Letale Vergrämung des Kormorans ab September?

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Der Kormoran frisst am Tag mindestens 500 Gramm Fisch – darunter leidet der Bestand in der Volme extrem.

Schalksmühle - Wenn am 15. September die Schonzeit für den Kormoran endet, soll mit der letalen Vergrämung des „Fischräubers entlang des Gewässers begonnen werden.

Die Vögel haben in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass der Äschenbestand in der Volme praktisch auf Null und die Anzahl der Bachforellen dramatisch gesunken ist

Siegfried Darschnik, Naturschutz- und Gewässerbeauftragter des Angelsportvereins (ASV) „Saubere Volme“ und Diplom-Biologe, ist sehr zuversichtlich bis dahin grünes Licht von allen zuständigen Stellen erhalten zu haben.

Aktuell liegt der Antrag bei der unteren Landschaftsbehörde des Märkischen Kreises auf Eis, weil zum einen die Schonzeit bereits seit Anfang März läuft und zum anderen die Verantwortlichen noch auf eine Rückmeldung des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) warten. Dieses weist die Volme auf Grundlage veralteter Daten aus dem Jahr 1996 immer noch als gutes Äschengewässer aus.

Eine Elektrobefischung zuletzt, mit der der Fischebestand ermittelt wurde, werde jedoch zu einer ganz anderen Klassifizierung führen. „Der Fall wird derzeit noch bearbeitet“, sagt der Diplom-Biologe, weiß aber aus eigener Erfahrung, „dass es praktisch keine Äschen mehr in der Volme gibt, die letzte wurde meines Wissens bereits im Jahr 2007 gefangen.“

Jäger sollen gezielt "Fischfresser" abschießen

Bei der letalen Vergrämung sollen die Kormorane, von denen es mittlerweile europaweit mehr als 2,5 Millionen Tiere gibt, dauerhaft vertrieben werden. Um zu erreichen, dass die Vögel dem Gewässer fernbleiben, würden Jäger gezielt einige Kormorane abschießen. Sollte dies passieren, könnten die Mitglieder des ASV „Saubere Volme“ in ihrem Zuständigkeitsbereich des Flusses im Frühjahr 2017 den ersten neuen Äschenbestand von etwa 7000 Tieren einsetzen.

„Weil diese Fische erst mit drei Jahren geschlechtsreif werden, müssten wir dies auch in den beiden Folgejahren wiederholen“, rechnet Darschnik mit Kosten im fünfstelligen Bereich, hofft jedoch zugleich auf Fördermittel.

In Massen tritt der Kormoran an der Volme seit dem harten Winter 2001/02 auf, als alle Stillgewässer zugefroren waren und die großen Vögel, die pro Tag mindestens 500 Gramm Fisch fressen, für die Nahrungssuche auf die Fließgewässer ausweichen mussten.

An der Lenne werden Kormorane bereits gejagt

Über den Fischbestand an der Lenne fallen die Kormorane schon seit etwa 1995 her, deshalb läuft an diesem Gewässer die letale Vergrämung schon seit einigen Jahren. Zuletzt unter strengen Auflagen bis Mitte Februar.

An diesem Fluss setzt die Interessengemeinschaft Lennetaler Sportfischervereine seit Jahren viele tausend Jungfische im Wert von einigen tausend Euro in die Lenne ein. Vorsitzender Michael Plata setzt darauf, „dass die letale Vergrämung langfristig etwas zur Erholung des Bestandes beiträgt“.

Um auch den Bestand der Bachforelle wieder zu erhöhen, haben die Lennetaler Sportfischer in den vergangenen Tagen 320 000 kleine Bachforellen, die von ihnen zuvor in einem Bruthaus selbst gehegt und gepflegt worden sind, in dem Gewässer ausgesetzt. Sollte alles normal verlaufen, erreichen zumindest etwa 16 000 das Erwachsenenstadium.

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