Handelskrieg schadet Traditionsbetrieb - NVB beantragt vorläufige Insolvenz

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Vorläufige Insolvenz: Das Traditionsunternehmen Nachtrodt & vom Brocke ist vom Handelskrieg zwischen China und den USA betroffen.

Schalksmühle - Nachdem bereits in den vergangenen Tagen über eine mögliche Schließung der Firma Berker berichtet wurde, gibt es nun eine weitere schlechte Botschaft für die heimische Wirtschaft. Das Traditionsunternehmen NVB Nachtrodt & vom Brocke GmbH & Co. ist in finanzielle Schieflage geraten.

Wie im Justizportal NRW seit dem 4. Juli zu lesen ist, wurde gegen das Unternehmen, das an der Viktoriastraße ansässig ist, ein Insolvenzeröffnungsverfahren angeordnet. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Dr. Jörg Bornheimer (Hagen) eingesetzt, der bereits am Verfahren gegen das Schalksmühler Unternehmen Hoffmeister im Jahr 2018 beteiligt war. 

Im Gespräch mit unserer Redaktion betont NVB-Geschäftsführer Gerhard vom Brocke, dass es sich dabei um eine vorläufige Insolvenz handle. „Das Unternehmen wird weitergeführt – zwar in anderer Form und eventuell auch unter anderem Namen. Die Mitarbeiter bleiben weitestgehend an Bord. Die Produktion läuft weiter und wir bekommen auch weiterhin Aufträge und Lieferungen.“

Seit 1927 am Standort

Das Unternehmen produziert nach eigenen Angaben seit 1927 an seinem Standort in Schalksmühle und ist auf die Fertigung von Schalter für vielfältige Einsatzzwecke und in höchster Qualität spezialisiert. „Wir fertigen alle erforderlichen Metall- und Kunststoffteile und montieren selbst – made in Germany“, ist auf der NVB-Internetseite zu lesen. Man beliefere mit einem breiten Sortiment von verpackter Großhandels- und Baumarktware den Handel, aber auch die herstellende Industrie. Im Jahr 2008 erwarb NVB seinen größeren Mitbewerber L&W in Meinerzhagen. 

Nun sei das Unternehmen in finanzielle Schieflage geraten, erklärt Gerhard vom Brocke. Einer der Hauptgründe dafür sei der Handelskrieg zwischen China und den USA. „Das ist eine hochpolitische Sache, die viele Betriebe betrifft und die die Politik so nicht im Blick hat. Chinesische Firmen, die vom Staat gelenkt werden, sind dazu angehalten, ihre Kapazitäten, die sie nicht mehr in die USA liefern können, auf anderen Märkten, besonders stark in Deutschland, zu verteilen.“ Für den Baumarkt-Bereich sei das durch extreme Kostensteigerungen bei technischen Kunststoffen und Buntmetallen ein „riesiges Problem“ , sagt der Geschäftsführer. 

Man werde von den Baumärkten aufgefordert, die Kosten zu senken und Angebote von nur 30 Prozent des üblichen Preises in Deutschland zu machen. Da könne man nicht mithalten und die Märkte würden keine neuen Aufträge erteilen und China-ware verkaufen. 

Fachkräftemangel schwächt Betrieb

Als weiteren Grund führt Gerhard vom Brocke den starken Fachkräftemangel in der heimischen Region an. Aufgrund der fehlenden qualifizierten Mitarbeiter habe man Probleme, die Aufträge zu erfüllen. Doch nicht nur national, auch aus einem anderen Grund seien die Schwierigkeiten, in denen NVB derzeit stecke, international zu suchen. Der Brexit spiele eine entscheidende Rolle. Große Kunden aus England und Irland hätten quasi von heute auf morgen ihre Produktionen nach China verlegt und teilweise komplette Geräte zum Nachbau dorthin vergeben. „Das betrifft auch besondere Schalter von uns.“ 

Das Unternhemen habe sich laut Gerhard vom Brocke deutlich verkleinert. Sechs qualifizierte Mitarbeiter bilden derzeit die Firma. Ziel während des weiteren Insolvenzverfahrens sei es nun, so erklärt es der Geschäftsführer, dass sich das Schalksmühler Unternehmen auf Artikel mit Alleinstellungsmerkmalen konzentrieren werde.

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