Mögliches Ende der Fichtenwälder

„Dem Wald geht es schlecht“ - Förster kämpft mit Trockenheit und Käfern

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Der Frischbefall 2020 wird derzeit geerntet. Die durch Trockenheit und Borkenkäferbefall bereits abgestorbenen Fichten bleiben erst einmal stehen, weil der Markt das Holz nicht mehr nimmt.

Schalksmühle - „Die Trockenheit im April war tödlich für uns.“ Im dritten Jahr in Folge beschäftigen Hubertus Bierkoch, Leiter des Forstbetriebsbezirks Schalksmühle, Trockenheit, Borkenkäfer und Fichtensterben.

„Dem Wald geht es schlecht“, bringt der Mitarbeiter des Landesbetriebs Wald und Holz NRW auf den Punkt, was ihn bewegt. „Wer den Klimawandel leugnet, nimmt nicht teil am Geschehen.“ Mittelfristig, fürchtet er, „müssen wir uns wahrscheinlich von der Fichte verabschieden“. Quarantäne gebe es für Bäume nicht. „Die Fichte ist eine sehr unkomplizierte Baumart. Was sie jedoch braucht, ist Wasser.“ 

Ursächlich macht Bierkoch die Trockenheit für das Fichtensterben verantwortlich. „Die Trockenheit ist der Primärschaden“, erläutert er. Der Befall mit dem Borkenkäfer sei der Folgeschaden, der daraus resultiere. Flächendeckend sei der Wald im Gemeindegebiet davon betroffen. „Das ist ein Worst-Case-Ereignis.“ 

Nahe des Wanderparkplatzes Mesekendahl und ein Stück weiter Richtung Sonnenscheid stapeln sich die Bäume, die in Kürze die Reise nach Übersee antreten.

Was bleibe, sei, „das (befallene) Holz zeitnah zu ernten und zu verwerten, damit es in irgendeiner Form zur Speicherung des im Holz enthaltenen Kohlenstoffs kommt“. Bekanntlich gehört CO2, wenn es in die Atmosphäre gelangt, zu den größten Klima-Killern und steigert den Treibhauseffekt. Im Holz und den daraus gearbeiteten Produkten bleibt der Kohlenstoff indes gebunden. 

Seit zweieinhalb Jahren: Kampf gegen Borkenkäfer

Seit nunmehr zweieinhalb Jahren sei die Bekämpfung des Borkenkäfers seine Hauptbeschäftigung, konstatiert der Förster. Derzeit werde – wie im Bereich Krummenscheid – der Frischbefall 2020 geerntet. „Derzeit wird das grüne Holz geerntet. Das braune Holz übernimmt der Markt nicht mehr.“ Heißt: Die braunen, abgestorbenen Fichten bleiben erst einmal stehen, weil der Markt – auch in Übersee – das Holz nicht nimmt. „Wir versuchen derzeit, den Frischbefall in den Griff zu kriegen.“ 

Manche Bäume sind derart befallen, dass der gefährliche Schädling bereits mit dem bloßen Auge zu erkennen ist.

Bohrmehlhaufen, Bohrlöcher und Harztropfen zeigen dem Förster an, welcher Baum vom Käfer befallen ist. In manchen Bäumen haben sich die gefährlichen Schädlinge bereits derart ausgebreitet, dass sie mit bloßem Auge zu erkennen sind. „Ein Pärchen hat 100 Nachkommen“, rechnet Hubertus Bierkoch vor. Dreimal im Jahr wiederhole sich das Brutgeschehen. „Im heißen Sommer 2018 hatten wir sogar die vierte Brut.“

Kaum öffentlicher Wald in Schalksmühle

Bis 2024/25, befürchtet der Förster, werde sich der Kampf gegen den Borkenkäfer noch hinziehen. Kostendeckend ernten können die heimischen Waldbauern („Es gibt in Schalksmühle kaum öffentlichen Wald“) das Holz befallener Bäume laut Bierkoch schon längst nicht mehr. Von früher rund 95 Euro pro Festmeter sei der Preis von Fichtenholz auf 32 Euro pro Festmeter gefallen. Da die heimischen Sägewerke das Überangebot an Holz nicht auffangen könnten, gehe das meiste in den Export. Länder mit hohem Rohstoffbedarf wie China, Korea, Pakistan oder Indien gehören zu den Abnehmern. „Wir sind froh, dass das Holz noch Verwendung findet.“ 

Ein genauer Blick: Hubertus Bierkoch, Leiter des Forstbetriebsbezirkes, und Revierassistentin Melanie Fischer nehmen die Baumstämme unter die Lupe.

Nahe des Wanderparkplatzes Mesekendahl und ein Stück weiter Richtung Sonnenscheid stapeln sich derzeit die 11,80 Meter langen, markierten Stämme, die in Schiffscontainern die Reise nach Übersee antreten. „Am Ende des Jahres wird es hier ganz anders aussehen.“ Was Hubertus Bierkoch besonders bedrückt: Durch die Trockenheit ist ein Großteil der im April neu gepflanzten Bäume schon wieder eingegangen. Dass künftig Fichtenwälder das Bild der heimischen Wälder prägen werden, glaubt er nicht.

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