Jungkulturen, Sturmschäden und Borkenkäfer

Förster erklärt: Darauf sollten Waldbesitzer achten

+
Förster Hubertus Bierkoch steht in einem kleinen Waldstück. Dort zeigt er, wie die Pflege der Jungkulturen aussehen sollte.

Schalksmühle - Während der vergangenen Jahre ist in den heimischen Wäldern viel passiert. Mit Kyrill und Friederike trafen gleich zwei Orkane den Forst. Und jetzt wird dieser auch noch durch den Borkenkäfer bedroht. Für Waldbesitzer gibt es einiges zu beachten.

Er entspricht wohl dem Bild, das viele von einem Förster haben. Funktionskleidung, pragmatischer Blick und das alles in Kombination mit einem großen Suzuki-Geländewagen inklusive Erdresten an der Karosserie. 

Hubertus Bierkoch ist Mitarbeiter beim Landesbetrieb Wald und Holz und Leiter des Forstbetriebsbezirkes Schalksmühle. Er berät Waldbesitzer und hilft beim Management der Flächen. Es gilt, auf bestimmte Ereignisse und Entwicklungen zu reagieren. Während einer Fahrt durch Teile der Gemeinde erklärt Bierkoch, worauf man achten sollte. 

1. Der Sturm Friederike 

Vor einigen Monaten traf das Sturmtief Friederike viele Teile Deutschlands. Die Gemeinde Schalksmühle blieb zwar weitestgehend von Schäden verschont – lediglich 2200 Festmeter fielen –, dafür wurden andere Gebiete umso härter getroffen. 

Dazu gehörten unter anderem Ostwestfalen und Teile Niedersachsens. Dort stürzten zahlreiche Bäume um, die Aufräumarbeiten dauern weiterhin an. 

Die Folgen für die holzverarbeitende Industrie sind auch im Kreis spürbar: Enorme Mengen Holz werden seit dem Sturm vielerorts angeliefert. Dabei handelt es sich vor allem um stark dimensionierte Hölzer, darunter Bauhölzer. 

Bierkoch rät: „Bis zum Ende des Jahres möglichst kein Starkholz mehr auf den Markt bringen.“ Denn aufgrund des großen Angebots sei der Preis sehr niedrig. Sägewerke seien außerdem oft überfordert mit den enormen Mengen. 

2. Pflege der Kulturen 

Besonders die Flächen, die vor Jahren durch Kyrill verwüstet wurden, werden seitdem kontinuierlich aufgeforstet. Damit ein Wald wirtschaftliche Erträge bringt, bedarf es der richtigen Pflege dieser Jungkulturen. 

In einem Waldstück kurz hinter der Gemeindegrenze zeigt Bierkoch, was er meint: Überall stehen kleine Birken, dazwischen vereinzelt Lärchen. Noch sind sie meist klein, ihr Stamm sehr dünn. Damit sie wachsen können, müssen in gewissen Abständen die Birken gelichtet werden. „Das Jungwachstum geht bei Lärchen erheblich schneller.“ Erst wenn diese knapp 30 Jahre alt sind, hole die Fichte auf. Lärche und Fichte – zwei starkdimensionierte Baumarten, die später einen guten Ertrag am Markt bringen. 

Es gelte über die Jahre die Population durch Eingriffe auszudünnen. Nur so könnten die verbleibenden Bäume richtig wachsen. Für unerfahrene Waldbesitzer keine einfache Aufgabe, weiß Bierkoch. Immer wieder spreche er diese an, wenn ihm etwas in den Wäldern auffällt. Aber natürlich erreiche er so nicht jeden. Er ist auch auf die Initiative der Eigentümer angewiesen. 

3. Der Borkenkäfer 

Mit großen Schritten stapft der Förster über Sträucher, geht zwischen riesigen Fichten hindurch und stoppt vor einem umgekippten Baum. Mit dem Finger geht er die Rinde entlang – „da sieht man es gut“ – und zeigt auf einen kleinen braunen Fleck: ein Loch. 

Die Borkenkäfer-Population in den heimischen Wäldern hat sich deutlich vergrößert – kleine braune „Flecken“ zeigen die Löcher, an denen sich die Insekten in die Rinde gebohrt haben.

Dieses ist das Werk des Borkenkäfers. Genauer gesagt das Werk des rindenbrütenden Borkenkäfers. Bierkoch unterscheidet vor allem zwischen diesem und dem stammbrütenden Exemplar. Letzterer ist noch einmal deutlich schädlicher. Er entwertet das Holz. Und momentan sei die Situation besonders schlimm. 

„Die Population bewegt sich in einer Sinus-Kurve“, erklärt Bierkoch. Und zurzeit sei die Anzahl der Käfer besonders hoch. Waldeigentümer sollten aufmerksam ihren Besitz kontrollieren, um frühzeitig auf den eventuellen Befall durch die gefährlichen Käfer zu reagieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.