Verhandlung vor dem Amtsgericht

Der große Unbekannte: Sagt die 38-Jährige die Wahrheit?

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Schalksmühle/Lüdenscheid - Um mehr als 1200 Euro soll eine 38-jährige Schalksmühlerin mehrere Besteller betrogen haben, die vergeblich auf die Lieferung einer Spielkonsole gehofft hatten. Doch es kommt der große Unbekannte ins Spiel. 

Im Amtsgericht Lüdenscheid wies die Angeklagte die Vorwürfe jedoch entschieden zurück und brachte einen prominenten Alternativtäter ins Spiel, der wesentlich bekannter ist, als sein Name verrät: der große Unbekannte. 

Dass Zahlungen der Betrogenen zwischen 150 und 250 Euro auf das Konto der Angeklagten eingegangen waren, war kaum zu bestreiten. Angeblich hatte sie ihre Kontodaten aber einem Kirmesbegleiter aus den Niederlanden zur Verfügung gestellt, der nach einem Gastspiel in Halver längst wieder abgereist sei. „Er hat mich gefragt, ob er eine Zeitlang bei mir unterkommen kann“, erklärte die Angeklagte. 

Weil er angeblich noch Geld von seinen Arbeitgebern erwartete und kein Konto hatte, habe er um die Bankverbindung seiner Gastgeberin gebeten. „Ich habe geglaubt, dass das so ist, wie er gesagt hat.“ Stattdessen habe er aber ganz anderen Unfug getrieben. Um die Spielkonsolen überhaupt anbieten zu können, hätte der temporäre Untermieter auch die Ebay-Zugangsdaten der Angeklagten haben müssen. Das sei auch so gewesen, versicherte sie. 

Unstimmigkeiten bei ihren Angaben

Gewisse Unstimmigkeiten gab es bei ihren Angaben zum Abholzeitpunkt des Geldes. Zunächst wollte sie es kurz nach Eingang abgehoben und dem Unbekannten jeweils übergeben haben. Das ließ sich anhand der dem Gericht vorliegenden Kontobewegungen nicht so ohne Weiteres nachvollziehen. 

Richter Andreas Lyra wunderte sich auch, dass die 38-Jährige diese Geschichte in der ersten Vernehmung verschwiegen hatte: „Warum haben Sie das nicht der Polizei gesagt?“ „Das wollte ich ja immer. Ich bin nicht dazu gekommen“, beteuerte die Angeklagte und ergänzte einige persönliche Schicksalsschläge von erheblichem Gewicht. 

Dafür, dass sie vor einer Woche tatsächlich Strafanzeige gegen ihren niederländischen Untermieter gestellt hatte, gibt es zwei mögliche Erklärungen: Entweder es gibt ihn tatsächlich, oder sie wollte ihrer Geschichte eine gewisse Plausibilität verleihen Richter Andreas Lyra wollte nicht ohne den genauen Wortlaut dieser Strafanzeige verhandeln, und es gab noch weitere Gründe, die Verhandlung zu vertagen: Drei der acht geladenen Zeugen waren nicht erschienen. 

Ohne sie ging nichts, weil die Angeklagte auch diverse Fahrten ohne Fahrerlaubnis bestritt. Auch diesbezüglich hatte sie eine Fülle von Auskünften, wer zu den fraglichen Zeitpunkten am Steuer ihres Autos gesessen haben könnte.

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