Corona-Regeln

Gastro-Betriebe sind gegen Zweiteilung der Gesellschaft

Coronafolgen Gastronomie Bozena Faust Haus Zum Nöckel
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„Man muss dem Gast entgegenkommen“, findet Bozena Faust von der Gaststätte Zum Nöckel.

Mittags essen gehen, abends in der Stammkneipe ein Bierchen trinken – das alles war dank der niedrigen Inzidenzwerte wieder möglich. Ab Freitag gibt es neue Regeln. Ab einer Inzidenz von 35 gelten die drei Gs. In der Gastro-Branche wird sogar darüber diskutiert, Ungeimpften den Zutritt zu verbieten. Dürfen bald nur noch die geimpften und genesenen Schalksmühler ausgehen?

Schalksmühle – „Ich bin absolut dagegen, eine Zweiteilung der Gesellschaft herbeizuführen“, bezieht Jochen Bernsdorf, Betreiber des Hauses Glörtal, eine klare Stellung. „Wir sollten uns daran halten, was die Politiker uns versprochen haben. Es gibt keine Impfpflicht, und es sollte auch keine durch die Hintertür eingeführt werden“, findet Bernsdorf. Je mehr geimpft werde, desto besser, stellt der Gastronom klar. Er als Unternehmer habe aber keinen Erziehungsauftrag. „Ich hoffe, dass die Menschen, aber auch die handelnden Politiker so vernünftig sind und einsehen, dass jemand, der einen negativen Test vorweisen kann, hier genauso behandelt werden darf wie ein Geimpfter. Denn auch der Geimpfte kann den Virus mit sich tragen.“

Einen erneuten Lockdown könnte Bernsdorf wie auch die meisten seiner Mitbewerber nicht ohne Weiteres durchstehen. „Meine Reserven, mit denen ich eigentlich das Restaurant weiter ausbauen wollte, habe ich fürs Überleben gebraucht“, bilanziert er. Zudem wurde das benötigte Personal eingestellt. Bei einer erneuten Schließung, so befürchtet der Restaurant-Betreiber, könnten sich einige Mitarbeiter gänzlich aus der Gastronomie zurückziehen. „Ein erneuter Lockdown könnte für diejenigen, die sich bis jetzt noch über Wasser halten konnten, der Todesstoß sein“, fasst Jochen Bernsdorf den Ernst der Lage zusammen.

Schnelltests für Besucher besorgt

„Wenn jemand einen negativen Test vorweisen kann, wieso sollte er dann nicht rein dürfen?“, fragt sich auch Bozena Faust, Betreiberin der Gaststätte Zum Nöckel. Sie hat sich Schnelltests besorgt, die sie an Besucher ausgibt, die keine Impfung und keinen aktuellen Test vorweisen können. „Man muss dem Gast entgegenkommen“, stellt sie klar. „Ich habe auch viele Stammgäste. Wenn einer schon 20 Jahre zu mir kommt, kann ich ihm nicht sagen, du musst nach Hause, weil du nicht geimpft bist. Das geht gar nicht.“ Auch einzelne Gäste einer größeren Gesellschaft vor der Tür stehen zu lassen, weil sie nicht geimpft seien, würde für sie nicht in Frage kommen. „Man muss das Menschliche auch in Betracht ziehen.“ Die Luca-App mache die Kontrolle für sie leichter und könne die ganze Zettelwirtschaft ersetzen.

Für einen zu leichtfertigen Umgang mit der Pandemie hat Bozena Faust auch kein Verständnis. Man müsse sich schon an die Maßnahmen halten, stellt sie klar. Impfen sei dabei auch sehr wichtig. „Schon als kleines Kind wird man geimpft. Das ist auch jetzt zu seinem eigenen Schutz und zum Schutz der anderen wichtig.“

Keine Vorbehalte gegenüber Ungeimpften

Marcel Engelstädter von der Gaststätte Zur Kuhle hat ebenfalls keine Vorbehalte Ungeimpften gegenüber. „Wenn sich jemand aus persönlichen Gründen nicht impfen lassen möchte, ist das sein Problem“, stellt er klar. „Es ist doch überhaupt kein Akt, mal eben auf einen PCR-Test zu gucken“, findet der Gastronom. Wer einen negativen Test vorzeigen kann, sollte genauso in die Gaststätte dürfen wie auch ein Geimpfter. Es liege an der Politik, jetzt passende Lösungen für die steigenden Zahlen zu finden. Immerhin seien schon über die Hälfte der Deutschen durchgeimpft.

Impfen sei die beste Möglichkeit, aus der Pandemie zu kommen. Ein weiterer Lockdown als Lösung wäre dabei der falsche Weg: „Ich verstehe auch die Leute, die sich nicht impfen lassen wollen, wenn sowieso wieder alles dicht gemacht wird“, sagt Marcel Engelstädter. Auch für Geimpfte wäre es nicht verständlich, wenn sie unter einem weiteren Lockdown leiden müssten. Fest stehe zudem: „Noch einen Lockdown würden wir nicht überleben.“

Erst vor Kurzem hat Christian Breddermann sein Kulturcafé in Schalksmühle eröffnet. Im Gegensatz zu den meisten anderen Gastronomen befürwortet er rigorosere Schritte im Kampf gegen die Pandemie. Neben dem Einlass von Geimpften und Genesenen wäre für ihn noch die Vorlage eines PCR-Tests eine Option. Schnelltests seien zu unsicher. Durch das Angebot, sich jederzeit impfen zu lassen, würden sich jedoch bessere Möglichkeiten anbieten.

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