Fritz Ritzhaupt ist neuer Pastor der FeG

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Fred Ritzhaupt ist seit ein paar Wochen der neue Pastor der FeG Schalksmühle. Der gebürtige Tiroler gehörte viele Jahre dem Jesuitenorden an, bevor er sich Anfang der 90er-Jahre in seine heutige Ehefrau Eri verliebte und austrat.

Schalksmühle - Buchautor, Bergsteiger, Vater, Priester im Jesuitenorden, jetzt Pastor der Freien evangelischen Gemeinde Schalksmühle. Auf Fred Ritzhaupt treffen viele Bezeichnungen zu.

Der spirituellste Lebensabschnitt war sicher seine Zeit als katholischer Priester, sein glücklichster als Vater von vier Kindern. Doch während seines Abiturs hätte das Leben von Fred Ritzhaupt eine andere Wendung nehmen können.

Denn schon als junger Mann war der gebürtige Tiroler ein begeisterter Bergsteiger. Und das so leidenschaftlich, dass er nach dem Ende der Schulzeit sogar eine Ausbildung zum Bergführer absolvieren wollte. „Doch dann kam die 180-Grad-Wende“, erzählt der heute 70-Jährige. Im Gespräch mit einem Schulkameraden, mit dem er stets gern Glaubensfragen diskutierte, erzählte Ritzhaupt von seinem Berufswunsch.

Der Freund war überrascht und erwiderte: „Ich denke, du wirst Priester?!“ Diese Antwort schockte den jungen Ritzhaupt erst einmal. Doch nachdem er ein Wochenende lang darüber nachdachte, kam ihm der Gedanke: „Was wäre, wenn du’s tätest?“ Schließlich stand die Entscheidung fest und Ritzhaupt besuchte ein katholisches Priesterseminar.

„Das war sehr klassisch. Alle liefen in schwarzen Gewändern herum und alles war auf Latein.“ Doch nach zwei Jahren merkte Ritzhaupt, dass das nicht sein Weg sein sollte. „Ich brauchte die Gemeinschaft“, sagt er heute. Ritzhaupt wechselte zum Jesuitenorden. Dort reizten ihn die Offenheit und die starke Jugendarbeit. „Das war die beste Entscheidung meines Lebens.“

Leben als Priester reicht nicht zur Erfüllung

Ab 1979 arbeitete Ritzhaupt als Schulseelsorger in Ravensburg. Dort ereignete sich eine für ihn besondere Geschichte: Ein paar der Jugendlichen, die er betreute, wollten einen eigenständigen Gebetskreis gründen. „Anfangs waren es nur ein paar Leute, die dafür beteten, dass Jugendliche zum Glauben finden. Und schließlich kamen jeden Mittwoch zwei neue Mitglieder hinzu, die blieben“, erzählt Ritzhaupt.

Heute ist der Gebetskreis eine katholische Laiengemeinschaft mit kirchlicher Anerkennung und rund 340 Mitgliedern. Über die Jahre als Priester merkte Ritzhaupt, dass ihn sein Leben nicht komplett ausfüllte. „Und ich hatte Sehnsucht nach Kindern. Meine Geschwister bekamen welche und ich stellte fest, dass mir das fehlte.“ Schließlich war die Liebe das Zünglein an der Waage: Ritzhaupt lernte seine heutige Ehefrau Eri kennen. Als katholischer Priester kein guter Umstand.

„Eigentlich hätte ich wegen meines Status im Orden nicht austreten können. Dafür musste ich sozusagen ein Verbrechen begehen. Einen Mord zu begehen gefiel mir nicht, denn das wäre schlecht für das Opfer ausgegangen. Also heiratete ich“, sagt Ritzhaupt und schmunzelt. 1992 trat er damit aus dem Jesuitenorden aus, 1994 kam der erste von drei Söhnen zur Welt. Später kam noch das „Sahnehäubchen“ hinzu, wie Ritzhaupt sagt, nämlich Tochter Sandra.

Anfang der 90er-Jahre begann also ein völlig neuer Lebensabschnitt für Ritzhaupt. Auch in Glaubensfragen. Denn in Niederhöchststadt fand er als Pastor der dortigen Evangelisch-lutherischen Gemeinde eine neue Berufung. „Das ist dort eine sehr innovative Gemeinde, die nicht für die Gläubigen selbst da sein will, sondern die erreichen möchte, die nicht in der Gemeinde sind. Diesen Gedanken finde ich gut.“ Nach drei Jahren wechselte er zu einer Gemeinde in der Nähe von Göppingen, wo er bis Ende 2011 als Pastor tätig war.

1000 Arbeitsstunden in Buch investiert

Im Laufe der Zeit veröffentlichte Ritzhaupt mehrere Bücher. Darunter das Buch „Willkommen daheim“, eine Übertragung des Neuen Testaments. Bekannt ist auch sein Buch „Die Geschichte“, welches von der Schöpfung der Welt bis zur Offenbarung erzählt. „Es geht quer durch die Bibel – für Leute, die einen Überblick bekommen wollen.“ Mit Schalksmühle beginnt nun ein weiteres Kapitel.

An Ruhestand ist trotz seiner 70 Jahre noch nicht zu denken. „Meine Frau studiert noch auf Lehramt, daher sorge ich noch für die Familie.“ Sein Ziel für die Gemeinde ist es, dass jeder so viel Freude an Gott hat, dass es auch Menschen von außen mitbekommen und Fragen dazu stellen. Auch seine Liebe zum Klettern kommt nicht zu kurz: Gemeinsam mit Mitgliedern der FeG war er bereits zu Touren unterwegs.

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