Kein Respekt

"Wir wollen nur helfen" - Feuerwehr mit fehlendem Respekt konfrontiert

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Die Identifikation mit Feuerwehrleuten ist verloren gegangen, finden Wehrsprecher Marc Fürst (links) und Hauptbrandmeister Rainer Lückmann.

Schalksmühle - Beinahe jeden Tag ist zu lesen, wie Rettungskräfte und andere Blaulichteinheiten beleidigt, bespuckt, angepöbelt oder angegriffen werden. Der fehlende Respekt in der Gesellschaft ihnen gegenüber wird immer deutlicher. Auch in Schalksmühle gibt es vereinzelt Anzeichen dafür.

Einen Brandbrief wolle man nicht aufsetzen, da es in der Gemeinde bei weitem nicht so schlimm zugeht, wie in anderen größeren Kommunen, sagt Marc Fürst, Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Schalksmühle, im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch auch in der Berg- und Talgemeinde hat sich in den vergangenen Jahren der Umgang mit Menschen, die – beruflich oder ehrenamtlich sogar ihre Gesundheit für andere riskieren würden – verändert. „Der Ton auf der Straße wird bei Einsätzen rauer“, weiß Rainer Lückmann mit Blick auf die vergangenen 15 bis 20 Jahre zu berichten. Aber auch generell habe sich der Blick der Bevölkerung auf die Retter verändert. 

Der allgemeine Sprachgebrauch liefere ein gutes Beispiel dafür. „Früher hieß es ,unsere Feuerwehr‘, heute heißt es ,die Feuerwehr‘, so der Hauptbrandmeister und stellvertretende Einsatzleiter der Löschgruppe Dahlerbrück. „Die Resonanz auf unser Tun hat sich gewaltig verändert. Wenn wir bei einem Einsatz mit unseren großen Fahrzeugen die Straße blockieren, dann sollte man dafür Verständnis haben. Wir können uns ja nicht in Luft auflösen. Doch leider kann man bei manchen nur noch mit dem Kopf schütteln“, schildert der passionierte Feuerwehrmann die Situation, die für alle Löschgruppen – vom Höhengebiet bis nach Dahlerbrück – gleichermaßen gilt. „Das ist leider so.“ 

Straßensperren stehen nicht grundlos da

In diesem Zusammenhang verweist der Wehrsprecher auf die gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsabstände, die eingehalten werden müssen, wenn auf der Straße gearbeitet wird. „Unsere Straßensperren haben ihre Gründe.“ Zu Handgreiflichkeiten gegen Wehrleute, die woanders mittlerweile schon fast Alltagsgegenstand zu sein scheinen, sei es noch nicht gekommen. Aber im Notfall dürfte die Feuerwehr den Täter auch bis zum Eintreffen der Polizei festsetzen, erklärt Marc Fürst. „Der Einsatzleiter darf theoretisch einen Platzverweis erteilen und ihn auch durchsetzen. Uns fehlen aber die Mittel für diesen letzten Schritt.“ Dafür halte aber die Polizei, die fast bei jedem Einsatz dabei ist, den Wehrleuten den Rücken frei. „Wir haben seit Jahren eine gute Zusammenarbeit mit den Beamten.“ 

Auf verbaler Ebene sei aber oft eine gewisse Grenze erreicht, sagt Rainer Lückmann. Wenn es zu ehrverletzend werde, dann würde man den Pöbler auch anzeigen. Der Hauptaufreger auf den Gemeindestraßen sind und bleiben Ölspuren, wissen die beiden Feuerwehrleute. Marc Fürst: „Ich habe wirklich Verständnis dafür, dass Menschen gereizt reagieren, weil sie keine Zeit haben. Wenn sie über unseren Aufwand bei einer Ölspur meckern, dann sollen sie auch bedenken, dass wir dort auch aus Umweltschutzgründen vor Ort sind. Die Menschen sollten ihren Ärger runterschlucken und eine Ausweichstrecke suchen.“ 

Früher gab es einen anderen Umgang

Die Feuerwehr könne am wenigsten dazu, ergänzt Rainer Lückmann. „Uns macht es auch keinen Spaß, so viel Zeit zu investieren und auf die erforderliche Spezialfirma zu warten.“ Früher, so die beiden Retter, sei man anders mit der Wehr umgegangen. „Je nach Einsatz wurden wir von den Anwohnern sogar mit Getränken und Essen versorgt. Das passiert heute nur noch selten. Wir sind 365 Tage im Jahr für die Bürger verfügbar – ob nachts, mitten in der Woche und selbst wenn wir am nächsten Tag zur Arbeit müssen“, so Rainer Lückmann. Heutzutage beschwere man sich schon, wenn man in der Nacht vom Martinshorn geweckt wird. „Wir sind Ehrenamtliche. Wir kriegen kein Geld dafür. Wir wollen nur helfen.“ Er gibt zu bedenken, dass jeder einmal Hilfe brauchen könnte. „Die Menschen sollten mehr Verständnis für uns aufbringen. Wir kommen ja nicht aus blauem Dunst. Ich hoffe, dass es, wenn man es tausendmal sagt, bei dem einen oder anderen auch fruchtet.“ 

"Die Identifikation mit der Feuerwehr ist verloren gegangen"

Marc Fürst bringt es auf den Punkt: „Die Identifikation mit der Feuerwehr ist verloren gegangen. Wir sind nur noch Dienstleister.“ Deshalb könne er nur jedem anbieten, sich wieder mit der Wehr zu identifizieren, indem er sich per E-Mail, über Facebook, telefonisch oder am besten vor Ort in den Gerätehäusern mit den Ehrenamtlichen in Verbindung setzt. Die Türen dort würden dafür immer offen stehen. „Wer Kritik üben möchte oder Fragen hat, der kann uns immer ansprechen, auch bei Einsätzen. Wir sind für jeden offen.“

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