Theaterwerkstatt führt "Schachnovelle" auf

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Uwe Baumann als US-Multi Mr. McConnor (Zweiter von links) und Michael Lynker als Schachweltmeister Czentovic (Zweiter von rechts) liefern sich im Salon des Passagierdampfers ein Schachduell.

Schalksmühle - Für die Theaterwerkstatt Schalksmühle (TWS), die im November Helmut Peschinas „Schachnovelle“ nach der gleichnamigen Erzählung von Stefan Zweig zur Aufführung bringt, hat die heiße Phase der Probenarbeit begonnen.

Zweimal pro Woche trifft sich das Ensemble derzeit in der Grundschule Spormecke, um an dem Kammerspiel zu feilen. Die Drehbühne für rasche Schauplatzwechsel ist so gut wie fertig. Lediglich Anstrich- und Tapezierarbeiten, die Ende des Monats in Angriff genommen werden sollen, stehen noch aus. „Wir sind gut in der Zeit“, berichtet Regisseur Reinhard Meyer, der mit der „Schachnovelle“ ein brandaktuelles Stück zur Aufführung bringt. 

„Das Stück ist aktueller denn je“, lautet sein Kommentar. Dennoch belässt er die „Schachnovelle“, die Zweig während des Zweiten Weltkriegs im brasilianischen Exil verfasste, in ihrer Zeit. Die Abgründe, die sich im Verlauf der Ereignisse an Bord eines Passagierdampfers von New York nach Buenos Aires auftun, sprechen für sich. 

Beklemmend sind die Rückblenden, die den österreichischen Emigranten Dr. Bertram, der an Bord des Schiffes eine Schachpartie gegen den amtierenden Schachweltmeister Czentovic (Michael Lynker) gewinnt, in Isolationshaft und Händen der Gestapo zeigen. 

Begegnung mit der eigenen Vergangenheit 

Sven Schneider schlüpft in die Rolle des Gepeinigten, der in der Haft – zermürbenden Verhören ausgesetzt – durch die Beschäftigung mit einem Schachbuch geistig überlebt. Sich in die Zeit, in die Lage des Gefolterten hineinzuversetzen, war für ihn gleichsam eine Begegnung mit der eigenen Familienvergangenheit und intensiver Beschäftigung mit der NS-Zeit. Zwei Familienangehörige waren als politische Gefangene im frühen Konzentrationslager Kemna zwischen Beyenburg und Oberbarmen, das der SA unterstand, inhaftiert. Einer von ihnen wurde zu Tode gefoltert. „Es gibt diese Geschichten in der eigenen Familie.“ 

In scharfem Kontrast stehen diesen bedrückenden, schwer erträglichen Szenen die zwanglosen Episoden an Bord des Dampfers, wo Reisende ihr Vergnügen haben wollen, gegenüber. Von „prickelndem Nervenkitzel und Leichtigkeit“ ist die Rede. „Es ist eine Welt für sich“, konstatiert das Ensemble. 

Viele feine Facetten, das Lockere und Ungezwungene, sollen im Stück durch Musik zum Vorschein kommen. „Es geht auch darum: Wie ist die Gesellschaft außerhalb Deutschlands mit der NS-Zeit umgegangen?“ Es geht also m die Was-kümmert-mich-das-Haltung. 

Erstmalig fünf Aufführungstermine 

Erste Eindrücke vom Stück vermittelt der Trailer, der auf der Internetseite der Theaterwerkstatt (www.tws-schalksmuehle.de) und Facebook einzusehen ist. Premiere der neuen TWS-Produktion ist am 4. November (18 Uhr) in der Grundschule Spormecke. Darüber hinaus ist das Stück am 5., 17., 18. und 19. November zu sehen. Beginn ist jeweils um 18 Uhr. Erstmalig besteht fünfmal Gelegenheit, ein TWS-Stück zu sehen.

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