655 Euro für einen leeren Pappkarton

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Schalksmühle - Ende November musste sich ein arbeitsloser Schmied wegen Betruges vor dem Strafrichter verantworten. Doch es fehlte ein wichtiger Zeuge, und die Beweismittel waren noch nicht komplett.

Am Dienstag fing der Prozess von vorne an – und endete mit einem Freispruch. Der 26-Jährige hatte die Verpackung eines Mobiltelefons IPhone 7 zur Internetauktion bei Ebay angeboten. 

Ein gleichaltriger Straßenbauer aus Gelsenkirchen dachte, es handele sich um ein Smartphone, steigerte eifrig mit und erhielt bei 655 Euro den Zuschlag – für einen leeren Karton. Da zeigte er den Schalksmühler an. Der blieb bei seiner Version. 

Im Herbst hatte Strafverteidiger Heiko Kölz gesagt, sein Mandant habe die Ware auf der Ebay-Seite „ausdrücklich als ‘only/nur Verpackung!!!!’ deklariert“. Dass der 26-Jährige die 655 Euro eingestrichen hat, sei nicht verboten. „Natürlich war er nicht traurig, das Geschäft war ja gut.“ 

Der Gelsenkirchener kann sich nicht mehr genau daran erinnern, was der Verkäufer in die Angebotsbeschreibung geschrieben hatte. Aber dass da „OVP“ stand, weiß er noch. Er stieg erst in die Auktion ein, als der Preis von einem „auf ein paar hundert Euro“ geklettert war. 

Zu Strafrichter Andreas Lyra sagt er: „OVP heißt doch ‘Original verpackt’.“ Doch er räumt auch ein: „Abgebildet war auf Ebay nur die Verpackung.“ 

Die Staatsanwältin meint, der Angeklagte hätte den Irrtum seines Kunden frühzeitig aufklären müssen. Es bleibe ein „übler Beigeschmack“. Doch einen Betrugsvorsatz könne sie nicht nachweisen. Rechtsanwalt Kölz hat es leicht in seinem Plädoyer. 

Die moralische Bewertung „bleibt hier außen vor“. Sein Mandant habe eine Verpackung angeboten, „und genau die ist verschickt worden“. Richter Lyra begründet seinen Freispruch entsprechend. „Ein Geschmäckle bleibt trotzdem.“ Der 26-Jährige sei nicht verpflichtet gewesen, auf den Irrtum hinzuweisen. „Jeder ist seines Glückes Schmied. Wenn die Leute nicht richtig lesen, dann sind sie selbst schuld.“

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