Künstliche Hüften ein Fall fürs Gericht

Schalksmühle - Einen langen Leidensweg hat eine 64-jährige Schalksmühlerin hinter sich: Die Patientin hat nach mehreren Operationen mittlerweile das fünfte künstliche Hüftgelenk.

„Ich musste die Implantate aufgrund der Blutwerte rausmachen lassen“, sagte sie im Landgericht Hagen, wo vor der 2. Zivilkammer über ihre Klage gegen den französischen Hersteller und dessen deutsche Vertriebsgesellschaft verhandelt wird.

Drei fehlerhafte Hüftgelenke seien seiner Mandantin eingesetzt worden, trug ihr Anwalt vor und schlug einen Vergleich in Höhe von 75 000 Euro Schmerzensgeld vor. 25 000 Euro sollen noch hinzukommen, weil die Gefahr groß sei, dass seine Mandantin nach fünf Operationen irgendwann im Rollstuhl lande. Von dem Geld sollen zukünftige Kosten beglichen werden.

2007, 2009 und 2010 wurden der Patientin in einem Hagener Krankenhaus die ersten drei künstlichen Hüften eingesetzt. Der Vorsitzende Richter Rathsack schilderte den Grund für die Klage: Demnach sollen die Implantate durch einen „übermäßigen Abrieb“ Chrom und Kobalt ins Blut abgegeben haben, was nach Darlegung der Klägerin eine schwere Blutvergiftung zur Folge hatte.

Implantate immer wieder erneuert

Anschließend seien die Implantate immer wieder erneuert worden. Erbost zeigte sie sich vor allem darüber, dass die Herstellerfirma zum Zeitpunkt ihrer dritten Operation im Juni 2010 bereits von Problemen mit den Hüftgelenken gewusst habe. „Mehrere Tausend Prothesen weltweit machen Probleme“, sagte ihr Anwalt.

Die Klage richtete sich zunächst gegen das Unternehmen Johnson & Johnson Medical GmbH und wurde auf dessen Tochter, den französischen Hersteller der Implantate, DePuy, ausgedehnt. Von diesem Unternehmen habe er noch kein Mandat, weil diese Klageerweiterung erst kürzlich vollzogen wurde, trug der Anwalt der Gegenseite vor. Er könne deshalb nichts zu einem möglichen Vergleich sagen. In der Sache bestritt er den Zusammenhang zwischen der Einsetzung von künstlichen Hüften und einer Blutvergiftung: „Die Sepsis hat eine andere Ursache“, behauptete er im Landgericht.

„In Kalifornien gibt es acht Millionen“

Das Gericht zeigte aufgrund der Aktenlage Verständnis für die Forderung der Schalksmühlerin: „In Kalifornien gibt es acht Millionen für so einen Fall. Hier sprechen wir von 75 000“, sagte Richter Rathsack.

Sollten die Versuche zu einer gütlichen Einigung scheitern, müsste zunächst durch aufwendige Gutachten geklärt werden, was die Ursache der Leiden der 64-Jährigen war und welche Rolle die künstlichen Hüftgelenke dabei gespielt haben.

Doch bevor teure Experten das Wort im Gerichtssaal bekommen, haben die Parteien vier Wochen Zeit, über eine gütliche Einigung nachzudenken. Die Klägerin, die mittlerweile Frührentnerin ist, hofft auf die Schmerzensgeldzahlung und damit ein schnelles Prozessende: „Ich kann nicht mehr richtig laufen, ich kann nicht mehr richtig wandern, ich kann nicht mehr in den Garten, um die Blumen zu gießen.“

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