Friedhof Dahlerbrück: Zukunft ungewiss

+
Immer mehr Reihengräber bleiben unbelegt.

Schalksmühle - Sollte die Zahl der Begräbnisse pro Jahr dauerhaft unter fünf fallen, ist der Friedhof Dahlerbrück nicht mehr tragbar. Diese traurige Rechnung stellte Pfarrer Dirk Pollmann im Rahmen einer Informationsveranstaltung im evangelischen Gemeindehaus der Christuskirche Dahlerbrück vor.

Das Thema war schon während der jährlichen Gemeindeversammlung in der Erlöserkirche im Juli kurz zur Sprache gekommen (wir berichteten). Anlässlich des Tags des Friedhofs hatte die Gemeinde am Sonntag nach dem Gottesdienst zu einem detaillierten Austausch über die Begräbnisstätte eingeladen.

Der Friedhof sei ursprünglich nur für Grabstätten mit Sargbestattung angelegt worden, erläuterte Pfarrer Pollmann den Zuhörern. Inzwischen werde er für verschiedene Arten der Bestattung genutzt. Immer mehr löse die Urnenbeisetzung die bekannte letzte Ruhestätte im Sarg ab. Die Urne könne entweder in einem Urnengrab beigesetzt werden oder im Einzelfall auch in der Stele. Bei diesem sogenannten Kolumbarium handelt es sich um ein oberirdisches Bauwerk, in dem mehrere Urnen Platz finden können. Weiterhin bestehe die Möglichkeit einer Wahlgrabbestattung unter Bäumen im hintersten Teil des Friedhofs, sagte Pollmann.

Reihengräber würden dagegen immer häufiger vorzeitig zurückgeben. In den einzelnen Reihen gebe es mehr und mehr freie Grabstätten, die mit Rasen bepflanzt sind. Diese zu pflegen, sei schwierig. Der Friedhof ist inzwischen mehr im Mittelteil belegt. Künftig sollten verstärkt die vorderen leeren Reihen genutzt werden, kündigte Pollmann an. Das sei jedoch ebenfalls schwierig, da im Durchschnitt nur eine Grabstätte pro Jahr neu vergeben werde. Weiterhin ist geplant, einzelne Felder nach und nach still zu legen.

Die meisten Grabstellen für Särge werden per Erbbestattung weitergegeben, das heißt Familien kaufen das Grab nach Ablauf wieder an. Dass Grabstellen ganz neu angekauft würden, sei selten, sagte der Pfarrer.

Um den Gästen die Problematik deutlich zu machen, stellte Pollmann einige Zahlen grafisch dar: 742 Grabstellen stehen insgesamt in Dahlerbrück zur Verfügung, 512 davon sind belegt (68 Prozent). 78 Gräber werden durch die Kirchengemeinschaft mit Rasenschnitt gepflegt. Für 22 Gräber besteht ein Legat (Pflege durch Friedhofsgärtner). 230 Grabstätten sind frei (31 Prozent).

Dies bedeute: 30 Prozent fehlende Einnahmen für Flächen, die andererseits Kosten für Pflege verursachen. Und die Nutzung des Friedhofes sei seit Jahren rückläufig, berichtete Pollmann. Grund dafür sei die sinkende Einwohnerzahl. Sieben Bestattungen habe es im laufenden Jahr bisher gegeben. Nötig für eine effiziente Kostendeckung sind mindestens 15 Beisetzungen.

In den Jahren 2011 und 2012 gab es bereits mehr Urnen- als Erdbestattungen. Das trage zur Verschärfung des Problems durch die wesentlich geringeren Gebühren für die kleineren Grabstätten bei, führte Pollmann an.

Sollte sich der Friedhof irgendwann nicht mehr tragen können, wird er geschlossen. Für diejenigen, die dort für ihre Angehörigen eine Grabstätte gekauft haben, ändere sich dadurch aber nichts, betonte der Pfarrer im Gespräch mit unserer Zeitung: „Es wird niemand umgebettet, keiner verliert seine Grabstätte.“ Es sei gesetzlich geregelt, dass Friedhöfe auch nach einer Schließung noch mindestens 40 Jahre aufrecht erhalten werden müssen.

Für die Besucher der Info-Veranstaltung boten diese Fakten viel Diskussionsstoff. So sprachen sie über Details zum Thema Urnenbestattung, wie die Handhabung der unverrottbaren Metallgefäße. Durch eine geänderte Legierung werden sie inzwischen auch so hergestellt, dass sie zerfallen. Weiterhin war den meisten Zuhörern nicht bekannt, dass die Wahl des Ortes für die Bestattung frei wählbar ist: Das Grab beziehungsweise der ausgewählte Friedhof müssen nicht im Wohnort liegen.

Wer sich für das Thema interessiert, kann sich an Pfarrer Dirk Pollmann wenden. Er steht unter der Rufnummer 0 23 55 / 40 04 25 zur Verfügung. - Rita Jonuleit

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare