Kinder aus Linscheid

Geboren in Schalksmühle: Hausgeburten machen das möglich

Hausgeburten, Kinder, Schalksmühle
+
Ein gutes Team: Hebamme Ute Grau (links) hat drei der vier Kinder von Rabea Eichler bei Hausgeburten auf die Welt geholt.

Geboren in Schalksmühle. Das kann kaum einer von sich behaupten. Heute ist geplant nur durch eine Hausgeburt möglich. Wir haben eine Familie besucht.

Schalksmühle – Den Wunsch, zu Hause zu entbinden, hatte die Schalksmühlerin Rabea Eichler schon beim ersten Kind. Damals, vor sechs Jahren, ging dieser Wunsch noch nicht in Erfüllung. Tochter Lotta, die nach den Sommerferien eingeschult wird, kam im Allgemeinen Krankenhaus in Hagen zur Welt. Ihre anderen drei Kinder waren Hausgeburten.

Die erste Tochter

„Ich hatte mich im Geburtshaus Storchennest in Hagen angemeldet, aber Lotta kam vier Wochen zu früh“, erzählt die vierfache Mutter, die drei ihrer Kinder daheim in Linscheid entbunden hat. Bei allen drei Hausgeburten stand ihr Ute Grau, die im St.-Anna-Hospital in Herne als Beleghebamme arbeitet, zur Seite. Bei Lotta war die erfahrene Hebamme, die mit ihrer eigenen Praxis auch die Vor- und Nachsorge von Mutter und Kind im Rahmen von Hausbesuchen übernimmt, gerade im Urlaub.

Die drei Geschwister

Die drei Geschwister Hannes (vier Jahre), Michel (zwei Jahre) und Frida (sechs Wochen) holte die Schalksmühlerin auf Wunsch von Rabea Eichler im Beisein von Vater Sebastian Däumer auf die Welt. „Das sind echte Schalksmühler“, klärt sie lachend auf. Nicht in Kliniken in Hagen oder Lüdenscheid geboren und umgemeldet, sondern in Schalksmühle auf die Welt gekommen. Nach nur einer Stunde – gerechnet von der ersten Wehe an – konnte Ute Grau ihre Freundin am 24. Juni um 7.16 Uhr von ihrer zweiten Tochter – am Termin – entbinden. „Das ist das Schönste, was man als Hebamme erleben kann“, sagt Grau.

Als die große Schwester und ihre beiden Brüder morgens erwachten, war Klein-Frida da. „Wir haben dann alle zusammen gefrühstückt.“

Kennengelernt und angefreundet haben sich Rabea Eichler und Ute Grau, die in Stallhaus wohnt, beim gemeinsamen Sporteln beim TuS Linscheid-Heedfeld, wo sie zur Gruppe der Donnerstagsfrauen gehören. Wenn man so will, waren die drei Hausgeburten gleichsam „Freundschaftsdienste“.

Aufgrund ihrer Tätigkeit als Beleghebamme in Herne könnte Ute Grau die für Hausgeburten erforderliche Bereitschaft vor dem errechneten Entbindungstermin nicht ständig leisten. Für die Termine von Rabea Eichler hat sie sich extra freigenommen. Nach dem Grund gefragt, warum sie sich für Hausgeburten entschieden hat, nennt die Schalksmühlerin, die sich schon immer viele Kinder gewünscht hat, spontan die vertraute Umgebung der eigenen vier Wände. „Man kennt sich aus“, sagt sie. Angst, zu Hause zu entbinden, hatte sie nicht. Allenfalls bei Hannes sei es „etwas komisch“ gewesen, zu Hause zu entbinden. Von einem guten Bauchgefühl ist die Rede. „Man muss auch Gottvertrauen haben“, sagt die gläubige Christin, die in der Stadtmission Schalksmühle großgeworden ist und mittlerweile der Missionsgemeinde Hagen-Haspe angehört.

Natürliche Geburt

„Man weiß aus Studien, dass Frauen zu Hause genauso sicher entbinden können wie in der Klinik“, ergänzt Ute Grau, die bei der Vor- und Nachsorge bis auf Ultraschall alle notwendigen Untersuchungen durchführen kann. In den Niederlanden beispielsweise sei die Rate der Hausgeburten ungleich höher. „In Holland kommt ein Drittel der Kinder zu Hause zur Welt.“ Es sei schade, dass in Deutschland Hausgeburten eher die Ausnahme sind. „Die Zufriedenheit resultiert aus einer guten 1:1-Betreuung. Geburt hat viel mit Vertrauen zu tun.“ Wenn möglich, plädiert sie für eine natürliche Geburt. Kinder, die vaginal geboren würden, hätten weniger mit Atemwegsbeschwerden zu kämpfen. Viele Kaiserschnitte ließen sich vermeiden, ist sie überzeugt.

Dass die Schwangerschaften bei Rabea Eichler komplikationslos verliefen, war für Ute Grau eine Voraussetzung für die Hausgeburt. Von den ersten Entbindungen wusste die Hebamme, wie schnell die gelernte Erzieherin ihre Kinder zur Welt bringt und hielt sich dafür ab der 37. Schwangerschaftswoche ständig in Bereitschaft.

Auf dem Arm ihrer Mutter fühlt sich Klein-Frida sichtlich wohl. Das Stillen klappt gut, die Kleine gedeiht prächtig.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare