggressionstraining mit auf den Weg gegeben.

Der jungen Frau empfahl Richter Thomas Kabus eindringlich, das geschilderte Hin und Her zwischen Beziehung und Nichtbeziehung zum Angeklagten, das sich auch nach der Tat noch fortgesetzt hatte, endlich konsequent zu beenden: „Es ist hoffentlich beiden klargeworden, dass es zusammen nicht geht“, gab er auch der 24-Jährigen einen dringenden Rat mit auf den Weg. ▪ thk

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