Aggressiv im Supermarkt

Gegen Corona-Regeln: 62-Jähriger wehrt sich gegen Einkaufswagen

Einkaufswagen ist derzeit in den meisten Supermärkten Pflicht.
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Einkaufswagen ist derzeit in den meisten Supermärkten Pflicht.

Auseinandersetzungen aufgrund ordnungspolizeilicher Maßnahmen während der 15 Corona-Monate beschäftigen mittlerweile auch die Amtsgerichte. So auch in Lüdenscheid, wo es jetzt um die Begegnung zwischen einem 62-jährigen Angeklagten und einem Aufpasser mit etwas mehr als 20 Jahren Lebenserfahrung in Halver ging.

Schalksmühle/Lüdenscheid – „Ich wollte das Gebäude mit einem Postpaket betreten“, erklärte der Angeklagte, der deshalb keinen für ihn unnützen Einkaufswagen für den Verbrauchermarkt neben der Poststelle in Schalksmühle anfassen wollte. „Das Paket war online frankiert, und es dauerte 30 Sekunden, es abzugeben.“ Der junge Mann hatte einen Auftrag, der diesem Vorhaben diametral entgegenstand: „Wegen Covid-19 muss man einen Einkaufswagen mitnehmen.“ Das aber wollte der 62-Jährige angesichts seines ganz anders gelagerten Interesses – kurz rein, schnell raus – auf keinen Fall.

„Er wurde sehr aggressiv, sehr laut“, erklärte der Zeuge. „Wir haben sehr lange diskutiert. Er wollte das nicht einsehen und einfach reingehen.“ Zum Einsatz sei der drohend erhobene Arm des Angeklagten nicht gekommen, weil er ihn auf Abstand gehalten habe, erklärte der Zeuge. „Es gab keinen Körperkontakt. Er hat mich geduzt und ist mit geballter Faust auf mich zugekommen.“

Beleidigung: „Geh wieder in dein Land“

Es ging vor Gericht aber nicht um eine Bedrohung, sondern eine angebliche Beleidigung. Denn es sollen noch böse Worte gefallen sein, die letztlich zur Strafanzeige führten. Der Zeuge erinnerte sich an die Anrede „Sch… Türke!“ und die Aufforderung: „Geh wieder in dein Land!“ Er machte deshalb einiges klar: „Ich bin auch hier in Deutschland geboren und aufgewachsen. Ich mache meine Arbeit und zahle meine Steuern.“ Die Polizei habe er schließlich zur Förderung der Gesprächskultur gerufen – „damit man die Sache wie zwei ganz normale Menschen klärt“.

Der Angeklagte gab zu, dass ihm seine Faust fast entglitten wäre: „Ich wollte schlagen, habe mich aber zusammengerissen.“ Rechtsanwalt Heiko Kölz sah in dem Konflikt die Folge einer nicht an den Einzelfall angepassten Corona-Regelung: „Es hat öfters Ärger wegen der Postfiliale neben dem Rewe-Markt gegeben.“

Keinen Freispruch für 62-Jährigen

Richter Markus Pohl sah den Vorwurf der Beleidigung als „nicht mit erforderlicher Sicherheit erwiesen“ an. Einen Freispruch des 62-jährigen Angeklagten gab die Beweisaufnahme aber ebenfalls nicht her.

So einigten sich die Beteiligten auf eine Einstellung des Verfahrens. Der Angeklagte muss „nur“ seinen Rechtsanwalt bezahlen. Und es blieb der Eindruck, dass die beiden Beteiligten die Sache in der guten alten Zeit mit einem Gespräch, einer Entschuldigung und einer gewissen Einsicht in die Absurditäten des Lebens erledigt hätten.

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