Gespräch über Arbeit des Gemeinderats

Thorsten Rehberg

SCHALKSMÜHLE - Der Gemeinderat St. Thomas Morus arbeitet nicht gegen die Pfarrei Christus König. Das stellten die Vorsitzende des Gremiums, Ulrike Biesenbach, und Pastor Thorsten Rehberg im Gespräch mit unserer Zeitung klar. „Wir sind alle Pfarrei“, sagte Rehberg. Daher sei ein Mit- statt ein Gegeneinander wichtig.

In der Vorstellungsrunde des neuen Gemeinderates vor rund zwei Wochen habe es kritische Stimmen gegeben. Diese seien aber Einzelmeinungen und nicht etwa Beschlüsse des Gremiums.

Manche Absprachen innerhalb der Pfarrei würden laut Rehberg aufgrund der Geschichte der Gemeinde St. Thomas Morus als Diktat empfunden: So habe es zum Beispiel vor der Gründung der Pfarrei Christus König in Schalksmühle einen großen St. Martins-Umzug gegeben. „Dieser wurde vom Pfarrer von Schalksmühle angeblich aus Kostengründen eingestampft“, sagte Rehberg. „Solche und andere schwere Fehler in der Seelsorge“ hätten viele Ehrenamtliche vor den Kopf gestoßen und auch aus der Gemeinde vertrieben. Aus solchen Erfahrungen mit Hauptamtlichen heraus werde vieles darum sehr kritisch betrachtet und schnell als Bevormundung wahrgenommen. Mit dieser Realität gelte es in guter Weise umzugehen, damit neues Vertrauen entstehen könne.

Die relativ neue Großpfarrei Christus König sei noch dabei zusammen zu wachsen. Ein solcher Prozess brauche viel Zeit. Anders als etwa im Ruhrgebiet, wo die Gemeinden dicht an dicht neben einander lägen, sei hier ein Kontakt selbst innerhalb einer Gemeinde oft nur mit dem Auto möglich. Dadurch sei die Gemeinschaft vor Ort immer enger als die Gemeinschaft der Gemeinden untereinander.

Vielfalt statt Vereinheitlichung

In diesem Zusammenhang zitierte Thorsten Rehberg aus ersten Apostolischen Schreiben von Papst Franziskus („Evangelii gaudium“ – „Freude des Evangeliums“): „Die Unterschiede zwischen den Menschen und den Gemeinschaften sind manchmal lästig, doch der Heilige Geist, der diese Verschiedenheiten hervorruft, kann aus allem etwas Gutes ziehen und es in eine Dynamik der Evangelisierung verwandeln, die durch Anziehung wirkt. Die Verschiedenheit muss mit Hilfe des Heiligen Geistes immer versöhnt sein; nur er kann die Verschiedenheit, die Pluralität, die Vielfalt hervorbringen und zugleich die Einheit verwirklichen. Wenn hingegen wir es sind, die auf der Verschiedenheit beharren, und uns in unsere Partikularismen, in unsere Ausschließlichkeiten zurückziehen, verursachen wir die Spaltung, und wenn andererseits wir mit unseren menschlichen Plänen die Einheit schaffen wollen, zwingen wir schließlich die Eintönigkeit die Vereinheitlichung auf. Das hilft der Mission der Kirche nicht.“

„Das hat unser Papst zwar allgemein formuliert, aber es spiegelt gerade unsere Situation in Bistum und Pfarrei gut wider“, sagte Thorsten Rehberg. Hier wie dort gehe es nun darum, einen gangbaren Weg für ein zukünftiges Miteinander zu finden – dafür stehe auch das „Zukunftsbild des Bistums Essen“, eine Frucht des Dialogprozesses, das in diesem Jahr in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken werde.

Ringen um die neue Gestalt von Kirche

„Wir ringen überall darum, wie Kirche sein soll, sein kann und wie wir dort hingelangen.“ Immer dort wo Ehrenamtliche und Hauptamtliche zusammen arbeiten, könne es zu Reibereien kommen. „Hauptamtliche können das Ehrenamt nicht ersetzen und umgekehrt: Es geht darum, wie wir zusammenarbeiten, uns gegenseitig ergänzen und bereichern können. Und gerade bei uns Hauptamtlichen ist da Respekt vor und ein angemessener Umgang mit der gemeindlichen Situation und Geduld gefordert.“

„Sich Luft machen gehört dazu“

Dass Kritik gegen Absprache oder Beschlüsse innerhalb der Pfarrei geäußert worden sei, habe für Rehberg auch eine positive Seite: „Ich möchte nicht, dass die Leute zu Hause sitzen und Frust schieben oder dass das Leben in der Kirche sie kalt lässt. Ich wünsche mir, dass wir mit Kirche leben und uns auch vor Ort mit ihr auseinandersetzen.“ Wer seinem Unmut Luft mache, wolle zum Leben beitragen und das sei gut so: Nur so könne sich Kirche entwickeln.

Gerade durch neue Aktive käme auch neuer Schwung in das Leben von Gemeinde und Pfarrei. So soll in der Gemeinde St. Thomas Morus bald ein zusätzliches Gottesdienstangebot für Kinder gemacht werden, auch ist erstmals in der Osterzeit eine Kinderbibelwoche angedacht. Dies alles soll Hand in Hand mit der Pfarrei passieren. Thorsten Rehberg: „Eine Gemeinde, die selbst Teil einer Pfarrei ist und gegen statt für das Miteinander arbeitet wäre schizophren.“

Von Matthias Clever

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