Geschmeidiger Fluss der Musik

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Die Bläsergruppe der Rhein-Ruhr-Philharmonie scheute sich am Mittwoch in der Kirche Heedfeld auch nicht davor, falsche Töne von Mozart zu spielen.

Heedfeld -  Richtige Töne falsch zu spielen, kann passieren. Falsche Töne richtig zu spielen, ist schon ein kleines Kunststück. Mit Mozart erlaubte sich die Bläsergruppe der Rhein-Ruhr-Philharmonie am Mittwoch in der Heedfelder Kirche im wahrsten Sinne des Wortes „einen musikalischen Spaß“.

Von Monika Salzmann

Im Rahmen der Reihe „Die kleine Musik“ stellten Cornelia Wolff (Flöte), Dayong Zhang (Oboe), Gottfried Halbach (Klarinette), Martin Eckert (Fagott) und Christine Corbett sowie Klaus Berker (Hörner) klangschöne und originelle Werke wie den ironischen „Spaß“ von Mozart – gedacht als Stichelei gegen schlechte, einfallslose Komponisten – vor.

Die falschen Töne exakt so falsch und damit wieder richtig zu spielen wie Mozart es wollte, war alles andere als einfach. Ob richtig oder falsch: Virtuos und stilsicher, spieltechnisch brillant und wunderbar musikalisch im Vortrag bewegten sich die Instrumentalisten durch Arrangements und Originalliteratur. Das Haydn-Divertimento mit dem berühmten Chorale Antoni, den Johannes Brahms in seinen Haydn-Variationen unsterblich machte, war ein gelungener Einstieg ins gut besuchte Konzert.

In einer Quintett-Bearbeitung von Harold Perrys präsentierten die Mitglieder der Wittener Rhein-Ruhr-Philharmonie das ursprünglich mit zwei Oboen, zwei Hörnern, drei Fagotten und Serpent besetzte Werk. Als Zugabe wiederholt, war der vermutlich auf den Franziskaner Antonius von Padua gemünzte Choral, der sich nicht mit Sicherheit Haydn zuschreiben lässt, ein eingängiger Ohrwurm für den Nachhauseweg.

Dem Motto getreu „Kein Bläserquintett-Konzert ohne Anton Reicha“, ließen die Virtuosen bei ihrem Streifzug durch die klassische und romantische Literatur auch den Wegbereiter des Bläserquintetts zu Wort kommen. Von den 28 Bläserquintetten, die Reicha schrieb, wählten sie mit Opus 88, Nr. 2 eines der meistgespielten und beliebtesten aus. Geist, Erfindungskraft und Esprit sprachen aus jeder Note der ausgewählten Sätze.

Einen Komponisten, über dessen Leben so gut wie nichts bekannt ist, ehrten die Bläser in Charles Lefebvre. Das Merkwürdige: Seine Suite op. 57, die zu hören war, belegt bei CD-Einspielungen Spitzenplätze. Warum das so ist, ließ sich am natürlichen, geschmeidigen Fluss der Musik unschwer ablesen.

In die Weihnachtszeit wies die Pastorale von Gabriel Pierné hinein. In langen Basstönen war der Ursprung der Gattung in der Hirtenmusik noch deutlich zu erkennen. Harmonisch und präzise, sanft und schmeichelnd spielte das Ensemble auf.

Bei Mozart, der nach dem Tod seines Vaters mit seinem „Musikalischen Spaß“ KV 522 – auch Dorfmusikanten-Sextett genannt – gegen Dilettantismus und aufgeblasene Konzertmeister wetterte, lag Harmonie in der Disharmonie.

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