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Firma und FH im MK entwickeln neuartiges Medizinprodukt

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Von: Sarah Reichelt

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Phagenfalle Firma Meise Schalksmühle FH Südwestfalen
Dirk Reinert von der Meise Medizintechnik GmbH nimmt die Entwicklungsakte zum Projekt Phagenfalle von Julia-Alexandra Giesbrecht entgegen. © FH Südwestfalen

Im Märkischen Kreis haben eine Fachhochschule und eine Firma ein neuartiges Medizinprodukt entwickelt. In Europa gibt es das so noch nicht.

Schalksmühle/Iserlohn – Ein unscheinbarer Ordner wechselte am Dienstag in der Fachhochschule (FH) Südwestfalen seinen Besitzer. Julia-Alexandra Giesbrecht übergab ihn an Dirk Reinert von der Meise Medizintechnik GmbH in Schalksmühle. Der Inhalt: Informationen zur möglichen späteren Herstellung eines neuartigen Medizinproduktes, das es so in Europa noch nicht gibt.

Die Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn entwickelt in einem Kooperationsprojekt zusammen mit der Meise Medizintechnik GmbH aus Schalksmühle eine sogenannte Phagenfalle, mit der antibiotikaresistente Keime mit Hilfe von körpereigenen Bakteriophagen behandelt werden sollen.

„Jeder Mensch besteht aus Billionen von Bakterien und Phagen. Bakteriophagen sind Viren, die in der Lage sind, schädliche Bakterien zu vernichten. Sie können gezielt Wunden zugeführt werden, eingeatmet oder geschluckt werden“, teilt die FH in einer Pressemitteilung mit. „Diese Therapieform kann helfen, wo gängige Antibiotika versagen.“

Immer mehr Antibiotikaresistenzen

Die Zahl von Antibiotikaresistenzen steigt, der Einsatz von Bakteriophagen bekommt also eine zunehmende Bedeutung. An der FH hat Projektleiterin Julia-Alexandra Giesbrecht gemeinsam mit Professor Dr. Kilian Hennes den Prototyp einer Phagenfalle entwickelt. Diese isoliert und vermehrt körpereigene Phagen, die anschließend der erkrankten Person in höherer Konzentration wieder zugeführt werden können.

Damit diese Phagenfalle später überhaupt auf den Markt kommen darf, müssen viele regulatorische Anforderungen erfüllt sein. Ein Teil davon ist die sogenannte Entwicklungsakte, die Studenten aus den Life-Science-Studiengängen der FH Südwestfalen zu wesentlichen Teilen mit Inhalt gefüllt haben. „Das sieht nicht nach viel aus, aber ich weiß, dass dort viel Arbeit drin steckt“, sagt Dirk Reinert. Er ist technische Geschäftsführer bei der Schalksmühler Meise GmbH. Die Studenten aus dem Modul Qualitätsmanagement hätten einen großen Beitrag dazu geleistet, dass diese Akte ganz konform nach europäischen Regularien gefüllt und entstehen könne, ergänzt Julia-Alexandra Giesbrecht. „Es ist unabdingbar, dass jeder einzelne Entwicklungsschritt bei der Entwicklung eines Medizinproduktes nach Norm dokumentiert wird, damit alle Prozesse später gut nachvollziehbar sind und für eine Auditierung vorliegen.“

Studenten verbinden Theorie und Praxis

Für die Studenten sei es „eine gute Gelegenheit, die Theorie über Regularien mit der praktischen Anwendung zu verbinden“. „Die Veranstaltung war deutlich zeitaufwendiger als andere, aber man hat auch die Verantwortung dafür getragen, dass die Arbeit gut wird“, berichtet Studentin Lisa Werner. Ihr Kommilitone Tobias Tillmann sagt: „Am Anfang war es noch sehr unstrukturiert, aber am Ende hat es deutlich besser funktioniert und die Arbeitsabläufe zwischen den einzelnen Arbeitsgruppen wurde immer fließender und dynamischer.“

Das Modul ist zwar für dieses Semester beendet, aber die Dokumente der Studenten werden weiterhin von Projektleiterin Julia-Alexandra Giesbrecht verwendet. Denn auch die weiteren Ergebnisse und Entwicklungsprozesse der Phagenfalle müssten dokumentiert und in den nächsten Teil der Entwicklungsakte für die Meise Medizintechnik GmbH eingebunden werden.
Das Gemeinschaftsprojekt läuft voraussichtlich noch bis kommendes Jahr, bis März 2023.

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