Urteil gesprochen

Gewaltsamer Zugang zum Bierregal: Strafe für 31-Jährigen

Gewaltsamer Zugang zum Bierregal im Netto
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Alles nur wegen Bier? (Symbolbild).

Er beleidigt den Polizisten, wehrt sich gegen Fixierungen. Jetzt steht er vor Gericht. Das Urteil ist gesprochen.

Schalksmühle/Kierspe – Geld hatte ein 31 Jahre alter Mann aus Schalksmühle nicht, dafür aber umso größeren Durst auf Alkohol. Also begab er sich am 8. Februar 2020 zur Netto-Filiale an der Schmiedestraße in Kierspe. Dort bettelte er Passanten um Geld an. Dann betrat er das Geschäft und nahm sich eine Dose des billigsten Bieres. An der Kasse präsentierte er eine bunte Sammlung von Münzen. Nicht genug, um das Getränk zu bezahlen. Da es zu einer Diskussion mit der Kassiererin kam, erteilte eine Mitarbeiterin ein Hausverbot und verwies den Mann des Ladens.

Es dauerte nicht lange, da wagte der Schalksmühler einen zweiten Versuch. Behende sprang er über ein verschlossenes Kassentörchen und rannte gezielt zur Bierabteilung. Dort stellte sich ihm eine Mitarbeiterin in den Weg. Er schubste sie weg, um an das Objekt seiner Begierde zu gelangen. Die Frau zog sich eine kleine Schnittwunde am Finger zu. Statt einer Dose, nahm er diesmal eine Flasche desselben Bieres. Er warf all seine Münzen auf den Boden und verließ so schnell wie möglich durch einen erneuten Sprung über das Törchen das Geschäft.

„Da haben Sie mich erwischt.“

Bereits im Laufe des ersten Vorfalls mit der Dose hatte eine Mitarbeiterin die Polizei alarmiert. Und tatsächlich trafen die Beamten in der Nähe des Netto-Marktes auf den ihnen schon bekannten 31-Jährigen. Der begrüßte die Polizisten mit dem Satz: „Da haben Sie mich erwischt.“ Dadurch, dass sich der Schalksmühler gewaltsam Zutritt zum Bierregal verschafft hatte, wurde aus einem normalen Diebstahl ein höher bestrafter Raub.

Knapp zwei Wochen später kam dem Mann in den Sinn, einen Ausflug nach Berlin zu unternehmen. Geld hatte er nicht, trotzdem wollte er mit dem ICE fahren. In Hannover stieg er in den besagten Zug, ohne die für die Fahrt fälligen 67,50 Euro zu bezahlen. Bei der Kontrolle stellte ihn das Zugpersonal vor die Wahl, die Bahn in Wolfsburg zu verlassen oder sie riefen die Polizei. Als der Mann hinter Wolfsburg immer noch im ICE war, eskalierte die Situation. Es begann damit, dass der 31-Jährige die Zugchefin sexuell beleidigte. Über die Boardsprechanlage erbat das Zugpersonal polizeiliche Hilfe. Tatsächlich befand sich ein 35 Jahre alter Polizist im ICE, der auf dem Weg zur Arbeit war.

Wehrt sich gegen Fixierung

Zunächst versuchte er, den Schalksmühler mit Worten zu beruhigen. Darauf reagierte der 31-Jährige ebenfalls mit übelsten Beleidigungen. Der Polizist versuchte, den Mann mittels Fixierung unter Kontrolle zu bringen. Doch dagegen wehrte er sich heftig, trat um sich und traf den Beamten am Schienbein. Selbst eine Fixierung am Boden konnte den aufgebrachten Schalksmühler nicht zur Ruhe bringen.

Stattdessen nutzte er einen günstigen Augenblick, dem Polizisten voll ins Gesicht zu spucken. „Er traf mich im Auge und im Mund“, erinnerte sich der 35-Jährige im Zeugenstand des Amtsgerichts Lüdenscheid. Dort musste sich der Schalksmühler wegen der ihm vorgeworfenen Taten vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Lüdenscheid verantworten. Er gab an, aufgrund von Alkoholgenusses keine Erinnerung mehr an die Vorfälle zu haben. Tatsächlich ergab, dass er bei dem Vorfall im Netto-Markt 2,1 und im ICE 2,3 Promille hatte.

Angeklagter beleidigt Polizisten

Ein drittes Verfahren, wonach sich der Angeklagte am 21. November 2019 in Meinerzhagen hinter eine Lottoladenmitarbeiterin, die gerade am Türschloss war, gestellt haben soll und sie sexuell bedroht hatte, wurde eingestellt. Laut Prozessakte war die Frau damals in eine Bäckerei geflüchtet, um die Polizei zu rufen. Offenbar während des darauffolgenden Einsatzes soll der Angeklagte auch noch einen Polizisten beleidigt haben, weshalb es zur Anzeige gekommen war. Die Mitarbeiterin des Lottoladens erstattete ausdrücklich keine Anzeige. Um die übrig gebliebenen Taten so gut wie möglich zu rekonstruieren, hörte das Gericht sechs Zeugen. Sie alle bestätigten die Anklageschrift.

Als es darum ging, eine angemessene Strafe für den Schalksmühler zu finden, wurden viele Dinge in die Waagschale geworfen. Negativ wirkten sich 13 Vorstrafen auch einschlägiger Art aus. Zudem läge eine hohe Rückfallgeschwindigkeit vor, so der Richter. Aber es gab durchaus auch Punkte, die für den Angeklagten sprachen. So hatte er sich vor Prozessbeginn im Flur bei sämtlichen Beteiligten entschuldigt, das aber im Gericht gar nicht von sich aus erwähnt. Nur durch die Aussagen der Zeugen hatte das Schöffengericht davon erfahren. Ebenso für den Angeklagten sprach, dass er bei den Taten alkoholisiert war. Dennoch konnte es am Ende keine Geldstrafe mehr geben. Stattdessen verurteilte das Gericht den Mann zu neun Monaten Haft auf Bewährung. Als Auflage muss sich der Schalksmühler drei Jahre lang straffrei führen, mit einem Bewährungshelfer zusammenarbeiten und eine stationäre Alkoholtherapie durchziehen. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

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