Versuchter Mord

Hohe Fluktuation am Linscheider Berg - schlechter Zustand für Mieter

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Am Linscheider Berg ist schon einiges vorgefallen.

Schalksmühle/Hagen - Ein 28-jähriger Mann aus Schalksmühle muss sich wegen versuchten Mordes, besonders schwerer Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung vor dem Schwurgericht des Landgerichts Hagen verantworten. Während des Prozesses kommen die Zustände des Linscheider Bergs zutage. 

Ein 28-jähriger Mann aus Schalksmühle muss sich wegen versuchten Mordes, besonders schwerer Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung vor dem Schwurgericht des Landgerichts Hagen verantworten. Er soll in der Nacht zum 9. Dezember 2019 gemeinsam mit einem Mittäter ein Doppelhaus am Linscheider Berg in Brand gesetzt haben, um seinen Vermieter zu töten. Am 22. Juli 2019 soll der Angeklagte ein weiteres, offiziell leerstehendes Haus in Schalksmühle angezündet haben. 

Im Landgericht hat erstmals ein Zeuge karge Einzelheiten über den Suizid eines Mannes berichtet, den die Vorsitzende Richterin Heike Hartmann-Garschagen als „ursprünglichen Mitbeschuldigten“ des Angeklagten benannte. Ein Kriminalbeamter berichtete, dass er nach der Einnahme von Alkohol und Tabletten tot in seiner Wohnung aufgefunden worden sei. 

Zu den Hausbränden kommt ein Autobrand hinzu

Erstmals kam auch der Brand im Auto eines Mieters vom Linscheider Berg zur Sprache, der dem Angeklagten – über die beiden Brandstiftungen in Wohngebäuden hinaus – zur Last gelegt wird: Die Täter hatten den Beifahrersitz in Brand gesetzt, wodurch die Sitzfläche verschmorte. Der Eigentümer habe das Auto selbst mühsam gereinigt, um es wieder nutzen zu können, erinnerte sich der Zeuge. Auch dieses Ereignis war ein Indiz dafür, dass das Wohnen am Linscheider Berg besondere Anforderungen an die Mieter stellt. Entsprechende Hinweise lieferten weitere Zeugen, die von psychisch kranken und randalierenden Mietern berichteten. 

Mittlerweile hätten die Beteiligten das Zeitmaß ihrer Streitigkeiten auf die häufigen Polizeieinsätze eingestellt: „Bis die kommen, ist alles vorbei“, erklärte eine Zeugin. Viele Wohnungen stünden leer, „fast alle“ litten unter Schimmelbefall. Entsprechend hoch sei die Fluktuation: Verweilzeiten von vier bis sechs Wochen seien nicht ungewöhnlich. Zeugen zeichneten ein widersprüchliches Bild von dem aus seinem brennenden Wohnhaus geretteten Vermieter: „Er kann ja nichts für die Leute, die er da immer so reinholt“, erklärte eine Zeugin. Der Vermieter sei „den ganzen Tag“ aktiv, „er räumt auf, schleppt rum und macht und tut“, fasste sie die Aktivitäten wenig konkret zusammen. „Er malocht den ganzen Tag.“ 

Verwunderte Richterin im Landgericht

Die Vorsitzende Richterin wunderte sich angesichts dieser Präsenz des Vermieters über den angeblich verheerenden Zustand der Wohnungen. Im Zuge der Corona-Schutzmaßnahmen wurde der Schwurgerichtssaal mit zwei großen Bildschirmen aufgerüstet. Die Präsentation ermöglicht es den Beteiligten und den Zeugen, auf den Blick in die Akten am Richtertisch zu verzichten. Für die Berichterstatter ergibt sich der Nebeneffekt eines gelegentlichen Blicks in die Akten. Auf den Bildschirmen wurden zahlreiche Polizeifotos von den Verwüstungen durch den Brand im Dezember 2019 sichtbar. 

Am stärksten betroffen war dabei der Keller des Hauses, in dem der Brand ausgebrochen war. Besondere Aufmerksamkeit widmeten die Richter einer ganzen Reihe von Gasflaschen, die sich nach dem Brand vor und hinter dem Haus befanden. Es konnte noch nicht geklärt werden, wann und wie sie dort hinkamen. Wegen der starken Rauchgasentwicklung hatte der Vermieter das Haus nicht mehr durch das Treppenhaus verlassen können. Ein Polizeibeamter, der in der Brandnacht als einer der ersten Zeugen am Linscheider Berg eingetroffen war, erinnerte sich, dass die Feuerwehr den Eingeschlossenen „relativ schnell“ aus seiner Wohnung befreit habe.

Der Prozess wird nach längerer Pause am 24. August fortgesetzt.

Letzter Prozesstag

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