Flüchtlinge in Schalksmühle sind auf Fahrräder angewiesen

Flüchtlinge brauchen dringend Fahrräder - Busse fahren zu selten

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Fahrräder in allen Größen bringen die beiden Männer auf Vordermann. Der Grund: Flüchtlinge sind auf die Drahtesel angewiesen.

Schalksmühle - „Die Fahrräder sind gebraucht und gehen dadurch auch schneller kaputt.“ Nach wie vor ist das Netzwerk Flüchtlingshilfe Schalksmühle auf Spenden angewiesen, um Flüchtlinge mit Fahrrädern zu versorgen. Mit den Reparaturen kommt man da nicht immer sofort hinterher.

Gerade in den Sommermonaten ist die Nachfrage nach Rädern groß. Nicht nur Männer, auch immer mehr Frauen fragen bei der Flüchtlingshilfe nach einem Fahrrad nach. „Die Busse fahren nicht so oft“, erklärt Irmtraud Quenzel, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagiert. 

Vor allem für die Menschen, die in der Flüchtlingsunterkunft In der Lieth in Dahlerbrück untergebracht sind, ist der Weg ins Zentrum weit. Beim Einkaufen und bei der Tafel-Ausgabe leistet ein Fahrrad mit Gepäckträger, um Einkäufe zu befördern, wertvolle Dienste. 

Fahrradwege wären wünschenswert

Für eine sichere Fahrt würde sich die Flüchtlingshilfe allerdings ausgebaute Fahrradwege wünschen. Lediglich verkehrstechnisch sichere Fahrräder gibt die Flüchtlingsinitiative an die von ihr betreuten Menschen aus. Auf die vorgeschriebene Ausrüstung, was die Beleuchtung, die Klingel und die Bremsen angeht, legt das Netzwerk großen Wert. Für die Verkehrssicherheit der gespendeten Räder sorgen die Flüchtlinge selbst. 

Amir Inanloo, der seit rund einem Jahr Ansprechpartner für alle „Fahrradwehwehchen“ ist, hat schon als Kind im Iran gern an seinem eigenen Fahrrad herumgeschraubt.

In der kleinen Fahrradwerkstatt, die die Flüchtlingsinitiative in ihrem Lager in der Klagebach eingerichtet hat, sind Amir Inanloo und Pezham Mombyni ein- bis zweimal in der Woche damit beschäftigt, gebrauchte Räder auf Vordermann zu bringen, kleine Schrammen auszubügeln und defekte Teile auszutauschen. Wie er erzählt, hat Amir Inanloo schon als Kind gerne an seinem eigenen Fahrrad herumgeschraubt und sich alles, was er wissen muss, selbst beigebracht. Für Technik und handwerkliche Arbeiten zeigt der gebürtige Iraner große Affinität. „Amir ist technisch sehr begabt“, lobt Quenzel. 

Pezham Mombyni, der gleichfalls aus dem Iran stammt, unterstützt Amir Inanloo bei Fahrradreparaturen im Lager der Flüchtlingsinitiative in der Klagebach nach Kräften.

Seit rund einem Jahr ist der Iraner Ansprechpartner für jedes „Fahrradwehwehchen“. Pezham Mombyni, der gleichfalls aus dem Iran stammt, unterstützt ihn nach Kräften. Soweit es möglich ist, werden die gebrauchten Räder repariert und – sobald sie verkehrssicher sind – nach sorgsamer Abwägung in Umlauf gebracht. Ist ein Rad nicht mehr zu reparieren, wird es als Ersatzteillager genutzt. „Alte Teile, die kaputt sind, kann man oft nicht mehr nachkaufen“, erläutert Irmtraud Quenzel. Ersatz von „ausgeschlachteten“ Rädern kommt in Fällen, wo keine Ersatzteile mehr erhältlich sind, gerade recht. Notwendiges Werkzeug, um die Fahrräder reparieren zu können, hat die Flüchtlingshilfe angeschafft. 

30 bis 40 Räder bisher repariert

30 bis 40 Räder hat das Netzwerk auf diese Weise bereits in Umlauf gebracht und vielen Flüchtlingen damit zu Beweglichkeit und Unabhängigkeit verholfen. Wegen der großen Nachfrage sind den Helfern gebrauchte Fahrräder in jeglicher Größe willkommen. Laufräder für die Kleinen sind ebenso gerne gesehen wie Roller, Kinderräder und Fahrräder für Erwachsene. „Wir haben momentan viele kleine Kinder“, erzählt Quenzel. Auch Helme, die nicht mehr benötigt werden, finden gute Verwendung. 

Wer ein Fahrrad übrig hat, kann sich bei der Flüchtlingshilfe melden – entweder bei Mike Dulas (Tel. 0 23 55 / 84-205) oder bei Irmtraud Quenzel. Abgegeben werden können die Räder im Westfälischen Hof, der mittwochs von 15 bis 18 Uhr und freitags von 16 bis 20 Uhr geöffnet ist.

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