Gefeierter Auftritt von Christoph Sieber in Schalksmühle

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Kabarettist Christoph Sieber trat am Freitagabend vor 300 Zuhöreren in der Festhalle Spormecke auf. In seinem Programm konnte er sich auch einen Seitenhieb auf den türkischen Staatschef Erdogan nicht verkneifen.

Schalksmühle - „Wir sind auf der sicheren Seite. Das Programm ist persönlich von Herrn Erdogan abgenommen worden.“ Einen Seitenhieb auf den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan und die Affäre Böhmermann konnte sich Kabarettist Christoph Sieber am Freitag bei seinem gefeierten Auftritt in der Festhalle Spormecke nicht verkneifen.

Vor ausverkauftem Haus übte der preisgekrönte Pantomime, Kabarettist, Autor und Moderator, der bei weitem nicht so „Hoffnungslos optimistisch“ wie der Titel seines Programms war, harsche Gesellschaftskritik. Tiefe Empörung über die Missstände im Land mischte sich mit Momenten, die die Lachtränen in die Augen trieben. Egal, wie er Jung und Alt den Spiegel vorhielt, ob bitterernst oder mit einem verschmitzten Lächeln: Es saß, was er an Kritik anbrachte.

„Man macht sich schon manchmal Sorgen um die Demokratie in diesem Land.“ Beim Namen nannte er die Dinge, die ihn stören, ob dies nun der Umgang mit Flüchtlingen, die Pharmaindustrie mit Pillen für Krankheiten, die es noch gar nicht gibt, oder die Durchsetzung des Lebens mit „strunzdoofen Algorithmen“ war.

Kaputter Gebrauchtwagen und faule Verlosung

Das Rädchen, in dem wir uns alle bewegen, verglich er mit einem kaputten Gebrauchtwagen und einer faulen Verlosung. Der vermeintliche „Gewinner“ hatte fortan einen unbrauchbaren Wagen am Hals – und im Grunde mehr verloren als gewonnen. „Wir nehmen an einer gigantischen Verlosung teil und merken nicht, dass wir nichts gewinnen können“, lautete Siebers Resümee. Auf die Schere zwischen Arm und Reich („Ein Prozent der Weltbevölkerung besitzt so viel wie die 99 restlichen“) spielte der Kabarettist mit seinem Vergleich an.

Sieber sorgte mit seinem Auftritt für so manche Lachträne, die im Publikum verdrückt wurde.

Mit lebhafter Mimik und scharfen Verbalattacken lockte der Absolvent der Folkwang Universität der Künste sein Publikum aus der Reserve, brachte zum Lachen und ließ das Lachen im nächsten Moment gefrieren. Einer rasanten Achterbahnfahrt, bei der der Galgenhumor mit im Wagen saß, glich seine wortgewaltige Bestandsaufnahme der gesellschaftlichen Zustände im Land. Zornig legte er sich mit der modernen Medienwelt an, ging zu Siri (Software) und ihrer Funktion als persönlicher Assistent auf Konfrontationskurs und wetterte gegen hinkende Werbeslogans wie „umweltfreundliches Auto“.

„Reichtum ist auch kein Zuckerschlecken“

Immer wieder packte er das Übel an der Wurzel. Als Schauspieler, Pantomime, Kabarettist, Sänger und Comedian zog der gebürtige Schwabe, der in seinem Programm sogar Hölderlins „Hyperion“ über das Leben in Deutschland klagen ließ, alle Register. Als unerträglich („Erfolg der Sparpolitik“) prangerte er an, dass es in Europa wieder unterernährte Kinder gibt. Bitterböse wetzte er gegen jammernde Reiche („Reichtum ist auch kein Zuckerschlecken“) und Charity-Aktionen mit Schampus und Garnelen die Messer. „Armut hat doch schöne Seiten“, hieß es gallig. Weder das Schulsystem noch Online-Shops, weder das Fernsehen noch die regionale Spezialitätenvielfalt auf Reisen kamen ungeschoren davon.

Besonders die Ahle Wurscht Hessens hatten es dem giftigen Charmeur angetan. Nicht zu überbieten war der Rap „Wir sind die Jugend von heute“, bei dem sich Sieber von seiner hemmungslos komödiantischen Seite zeigte.

Kabarettist Christoph Sieber in der Spormecke

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